NS-Zeit

17.02.2014

Macht die Stadt Ernst?

Wird es bald in Mindelheim Stolpersteine geben, die an die Familie Liebschütz erinnern sollen? Der Kulturausschuss wird heute darüber diskutieren.

Heute befasst sich der Kulturausschuss mit der Frage, ob an die Familie Liebschütz mit Stolpersteinen erinnert werden soll

Mindelheim Mitte November hatte die Mindelheimer Zeitung anlässlich des 75. Jahrestages der Reichspogromnacht an das Schicksal der jüdischen Familie Liebschütz erinnert, die in Mindelheim lebte und von Nationalsozialisten drangsaliert und teilweise schikaniert wurde. Einige wenige halfen der Familie, die meisten taten nichts.

Vor Wochen hatte Bürgermeister Stephan Winter schriftlich erklärt: „Die NS-Zeit in Mindelheim muss unbedingt aufgearbeitet werden. Das traurige Schicksal, das der Familie Liebschütz widerfahren ist, soll nicht in Vergessenheit geraten.“

Jetzt macht die Stadt offenbar ernst. Heute, 17. Februar, befasst sich der Jugend-, Kultur- und Sozialausschuss des Stadtrates in seiner öffentlichen Sitzung von 18.30 Uhr an im Rathaus mit der Frage, ob zu Ehren der Familie Liebschütz sogenannte Stolpersteine geschaffen werden sollen. Derzeit gibt es eine Erinnerungstafel an der Gruftkapelle.

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Im neuen Heimatmuseum will die Kreisstadt eine Abteilung „Mindelheim im Dritten Reich“ schaffen. Das sagte der Bürgermeister im vorigen November. Nähere Angaben über die Beschaffenheit dieses Teilmuseums machte die Stadt bisher nicht. Im Stadtarchiv sind laut Archivar Andreas Steigerwald nur noch wenige Dokumente aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 erhalten geblieben. Dort wurde gegen Kriegsende offensichtlich systematisch heikles Material vernichtet.

Jakob Liebschütz, den die Nationalsozialisten 1938 zwangen, sein Textilgeschäft in der Maximilianstraße aufzugeben und der in die USA emigrieren konnte, ist 1994 mit einer Gedenktafel an der Gruftkapelle geehrt worden.

Die Initiative hatte damals Ingrid Friedrich ergriffen, die im Herbst 1991 zur Ortsvorsitzenden der SPD gewählt worden war. Friedrich hatte den damaligen Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, Gernot Römer, nach Mindelheim eingeladen. Dieser hatte das Buch „Der Leidensweg der Juden in Schwaben“ verfasst und war darin auch auf Mindelheim zu sprechen gekommen. Die Einladung an Römer war 1991 von mehreren Parteien ausgesprochen worden. CSU, Freie Wähler und Grüne machten mit.

Bürgermeister Winter deutete im vergangenen November an, er könne sich in Mindelheim auch „Stolpersteine“ für die während der NS-Zeit verfolgten Juden vorstellen. Über diese ebenen Platten „stolpert“ der Passant gedanklich und erinnert sich somit an das schlimme Schicksal, das der Familien widerfahren ist.

„Dies wird deutschlandweit so gehandhabt. Vor der Ludwig-Maximilians-Universität am Münchner Geschwister-Scholl-Platz beispielsweise erinnern Stolpersteine an die Studenten der Weißen Rose, die hingerichtet wurden“, erklärte Kulturamtsleiter Christian Schedler. Jetzt haben die Mindelheimer Stadträte das Wort. (jsto)

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