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Mindelheim

02.01.2019

Liebhaber findet Liebhaberstück

Pfarrhof Mindelau aus dem 18. Jahrhundert. Das Gebäude steht seit 1961 leer. Derzeit wird es vom Architekten Matthias Paul renoviert.
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Pfarrhof Mindelau aus dem 18. Jahrhundert. Das Gebäude steht seit 1961 leer. Derzeit wird es vom Architekten Matthias Paul renoviert.
Bild: Johann Stoll

Der Architekt Matthias Paul hat den leer stehenden Pfarrhof von Mindelau für sich entdeckt. Jetzt richtet er das historische Gebäude her.

Alte Häuser haben viel zu erzählen, aber manchmal werden sie einfach vergessen. Vor zehn Jahren war Matthias Paul auf den leer stehenden Pfarrhof von Mindelau aufmerksam geworden. Auf den ersten Blick war das Gebäude eigentlich nicht zum Verlieben. Die Fenster waren teilweise kaputt, die Fassade in schlechtem Zustand, Treppen beschädigt und auch das Dach benötigte dringend Hilfe. Matthias Paul hat das nicht abgeschreckt. 2012 kaufte er das renovierungsbedürftige Haus von der Katholischen Kirchenstiftung. Und seit 2017 ist er dabei, alles nach und nach auf Vordermann zu bringen.

Der Pfarrhof bei Mindelheim stand seit mehr als 50 Jahren leer

Seit 1961 stand das Gebäude leer. Paul ist Architekt mit besonderer Liebe zu altem Gemäuer. Er wohnt selbst zur Miete in einem restaurierten Pfarrhof in Großkitzighofen. In der Region hat er sich einen Namen als jemand gemacht, der mit viel Herzblut alte Häuser wieder zum Leben erweckt. Zum Beispiel hat Paul den Bau des Stadtmuseums in Kaufbeuren betreut. In den Pfarrhof von Mindelau hat er sich sofort verliebt. Ihn will er im Laufe des neuen Jahres so weit hergerichtet haben, dass er mit seiner Familie einziehen kann. In dem Haus will er auch Büroräume unterbringen.

Bevor er aber loslegen konnte, war Einigung mit dem Landesamt für Denkmalpflege zu erzielen. Das Haus aus dem Jahr 1761, das die Mindelheimer Jesuiten für einen Geistlichen errichtet haben, steht unter Denkmalschutz. Mit Matthias Paul haben es die Fachleute freilich mit einem Gleichgesinnten zu tun. In Archiven sucht er, was an historischen Quellen über das Haus noch zu finden ist. Und unter der Außenschicht hat er sich auf die Suche nach Spuren gemacht, wie das Gebäude ursprünglich wohl ausgesehen hat. Die Fassade ließ er dann vom Maler Roger Kausch, der wie er in Großkitzighofen lebt, historisch rekonstruieren.

Manches Fenster des Pfarrhofs bei Mindelheim ist noch im Originalzustand erhalten geblieben

Auch bei den Fenstern und Türen achtet er sehr auf Details. So manches Fenster ist schließlich schon fast 250 Jahre alt und noch im Originalzustand erhalten. Einzelne mussten rekonstruiert werden. Da leistete die Firma Häfele aus Westernach wertvolle Dienste. Die Fensterstöcke werden übrigens nicht mit Acrylfarben gestrichen, sondern mit Leinölfarben. Das ist zwar aufwendiger, erhält aber so den Charakter des Hauses.

Alte Dachplatten hat Matthias Paul günstig aus Weilheim in Oberbayern organisieren können. Der dortige Bauhof bekam neue Platten, da waren die alten übrig. Den Dachstuhl hat die Firma Bichtele aus Blonhofen bereits ausgebessert. Komplett neu ist ein Anbau. An der Stelle befand sich im 18. Jahrhundert noch ein Ökonomiegebäude, das aber später abgerissen wurde.

Eigentlich ist ein solches Sanierungsobjekt allein nicht zu finanzieren. Deshalb gibt es einen Sonderfonds in Bayern, der den denkmalpflegerischen Mehraufwand teilweise abdeckt. Dabei hat Paul auch auf die Hilfe von Unterallgäus Kreisbaumeister Claus Irsigler und Michael Habres vom Landesamt für Denkmalpflege bauen können.

Dass das Geld auch schon früher knapp war, gehört irgendwie zur Geschichte des Hauses. Matthias Paul hat Klagebriefe aus dem 19. Jahrhundert ausfindig gemacht, in denen der damalige Pfarrer mehr Geld für den Bauunterhalt einforderte. Offenbar waren damals alle Appelle an die Kirche ungehört verhallt. Für sein Projekt ist Paul zuversichtlich. Er sieht sich auf der Zielgeraden, auch wenn im Inneren derzeit noch so manche Wand und mancher Boden erneuert werden müssen.

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