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Bad Wörishofen

29.01.2020

Manfred Lütz: "Meine Bücher lasse ich immer von einem Metzger lesen"

Manfred Lütz gehört zu den bekanntesten Psychotherapeuten. Mit seinen Büchern hat er ein Millionenpublikum erreicht. Zur missionarischen Woche kommt der Rheinländer nach Bad Wörishofen.
Foto: Daniel Biskup/dpa

Plus Manfred Lütz ist Psychotherapeut, Theologe und Autor. Er sagt, was Lebenslust bedeutet und warum Erfolg nicht wichtig ist für ein gelungenes Leben.

Welche Rolle spielt Pfarrer Sebastian Kneipp Ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit. Ist seine Lehre noch zeitgemäß?

Manfred Lütz: Das kann ich nicht beurteilen, ich habe nie gekneippt und bin etwas wasserscheu.

Heißt gesund leben, Leben ohne Lust?

Lütz: Schon Platon hat gesagt: Die ständige Sorge um die Gesundheit ist auch eine Krankheit. Ich habe ein Buch geschrieben mit dem Titel „Lebenslust – Wider die Diätsadisten, den Gesundheitswahn und den Fitnesskult.“ Wer nur noch auf gesunde Ernährung achtet, von morgens bis abends Gesundheitsbücher liest und mit hängender Zunge durch die Wälder rennt, um sich das Ewige Leben sozusagen zu erlaufen, der lebt ein verzichtreiches lustloses Leben – und am Ende ist er ganz überrascht, dass er trotzdem stirbt.

Ist Gesundheit für viele Menschen zur Religion geworden?

Lütz: Mein Eindruck ist tatsächlich, dass inzwischen viele Menschen nicht mehr an den lieben Gott glauben, sondern an die Gesundheit und alles was man früher für den lieben Gott tat – Wallfahrten, Fasten, Gute Werke tun – das tun die heute für die Gesundheit. Es gibt Menschen, die leben überhaupt nicht mehr richtig, die leben nur noch vorbeugend und sterben dann gesund, aber auch wer gesund stirbt ist leider definitiv tot.

Thema Ihres Vortrags bei der missionarischen Woche in Wörishofen ist „Die Werte, die Wahrheit und das Glück“. Welche Werte sind für Sie heute wichtig und wie können sie vermittelt werden?

Lütz: Ich habe den Vortrag auch schon im Kabarett gehalten, denn ich bin als Rheinländer der Auffassung, dass man wichtige Dinge auch humorvoll sagen kann. Ich möchte den Inhalt jetzt nicht schon vorwegnehmen, aber es geht tatsächlich um das Wesentliche des Lebens. Viele Eltern fragen sich doch heute, wie sie ihren Kindern Werte vermitteln sollen und wenn ja welche. Mein Großonkel Paulus van Husen, dessen Autobiographie ich gerade herausgegeben habe, war Mitglied im Kreisauer Kreis, das heißt im Widerstand gegen Hitler, hat sein Leben eingesetzt gegen dieses Lügenregime und das können Sie nur, wenn Sie an so etwas wie die Wahrheit glauben und als Psychotherapeut habe ich mit vielen Menschen zu tun gehabt, die auf Irrwegen das Glück suchten...

Was ist eigentlich Glück? Macht Erfolg im Leben und Beruf allein glücklich?

Lütz: Glücksdefinitionen machen unglücklich und Glücksbücher auch, wenn da irgendein Autor beschreibt, wie er persönlich glücklich wurde und den Leser dann traurig zurücklässt, weil der Leser nun mal leider nicht der Autor ist – damit der dann gleich das nächste Glücksbuch kaufen kann. Im Grunde gibt es 7 Milliarden unterschiedliche Wege zum Glück, soviele wie es Menschen gibt. Und Erfolg ist entgegen dem allgemeinen Trend nicht wirklich wichtig für ein gelingendes Leben. Vincent van Gogh war der erfolgloseste Maler aller Zeiten, seine Bilder waren unverkäuflich, aber wer wird denn bestreiten, dass Vincent van Gogh ein gelungenes Künstlerleben geführt hat. Und Josef Stalin war der erfolgreichste russische Herrscher aller Zeiten, er hat den Machtbereich Russlands bis nach Mitteleuropa ausgedehnt, aber wer wird denn das Leben dieses Massenmörders für ein gelungenes Leben halten? Erfolg ist nicht wichtig im Leben.

"Viele Menschen leben nur noch in künstlichen Welten"


Was empfehlen Sie unseren Lesern für das Jahr 2020 in Sachen Glück, Genießen und Lebensfreude?

Lütz: Sich den Vortrag anzuhören, da geht es dann unterhaltsam und allgemeinverständlich sozusagen ans Eingemachte.

Die Gesellschaft entfernt sich in manchen Bereichen immer mehr von der Wahrheit. Wie kann man dem entgegenwirken?

Lütz: Indem man sich ab und zu mal mit den grundlegenden Fragen beschäftigt. Viele Theologen und Philosophen haben sich allerdings eine so unverständliche Sprache angewöhnt, dass kaum jemand sie noch versteht. Ich lasse meine Bücher deswegen immer von meinem Metzger lesen, denn alles was Metzger nicht verstehen, ist meiner Auffassung nach nicht wichtig im Leben.

Sie haben im Jahre 2014 in einem Ihrer Bücher von der Fälschung der Welt geschrieben. Hat die Gegenwart Sie nicht eingeholt?

Lütz: Das könnte man sagen. Viele Menschen leben nur noch in künstlichen Welten.

Interview: Franz Issing

Missionarische Woche Die Themen „Werte, Wahrheit und Glück“ betrachtet Dr. Manfred Lütz während der „Missionarischen Woche“ der Pfarreiengemeinschaft Bad Wörishofen am Mittwoch 4. März, um 20 Uhr im Kurtheater. Manfred Lütz ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapeut, katholischer Theologe und Bestsellerautor. Lütz ist 65 Jahre alt und lebt in der Nähe von Bonn.

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