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Memmingen

02.06.2015

Legales Kiffen im Verein? 45-Jähriger will "Cannabis Social Club" gründen

Ein Memminger möchte, dass das Kiffen in einem Verein erlaubt wird.
Foto: Oliver Berg/dpa, Symbolfoto

Ein Memminger möchte, dass die Stadt den Anbau von Cannabis erlaubt und die Abgabe an Konsumenten kontrolliert. Was der Oberbürgermeister dazu sagt.

Christoph Roßner (45) ist Schmerzpatient. Er hatte vor 25 Jahren einen schweren Arbeitsunfall. Jahrelang nahm er starke Schmerzmittel. Dann hat er mal einen Joint geraucht – und schlagartig seien die Schmerzen weg gewesen. Anbau, Erwerb und Besitz des Rauschmittels Cannabis sind jedoch nicht erlaubt in Deutschland. Deshalb möchten Roßner und einige Mitstreiter die Sache legalisieren. Und zwar mit der Gründung eines „Cannabis Social Club“ in Memmingen. Eine Petition mit 66 Unterschriften dazu hat er jetzt im Rathaus übergeben. Oberbürgermeister Ivo Holzinger sieht derzeit aber kaum eine Chance, diesen Vorschlag umzusetzen. Denn eine Freigabe von Cannabis müsste erst einmal der Bundestag per Gesetz erlauben.

"Cannabis Social Club": Mitgliedschaft ab 18 Jahren

Roßner ist Leiter der Ortsgruppe Memmingen im Deutschen Hanf-Verband. Die Memminger Ortsgruppe ist vor zehn Monaten gegründet worden und war damals die Erste in ganz Bayern. In der Petition steht: „Die Stadt Memmingen möge gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Modellversuch zur Abgabe von Cannabis zur medizinischen Nutzung und als Genussmittel konzipieren und eine entsprechende Ausnahmegenehmigung hierfür ... beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beantragen.“

Konkret schlägt Roßner und die Ortsgruppe die Gründung eines „Cannabis Social Club“ vor, also eines Vereins für den legalen Anbau von Hanfpflanzen und den Vertrieb der daraus gewonnenen Produkte – je nach Verarbeitung werden sie Marihuana oder Haschisch genannt. Einige Regeln dieses geplanten Clubs: Mitglied kann jeder ab 18 Jahren werden. Anbau, Ernte und Weiterverarbeitung des Cannabis erfolgt durch die Mitglieder. Die Abgabe erfolgt ausschließlich an die Mitglieder gegen einen Unkostenbeitrag. Jedes Mitglied erhält höchstens ein Gramm pro Tag – aus medizinischen Gründen bei Bedarf auch mehr. Der Handel mit Cannabis oder die Abgabe an Dritte, insbesondere Minderjährige, bleibt illegal und führt zum Club-Ausschluss.

Die Initiatoren dieser Idee wollen mit dem Cannabis-Verein den Konsum entkriminalisieren. Denn derzeit blühe der Schwarzmarkt, wobei auch die Mafia ihre Finger im Spiel habe, sagt Roßner. Und es seien auch minderwertige und gestreckte Produkte im Umlauf, die zu gesundheitlichen Schäden führen können.

Club müsste betreut und überwacht werden

Ein „Cannabis Social Club“ bräuchte natürlich auch eine Betreuung und Überwachung. Laut Roßner würde da auf die Stadt Memmingen pro Jahr ein Betrag von ungefähr 90000 Euro an Personal- und Sachkosten zukommen. Auf der anderen Seite kämen über den legalen Verkauf der Rauschmittel ebenfalls wieder um die 90000 Euro herein. Unterm Strich wäre so ein Verein also eine finanzielle Nullnummer, rechnet Roßner vor.

Die Petition im Rathaus entgegengenommen hat Robert Langer, Leiter des Hauptamtes der Stadt Memmingen. Sichtlich mit spitzen Fingern. Er wies dabei auch auf die Gefahren des Missbrauchs von Betäubungsmitteln hin. Weiter wollte er sich nicht zu der Petition äußern. Die Angelegenheit werde nun sachlich geprüft. Dazu werde auch eine Stellungnahme der Fachstelle für Suchtprävention beim Gesundheitsamt eingeholt.

Oberbürgermeister Holzinger sagte dazu auf Nachfrage unserer Zeitung, seit Jahren schon gebe es die Diskussion um die Legalisierung sogenannter weicher Drogen. Neben der derzeit fehlenden gesetzlichen Grundlage sei auch die Finanzierung solcher Modellversuche nicht geklärt. Ferner sei der Drogenkonsum ursächlich kein Problem der Städte wie Memmingen, Kempten oder München, sondern eines der gesamten Gesellschaft. München hat übrigens solch einen Kiffer-Club vor Kurzem abgelehnt, ebenfalls weil derzeit die rechtlichen Voraussetzungen für eine Genehmigung fehlten. Eine teilweise Freigabe von Cannabis sei nur möglich, wenn sie im öffentlichen oder wissenschaftlichen Interesse liege, lautete die Begründung der Bayerischen Landeshauptstadt. (bb)

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