1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Licht und Schatten am Kurhaus

Bad Wörishofen

13.11.2019

Licht und Schatten am Kurhaus

Das Kurhaus  von Bad Wörishofen soll attraktiver werden.
2 Bilder
Das Kurhaus  von Bad Wörishofen soll attraktiver werden.
Bild: Markus Heinrich

Plus Umbaupläne für Blumen-Rondell und Wintergarten stoßen im Kurausschuss auf wenig Gegenliebe. Dabei geht es auch um den Weihnachtsmarkt.

Wie könnte man die Weihnachtszeit in Bad Wörishofen attraktiver machen? Was könnte das Kurhaus interessanter machen? Kurdirektorin Petra Nocker legte dem Kurausschuss nun mögliche Antworten auf diese Fragen vor. Allerdings stießen diese Vorschläge nicht auf Gegenliebe. Nocker schlug vor, das Blumen-Rondell vor dem Kurtheater zu öffnen und in eine teilweise befestigte Fläche zu verwandeln. Das Rondell soll von Wegen durchkreuzt werden, ein kleiner Mittelplatz soll eine bewirtete Weihnachtshütte tragen. Mit einer Öffnung und Befestigung wäre es möglich, das Areal für Feste zu nutzen. In den restlichen Zeiten sollen Bänke und Palmen für Aufenthaltsqualität sorgen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Erstmals wollte Nocker den neuen Platz zum Weihnachtsmarkt 2020 präsentieren. Die Weihnachtshütte soll dann dafür sorgen, dass auch weihnachtlicher Betrieb herrscht, wenn der Weihnachtsmarkt geschlossen ist. Der Markt findet heuer an drei Wochenenden im Dezember statt, erstmals am 7. und letztmals am 22. Dezember.

Auf diesen Umstand wies auch Martin Steinle hin, der als Vertreter der Hoteliers im Ausschuss sitzt. Der Markt schließe genau dann, wenn die Weihnachtsgäste anreisen. Nocker berichtete, dass die Vereine, welche den Weihnachtsmarkt gestalten, eine Ausdehnung personell nicht stemmen könnten. Auch Gespräche mit professionellen Anbietern hätten zu keinem Ergebnis geführt. Die Weihnachtshütte könnte dann aber für ein gastronomisches Angebot sorgen, sagte Steinle. Dies sei unter anderem nötig, wenn man eine Idee von Siegfried Unsin umsetzen wolle, der Hexenhäuschen für den Denkmalplatz angeregt habe, berichtete Steinle. Den Weihnachtsmarkt selbst an den Denkmalplatz zu verlegen, wie es etwa Wirtschaftsreferent Alwin Götzfried von der FW-Fraktion anregte, sei dagegen keine Option, signalisierte Nocker. Denn der Großteil des Marktes, der Kunsthandwerkermarkt, finde im Kurhaus statt. Die Vereine würden befürchten, bei einer Verlegung dann diese Besucher nicht mehr an ihre Stände locken zu können. Zudem wies SPD-Fraktionssprecher Stefan Ibel darauf hin, dass sich im Kurhaus auch die Toiletten für die Marktbesucher befänden.

Licht und Schatten am Kurhaus

Was es kosten würde, das Rondell vor dem Kurtheater mit Wegen zu öffnen

Um das Rondell umgestalten zu können, müsste der Rasen entfernt werden, eine wassergebundene Decke eingebaut und Randsteine verlegt werden. Zudem benötige man einen Kanalanschluss für die Hütte, Wasser- und Stromleitungen. Rund 19.000 Euro werden für die Baukosten veranschlagt.

Das Geld wird nicht benötigt, weil der Ausschuss das Vorhaben nach längerer Debatte ablehnte. Ibel sprach von einer „Verwüstung des Platzes“, zudem störe eine solche Hütte das Ensemble Kurtheater. Er könne lediglich einen direkten Weg durch das Rondell zum Theater-Eingang befürworten.

Lesen Sie dazu auch:

Weihnachtsmarkt: Neue Pläne ohne Eisbahn

Martin Steinle dagegen hätte den Umbau gerne gehabt. „Es geht uns darum, die Stadt in der Weihnachtszeit attraktiver zu machen“, sagte er. Dass es grundsätzlich nicht schlecht wäre, den Platz nutzbar zu machen, sagte Grünen-Fraktionssprecherin Doris Hofer. Dies müsse aber ohne Versiegelung geschehen und zudem mit ausreichend schattenspendenden Bäumen. Den Weihnachtsmarkt bezeichnete sie als „unseren Markt, von Vereinen für die Bürger“. Diesen von Profis machen zu lassen, wäre „schade“, findet Hofer. Für den Denkmalplatz als Standort warb wiederum Götzfried, der damit den Handel unterstützen will. „Den Einzelhändlern steht das Wasser teilweise bis zum Hals“, berichtete er. Auch viele Händler seien nicht überzeugt davon, dass der Platz vor dem Kurtheater der richtige für den Weihnachtsmarkt ist.

