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Mantrailing

30.06.2017

Lebensretter auf vier Pfoten

Frank Kania mit Toni. Der Hundeführer aus Bad Wörishofen vertraut seiner vierbeinigen Begleiterin blind. Das liegt auch daran, dass Rosi ihren eigenen Kopf hat und das tut, was sie für richtig hält – laut Kania das ideale Verhalten eines Rettungshundes.
Bild: Maria Schmid

Ein Mann wird seit 30 Stunden vermisst, die Suche bleibt erfolglos – doch dann kommt Toni. Was Rettungshundestaffeln aus der ganzen Welt in Bad Wörishofen lernen.

Er gilt als der treueste Freund und Kamerad des Menschen und ist der Liebling vor allem der Kinder: der Hund. In deutschen Haushalten leben rund 8,6 Millionen Hunde. Dass sie auf Befehle wie „Sitz!“ und „Platz!“ hören oder Bälle und Stöckchen apportieren, ist für die Hundehalter gang und gäbe. Doch was die Hunde der Rettungshundestaffeln leisten, ist schier unvorstellbar. Davon konnten sich nun jene überzeugen, die miterlebten, wie sogenannte Bluthunde und andere tierische Spezialisten aus aller Welt in Bad Wörishofen auf die Fährte gingen.

125 bis 220 Millionen Riechzellen hat so ein Hund, je nach Rasse. Geradezu armselig wirkt da der Mensch mit seinen lediglich fünf Millionen Riechzellen. Wenn es darauf ankommt, ist also der Hund der bessere Spezialist. Für diese Arbeit benötigen die Tiere aber eine fundierte Ausbildung und immer wieder ausführliches Training. Dafür prädestiniert sind die Instructors vom InterNational Bloodhound Training Institut (INBTI). Dieses Training entwickelte Kevin John Kocher, ein Ex-Polizeioffizier aus Virginia/USA. Inzwischen ist seine Tochter Opal Präsidentin. Sie kam nun nach Bad Wörishofen, wo Frank Kania Experten aus vielen Ländern für einen ganz besonderen Kurs versammelt hat.

Kania, der in der Kneippstadt lebt, hat die Gäste im Landhotel Hartenthal untergebracht. Unter den 50 Teilnehmern ist der Leiter der „Search and Rescue“ Ramón Molina von der Polizei aus Santo Domingo aus der Dominikanischen Republik. Er hatte Frank Kania 2016 bei einem Seminar in Barcelona/Spanien kennengelernt. Aus Kapstadt reiste Jackie de Sousa an, die dort für ein Sicherheitsunternehmen arbeitet und aus New York kamen Heidi und Edmund Hajek, um nur einige wenige zu nennen. Die Teilnehmer tragen, außer einer geringfügigen Gebühr, alle ihre Kosten selbst. Sie tun jedoch noch mehr. Bei jeder Veranstaltung wird ein soziales Projekt vorgestellt, diesmal von Daniela Neika aus Weilburg (Hessen). Sie ist Vorsitzende des Vereins „Rettungshunde für Nepal“. Dieser Verein unterstützt die Rettungsarbeit in Nepal. Es gibt nur eine Rettungshundestaffel, die sich nach dem Bürgerkrieg seit 2008 nur langsam wieder aufbaut und neu formiert. Auf Instruktor Frank Kania wartet nun im November dieses Jahres dort eine neue Herausforderung als Mantrailer.

Bei diesem Einsatz ist seine „Toni“, eine Bayerische Gebirgsschweißhündin, allerdings nicht mit dabei. Sie darf zu Hause bleiben. „Ein Leben ohne Hunde kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Frank Kania. Einst hat er die Rasse „Hovawart“ gezüchtet und ausgebildet. Vor sechs Jahren stellte er sich ganz auf Bayerische Gebirgsschweißhunde um. Dass seine Toni einen ganz eigenen Kopf hat, will Kania gar nicht erst verschweigen. „Toni tut halt nur das was sie will. Und das sei für einen Rettungshund genau richtig“, betont Frank Kania. Dass das gut so ist, zeigte sich bei einem Einsatz im Mai vergangenen Jahres.

Die Polizei in Kaufbeuren rief ihn und seine Hündin zu Hilfe. Die Polizisten suchten nach einem älteren Mann, der vermisst wurde. Dieser hatte wohl psychische Probleme. Toni nahm die Witterung auf und führte Frank Kania durch den Jordan-Park in Kaufbeuren durch die Unterführung zum Bahnhof. Hier musste der Vermisste in einen Zug eingestiegen sein. Toni blieb am Gleis stehen, drehte sich plötzlich um und wollte unbedingt in den Warteraum. Dort saß der Vermisste – offenbar schon seit Stunden, gleich dem Fahrkartenschalter gegenüber. Niemand sei auf die Idee gekommen, sich um ihn zu kümmern und die Polizei anzurufen, berichtet Kania.

Es seien diese Erlebnisse, die immer wieder zu weiteren Einsätzen anregten, so Frank Kania.

Auch Thomas Maier, der Leiter der Polizeiinspektion Bad Wörishofen, besuchte die Hundeführer in Hartenthal und informierte sich über deren Arbeit. Es gebe immerhin auch Bad Wörishofen hin und wieder vermisste Personen, berichtete Maier.

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