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Mindelheim

12.02.2019

Lieber heute unromantisch als morgen arm

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Ebbe im Geldbeutel. Frauen, die im Alter nicht jeden Cent umdrehen wollen, müssen rechtzeitig vorsorgen. Beim Infotag des Frauenbundes wurde klargestellt: „Ein Mann ist keine Altersvorsorge!“
Bild: dpa

Was Frauen tun sollten, um im Alter nicht von Almosen leben zu müssen, zeigt ein Informationstag des Katholischen Frauenbundes in Mindelheim.

Liebe macht blind – offenbar besonders Frauen. Die Autorin Helma Sick, die auch für die Frauenzeitschrift Brigitte schreibt, kann sich regelrecht in Rage über Frauen reden, die sich vertrauensselig und völlig sorglos auf Männer verlassen. Nicht selten stehen sie am Ende mit leeren Händen da, wenn alle Romantik verflogen ist. Altersarmut ist die Folge.

Wer in wilder Ehe lebt, sollte sich besonders ums Alter sorgen

Der Katholische Deutsche Frauenbund hat einen Informationstag über das Thema Altersvorsorge für Frauen im Mindelheimer Forum organisiert – ein Thema, das alle angeht oder angehen sollte. Gekommen waren freilich nur 25 Frauen. Für Sick nicht wirklich überraschend. Die Expertin erlebt immer wieder, dass Frauen das Thema Alterssicherung ausblenden. Sie rät allen, schon zu Beginn einer Beziehung zu klären, wie sich durch eine Familienplanung Nachteile für die Frau vermeiden lassen. „Lieber jetzt unromantisch sein als später arm“, formulierte sie.

Besonders schlimm dran sein können Frauen, die in wilder Ehe leben. Wenn kein Testament, kein Vertrag vorhanden ist, kann die Frau absolut leer ausgehen, wenn der Mann vorzeitig stirbt, warnt Sick. Immer wieder habe sie solche Dramen erlebt. Nicht viel besser ergeht es oft Selbstständigen und Freiberuflern, die privat nicht vorgesorgt haben. Sick warb dafür, dass diese Berufsgruppen wie in Österreich und der Schweiz üblich in die gesetzliche Rente einzahlen müssen. Gerade in Familienbetrieben würden die Frauen oft als billige Arbeitskraft gesehen. Sie sollten aber unbedingt sozialversicherungspflichtige Anstellungen erhalten.

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In der Diskussionsrunde, die von Susanne Zehentbauer moderiert wurde, rüttelte Helma Sick die jungen Frauen auf. Männer wüssten, dass sie ein Leben lang arbeiten müssten. Immer noch viele Frauen hätten aber im Hinterkopf, dass irgendwann der Prinz mit dem weißen Pferd vorbeikomme. „Sie machen Yoga und Pilates, und das ist nicht in Ordnung.“

Wenn die Arbeit in der Familie nicht anerkannt wird

Eine Frau aus dem Publikum hielt dagegen. Sie arbeite den ganzen Tag. Nur werde diese Arbeit in der Familie nicht anerkannt. Hier sollte der Gesetzgeber nachbessern. Eine junge Mutter bekannte, ihr fehle das Vertrauen ins Rentensystem. Sie rechnet mit einem Zusammenbruch der Finanzmärkte. Nichts zu tun, sei aber keine Lösung, betonte Helma Sick. Selbst im 20. Jahrhundert mit zwei Weltkriegen sei das Rentensystem nicht zusammengebrochen.

Von entscheidender Bedeutung ist eine gute Kinderbetreuung, um den Frauen Erwerbsarbeit überhaupt erst zu ermöglichen. Da waren sich alle in der Runde einig. Dass diese allerdings noch nicht optimal ist, wurde auch deutlich. Die Bildungsberaterin der Stadt Mindelheim und des Landkreises, Birgit Steudter-Adl Amini warb dafür, dass sich Frauen mehr kommunalpolitisch engagieren sollten. „Nur das bringt solche Themen voran“.

Alle Rednerinnen warben für Erwerbsarbeit von Frauen. Bildung sei dabei von großer Bedeutung, weil nur so ordentliche Gehälter zu erzielen sind. Mütter sollten sich überlegen, wo sie beruflich hin wollen, sagte Steudter-Adl Amini. Und sie warb dafür, Elternzeiten auch für Fortbildung zu nutzen.

Unternehmen sollten familienfreundlicher werden

Christina Schelle, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt von der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen bietet Wiedereinstiegskurse für Frauen an. Diese sollte man wahrnehmen. Da werde auch geübt, wie man Gehaltsverhandlungen führt.

Mehr bewegen müssten sich auch die Unternehmen, damit die Arbeitszeiten familienfreundlicher gestaltet werden können. Männer und Frauen sollten sich die Familienarbeitszeit teilen. Dass das nicht immer einfach ist, machte eine Frau aus dem Publikum deutlich. Ihr Mann war Exportleiter einer großen Firma. Seine Arbeitszeit zu reduzieren sei unmöglich gewesen. Helma Sick ließ sich nicht beirren. Die Wirtschaft müsse frauen- und familienfreundlicher werden. Dafür müssten die Frauen auch kämpfen. „So lange sie sich nicht starkmachen, wird sich nichts verändern.“ Vom Sofa daheim aus gehe das nicht.

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12.02.2019

Trennung wäre erforderlich - alle Diskussionen drehen sich um die Altersversorgung. Dabei sollte zwischen beitragszahlenden Beschäftigten und staatlichen Transferleistungen unterschieden werden. Rente=Beitragszahlung - Erziehung, Frauen, Krieg, Wehrdienst, Zivildienst; etc. = Staatliche Leistungen.
Die ständige Vermischung von staatl. dirigistischen Leistungspflichten mit beitragsbezogenem Rentensystem führt zu "Intransparenz und Frust des Beitragszahlers" und zu "staatl. Missbrauch" des Rentensystems.

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