Marion Böhmer-Kistler (CSU) regte an, doch die Büsche zum Bonifaz-Reile-Weg zu entfernen und damit den Platz zu öffnen, hin zu einem schönen Ort mit alten Bäumen. Dass dies prinzipiell möglich sei, sagte Stadtgärtnermeister Andreas Honner. Er erinnerte allerdings daran, dass die Büsche einst als Schallschutz gepflanzt wurden, damit die Kurkonzerte ungestört vor dem Kurtheater stattfinden können.

Baureferent ist gegen einen Umbau des Rondells

Gegen einen Umbau sprach sich Baureferent Wilfried Schreiber (FW) aus. „Das Rondell ist eine Augenweide“, sagte er. Stattdessen solle man lieber mit dem Weihnachtsmarkt weiter auf die Fußgängerzone gehen. „Das hat der Handel ja schon lange gefordert.“ Das sieht auch Böhmer-Kistler so, die zudem anregte, das Rondell für Kunstausstellungen zu nutzen, etwa zum Thema Kneipp. Von einem lose befestigten Rondell würden die Weihnachtsmarktbesucher nur Matsch und Dreck ins Kurhaus tragen, befürchtet sie. Auch Zweiter Bürgermeister und CSU-Fraktionssprecher Stefan Welzel war skeptisch. Er erinnerte an die Probleme, die nun in Sachen Neue Mitte Gartenstadt öffentlich wurden. Auch dort hätten die Planer auf Bäume eher verzichtet, nun werde der Platz kaum genutzt.

Wassertretanlage fürs Kurhaus Bad Wörishofen stößt auf Skepsis im Kurausschuss

Auch für die von Nocker vorgeschlagene Verbesserung fürs Kurhaus konnte sich der Ausschuss nicht erwärmen. Eine Ganzjahres-Wassertretstelle soll dort entstehen, wo jetzt der Wintergarten ist. Kostenpunkt: rund 375.000 Euro. Die Hälfte davon müsste die Stadt voraussichtlich selber zahlen. An dieser Summe stießen sich gleich mehrere Redner. Ob dies überhaupt finanzierbar sei, wollte Alwin Götzfried wissen. „Es wird spannend“, sagte dazu Kämmerin Beate Ullrich. Derzeit sehe es eher schlecht aus, genau sagen ließe sich das aber noch nicht. Deshalb schlug Bürgermeister Paul Gruschka (FW) umgehend eine Vertagung vor, bis dies geklärt ist. Grundsätzlich halte er den Wassertretplatz aber für eine „tolle Idee für den 200. Kneipp-Geburtstag“ im Jahr 2021. Götzfried sah das kritischer. Das Kurhaus sei kein „kneippsches Badehäuschen“, er könne zudem kein Zielgruppenkonzept erkennen. Stattdessen könne man doch überlegen, die bestehende Wassertretanlage an der benachbarten Pergola einzuhausen, etwa mit Glas, und so zur Ganzjahres-Wassertretstelle machen. Auch Stefan Ibel war skeptisch. „Das wird uns keinen Gast zusätzlich bringen“, glaubt er. Er forderte eine Entscheidung. Stefan Welzel hielt die Idee einer „Indoor-Anlage“ grundsätzlich für gut, stellte aber infrage, ob der Wintergarten dafür der richtige Platz sei. Deutlicher wurde Doris Hofer. „Mich hat es fast umgehauen, als ich den Preis gesehen habe“, sagte sie. Rund 100.000 Euro alleine für Architektenhonorare, das sei alles zu teuer. „Die Idee ist gut, aber dafür den wunderbaren Wintergarten opfern?“, fragte sie.

So eine Summe müsse dann schon an der richtigen Stelle investiert werden: für Übernachtungen. „Wir stecken in einer Krise“, stellte Hofer fest. „Die Übernachtungen gehen rapide zurück.“ Dass Bad Wörishofen „in der Krise steckt, seit die Krankenkassen die Kur nicht mehr zahlen“, beschied ihr Bürgermeister Gruschka. „Das ist nichts Neues“.

Die Entscheidung wurde vertagt.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren