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Türkheim

21.01.2020

Lidl-Neubau löst nicht nur Begeisterung aus

Für dieses Areal nördlich der Wörishofer Straße am Ortseingang in Türkheim, an der Abzweigung Merowinger Straße, wurde der vorgesehene Bebauungsplan vom Marktgemeinderat gebilligt.
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Für dieses Areal nördlich der Wörishofer Straße am Ortseingang in Türkheim, an der Abzweigung Merowinger Straße, wurde der vorgesehene Bebauungsplan vom Marktgemeinderat gebilligt.
Foto: Sabine Schaa Schilbach

Plus Der Discounter plant in Sichtweite des bestehenden Markts einen größeren Neubau. Jetzt haben die Türkheimer Bürger die Gelegenheit, sich dazu zu äußern.

Es war die dritte Änderung des Bebauungsplans „Nördlich der Wörishofer Straße“, die im Marktgemeinderat Türkheim zur Abstimmung anstand. Da auf dem Gelände der Neubau des Discounters Lidl mit 1100 Quadratmetern Verkaufsfläche geplant ist, war die Diskussion im Gemeinderat auch von möglichen Auswirkungen auf das Ortsbild und den Einzelhandel im Ortskern bestimmt.

Der neue Lidl-Supermarkt soll den alten Discounter ersetzen, der nur wenige Meter vom Neubau an der Wörishofer Straße steht

Nur einen Steinwurf vom bestehenden Supermarkt an der Wörishofer Straße mit rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche will Lidl im angrenzenden Gewerbegebiet an der Merowinger Straße nicht nur um rund 300 Quadratmeter erweitern, sondern auch die Lagerfläche entsprechend vergrößern. Auch soll ein eigener Pfandraum für die Flaschenrückgabe entstehen. Die Wohnbesiedelung beginnt gleich gegenüber, südlich der Wörishofer Straße.

Christoph Roider von der Bürogemeinschaft für Ortsplanung und Stadtentwicklung (OPLA) in Augsburg, stellte das Konzept vor: ein flaches Industriegebäude mit wahlweise Solarpaneelen auf der leicht geneigten Dachfläche oder mit Dach-Begrünung, eine Lkw-Zufahrt im Westen durch die Merowinger Straße und ein Parkplatz für 100 Autos, die auch von der Merowinger Straße aus erreichbar sein sollen. Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens soll es nach seiner Aussage keinen Zulieferverkehr geben, aus Rücksicht auf die Nachtruhe der Anlieger.

Die gesetzlich vorgeschriebenen Gutachten wie etwa zum Emissionsschutz und zu Abstandsregelungen habe man bereits eingeholt, so Poider. Eine Bürgerbeteiligung sei nicht vorgesehen, da Lidl als Einzelhandelsunternehmen schon zugelassen sei. Auch ein Umweltbericht sei im Baugenehmigungsverfahren nicht vorgesehen.

Grünen-Gemeinderätin Gudrun Kissinger-Schneider warnt beim Lidl-Neubau vor "Gigantismus"

Markträtin Gudrun Kissinger-Schneider (Grüne) machte erneut deutlich, dass sie die Neubaupläne kategorisch ablehnt. Vor allem warnte sie vor den möglichen Auswirkungen auf den Einzelhandel im Ortskern, zu dem der neue, größere Markt in Konkurrenz treten werde. Ein Umbau samt möglicher Modernisierung des bestehenden Supermarktes an der Wörishofer Straße erschein der Grünen-Markträtin daher die sinnvolle Alternative zu einem aus ihrer Sicht drohenden „Gigantismus“.

Und ob tatsächlich 100 Parkplätze nötig wären, sei ebenfalls fragwürdig – immerhin sei der bestehende Parkplatz ja kaum einmal voll belegt.

Otto Rinninger (Freie Wähler) stieß sich ebenfalls an der Anzahl der vorgesehenen Parkplätze und am Flächenverbrauch. Warum könne man nicht ein Parkdeck im ersten Stock des Gebäudes bauen und unten im Erdgeschoss einkaufen? Er bezweifelte auch, dass die große Verkaufsfläche von 1100 Quadratmeter wirklich der „Nahversorgung“ der Türkheimer Verbraucher diene. So viele potenzielle Kunden würden ja auch nicht im Türkheimer Süden wohnen, meinte Rinninger.

Der Lidl-Neubau beschäftigt die Türkheimer schon länger: Lidl will wachsen und in die Merowinger Straße umziehen

Die Ratsmehrheit blieb am Ende aber bei ihrem Ja zum Neubau. Schon im September des vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat seine Zustimmung zu einem Umzug vom bisherigen Standort an der Wörishofer Straße ins Gewerbegebiet an der Merowinger Straße gegeben. Damals wurden die planerischen Voraussetzungen geschaffen und die nötige Änderung des Bebauungsplanes in ein „Sondergebiet Einzelhandel“ beschlossen. Umstritten war schon damals vor allem die Flächenversiegelung durch den Neubau und die Nachnutzung des bisherigen Lidl-Standortes. Zumindest für die Nachnutzung des bestehenden Gebäudes an der Wörishofer Straße konnte Bürgermeister Christian Kähler den Gemeinderäten damals eine Lösung präsentieren: Die Drogeriemarktkette Rossmann hat demnach zugesichert, das Gebäude zu mieten.

Bei der jüngsten Sitzung gab es dann aber keine weiteren Einwände gegen die geplante Genehmigung. So wurde die dritte Änderung des Bebauungsplans „Nördlich der Wörishofer Straße“ gebilligt, mit 14 Ja- und sechs Nein-Stimmen. Acht Wochen später werde man sich im Marktgemeinderat dann über das weitere Vorgehen beraten.

Türkheimer Bürger können jetzt die Pläne im Rathaus einsehen und Einwände vorbringen

Mit der Anhörung der sogenannten „Träger öffentlicher Belange“ geht das Genehmigungsverfahren jetzt auf die Zielgerade: Behörden, Verbände und Amtsträger werden angeschrieben und erhalten den geplanten Bebauungsplan zur Ansicht, mit der Bitte um Stellungnahme. Auch Türkheimer Bürger dürfen sich dazu äußern und können Einwände vorbringen.

Sind die sinnvoll, werden sie aufgenommen, vom Gemeinderat in der Sitzung abgewogen und bei der Planung berücksichtigt. Gut vier Wochen liegt der geplante Bebauungsplan ab sofort im Türkheimer Rathaus aus. In acht Wochen erfolgt der Satzungsbeschluss der Marktgemeinde zur Genehmigung des Bebauungsplans, sofern keine Behörde widersprochen hat. Gleichzeitig mit der Gemeinde kann dann das Landratsamt im März den jetzt schon vorliegenden Bauantrag genehmigen. Dann kann es losgehen. Der Konzern strebt einen Baubeginn im Frühsommer an und will den neuen Lidl-Markt noch in diesem Jahr eröffnen.

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