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Mindelheim

26.08.2018

Lola und Trudi sind tierische Therapeuten

Lola (links), Trudi und ihr Frauchen Brigitte Kis sorgen dafür, dass es Menschen besser geht. Sie besuchen Pflegebedürftige, aber auch Kinder in der Schule oder im Kindergarten.
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Lola (links), Trudi und ihr Frauchen Brigitte Kis sorgen dafür, dass es Menschen besser geht. Sie besuchen Pflegebedürftige, aber auch Kinder in der Schule oder im Kindergarten.
Bild: Melanie Lippl

Wie die Mindelheimerin Brigitte Kis und ihre beiden Hunde Lola und Trudi Menschen helfen.

Lola gibt Vollgas, wenn Brigitte Kis mit ihr Gassi geht. Doch die fünfjährige Jagdhündin kann auch anders: Sie ist ganz sanft, wenn sie sich zu einem pflegebedürftigen jungen Mann ins Bett legt. Sie ist ganz brav, wenn eine Frau im Rollstuhl sie an der Leine führt. Und sie ist ganz ruhig, wenn eine Horde Kindergartenkinder um sie herumtollt, sie begutachtet und anfasst. All das muss Lola auch sein, denn sie hat eine wichtige Aufgabe: Lola ist als Therapiebegleithund im Einsatz.

Lola ist in Mindelheim und Umgebung in Schulen im Einsatz

Zusammen mit ihrem Frauchen Brigitte Kis hilft Lola anderen Menschen. „Sie ist für viele geeignet, die sich erden müssen“, sagt die 43-jährige Hundeführerin. Gemeinsam mit Lola war sie schon häufig in Schulen, auch bei hyperaktiven Kindern. Am Ende sagte ein Lehrer zu ihr: „So ruhig war die Klasse noch nie.“

Wenn Lola sich an den 21-jährigen Mann kuschelt, der beatmet werden muss, dann beruhigt sich seine Herzfrequenz und die Hand, die sonst unkontrolliert umherschnellt, wird immer ruhiger. Als der Mann gemeinsam mit Brigitte Kis ein Lernspiel für Lola vorbereitet, in dem er Leckerlis verstecken muss, kann er auf einmal nach den Hundehäppchen greifen. „Er hat die Motivation, sich zu konzentrieren, damit das Tier seine Belohnung bekommt“, sagt Brigitte Kis. Das Greifen hätte der junge Mann sicher auch mit Physiotherapie geschafft, glaubt sie – aber eben nicht so schnell wie mit Lola.

Lola und Trudi sind tierische Therapeuten

Der Hund motiviert die Menschen, Verantwortung zu übernehmen, gerade jene, die es im Alltag kaum noch gewohnt sind. Wie die Schlaganfallpatientin: eine Frau in den Fünfzigern, die ein Leben lang mit Tieren gelebt hat und sich nun kaum mehr bewegen kann. Sie ist fremdbestimmt, den ganzen langen Tag. Anders beim Gassigehen mit Lola: Da hält die Rollstuhlfahrerin den Hund am Geschirr. Sie bestimmt, wo es langgeht – und trägt die Verantwortung. „Ich gebe ihr den Auftrag, zu schauen, dass Lola keine Katze entdeckt, die sie jagen möchte“, sagt Brigitte Kis. „So nimmt die Frau ihre Umwelt plötzlich wieder anders wahr – und die Umwelt sie.“ Der Hund dient als erstes Gesprächsthema mit Fremden, als Brücke zwischen der großen Außenwelt und der kleinen Welt eines Pflegepatienten.

Lola ist aufgewachsen im Seniorenwohnheim im Türkheim

Lola ist in dieser Pflege-Welt aufgewachsen, damals, als Brigitte Kis noch das Türkheimer Kreisseniorenwohnheim geleitet hat. „Da habe ich schon beobachtet, wie ruhig und vorsichtig sie auf Menschen mit Einschränkungen zugeht“, erinnert sich Kis. Menschen mit schwerer Demenz haben sie da als Heimleiterin zwar nicht mehr wiedererkannt, aber wenn Lola einmal daheim geblieben war, haben sie sie angesprochen, wo denn der Hund heute sei.

Heute ist Brigitte Kis als Fachlehrerin für Pflege und als Fachkraft in der außerklinischen Intensivpflege im Einsatz. Aus privater Neugier hat sie die eineinhalbjährige Ausbildung zur Fachkraft für professionelle tiergestützte Intervention nach ISAAT (International Society for Animal Assisted Therapy) begonnen – „eine der besten Ausbildungen, die ich gemacht habe“. Sie habe gelernt, wie man alle möglichen Tiere zum Wohle der Menschen einsetzen kann – vom Papagei bis zur Kuh – und ihren Blick für die Natur geschärft. „Ich bin auf dem Bauernhof aufgewachsen und hatte vergessen, wie gut sich eine Kuhzunge anfühlt!“ Immer häufiger fällt der 43-Jährigen nun auf, wie digital die Welt geworden ist. „Ich glaube, wir haben ein Stück weit die Kommunikation verlernt.“ Mit Tieren hingegen müsse man klar kommunizieren. „Man kann dem Hund keine Whatsapp schicken.“ Umso schöner ist es für sie zu beobachten, dass Menschen durch Lola ruhiger werden, aufmerksamer und bewusster in ihrer Wahrnehmung.

Während Reittherapien teils von den Krankenkassen bezahlt werden, gibt es für Lolas Besuche kein Geld, weil die tiergestützte Therapie als unterstützende Therapie von Krankheiten nicht anerkannt ist. Von Lolas Wirkung ist Brigitte Kis dennoch überzeugt: „Wir können zwar nicht heilen, aber wir können den Heilungsprozess unterstützen.“

Vor Kurzem war Lola im Christoph-Scheiner-Kindergarten in Mindelheim

Die beiden machen aber noch mehr: Vor Kurzem waren sie im Mindelheimer Christoph-Scheiner-Kindergarten, um den richtigen Umgang mit dem Hund zu zeigen. „Erst auf den Bildern ist mir bewusst geworden, wie stolz die Kinder beim Herumführen waren“, sagt Kis. Kein Wunder: Schließlich ist Lola ein großer Jagdhund mit beeindruckenden Zähnen. „Prinzessin“ hätten die Kindergartenkinder sie genannt. Denn: „Lola hüpft nicht durch den Reifen, sie schreitet.“

Tatsächlich passt der Kosename sehr gut zu der wesensstarken Hundedame, die ihre „Praktikantin“, die eineinhalbjährige Trudi – eine Bayerische Gebirgsschweißhündin – auch mal zurecht weist, wenn es sein muss. Lola hat ihre Eignung zum Therapiebegleithund schon in Prüfungen unter Beweis gestellt, sie hat gezeigt, dass sie gelassen bleibt, auch wenn ein Patient einen epileptischen Anfall bekommt oder es plötzlich laut knallt. „Lola ruht in sich“, sagt Frauchen Brigitte Kis. Auch sie selbst wird von ihrem Hund manchmal auf den Boden der Tatsachen geholt – dann nämlich, wenn sie zu lange am Schreibtisch sitzt. Dann kommt Lola und stupst sie mit der Nase an: Es ist Zeit zum Gassigehen, Frauchen, Zeit zum Auspowern.

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