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Mattsies

19.11.2020

Masken made in Mattsies vom Flugzeugbauer Grob Aircraft

Julia Kerler (links) und Theresa Pfeifer-Wölfle sind die Gesichert hinter dem Masken-Projekt beim Mattsieser Flugzeugbauer Grob Aircraft.

Plus Mit dem Lockdown brach für Grob Aircraft aus Mattsies plötzlich das Geschäft ein. Über den langen Weg zur FFP-2-Maske und der Angst eines Chinesen vor Bären im Unterallgäu.

Was macht ein international tätiger Flugzeugbauer, wenn er mitten im weltweiten Corona-Lockdown seine Flugzeuge weder verkaufen noch ausliefern kann? Die erste Reaktion natürlich: Kurzarbeit. Doch das konnte es nicht sein, dachte sich das Management von Grob Aircraft in Mattsies und sah sich nach Alternativen um. Schnell war für Chef André Hiebeler klar: „Wir steigen ins Maskengeschäft ein.“

Die Mattsieser Flugzeughersteller hatten keinerlei Erfahrung mit der Herstellung von Masken, aber die Ressourcen, das Qualitätsmanagement und die Produktion. FFP-2-Masken sollten es sein, hochwertig und mit größtmöglichem Schutz, um so nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch den Staat und die Gesellschaft zu unterstützen. Theresa Pfeifer-Wölfle und Julia Kerler machten sich an die Recherche. Doch auf dem Weg zur „FFP-2-Maske made in Germany“ mussten sie so manches Problem lösen.

Theresa Pfeifer-Wölfle recherchierte für die Corona-Masken in China

Weil Theresa Pfeifer-Wölfle fließend Chinesisch spricht, war es ihre Aufgabe, sich im asiatischen Raum zu informieren und Lieferanten für Material und Masken zu suchen. Alles andere als einfach: „Es war ein Herkuleswerk, bis der chinesische Techniker einreisen durfte“, erinnert sie sich – und hat noch eine Anekdote parat, die sie heute noch schmunzeln lässt: Der Techniker auch China hatte sich nämlich nach seiner Einreise geweigert, seine Unterallgäuer Wohnung zu verlassen. Er hatte Angst vor den hiesigen Bären. „Wir konnten ihn nicht dazu überreden, einen Fuß vor die Tür zu setzen“, sagt Theresa Pfeifer-Wölfle.

Eine Zertifizierung als Corona-Pandemie-Atemschutzmaske (CPA) zu bekommen, war nicht so schwierig, erläutert sie weiter. Einen Zertifizierer zu finden, der Grob Aircraft bestätigt, dass es sich bei den Masken um FFP-2-Masken mit hohem Schutzfaktor handelt, war hingegen alles andere als einfach. Denn diese Zertifizierung ist komplizierter und die Anbieter sind derzeit alle absolut ausgelastet. „Es hat viel Überredungskunst bedurft“, sagt Theresa Pfeifer-Wölfle. Doch nach vielen Wochen haben sie und Julia Kerler es geschafft: Die Grob-Aircraft-Masken haben ein CE-Zeichen und die vierstellige Nummer eines Prüfungsinstituts erhalten.

14 Maschinen produzieren jetzt FFP-2-Masken "made in Mattsies"

Zwei Produktionslinien mit je sieben Maschinen laufen seitdem abwechselnd bei Grob Aircraft: Sie bedrucken, stanzen aus, schichten, bringen Ohrbänder und Nasenbügel an und verschweißen das Ganze. 15 Mitarbeiter produzieren und verpacken die Schutzmasken, insgesamt rund 10.000 Stück am Tag. Weil es sich bei den Maschinen nicht um „Hightec-Geräte“ handle, sei der Wartungsbedarf entsprechend hoch.

Auf zwei Fertigungslinien produziert der Flugzeughersteller Grob Aircraft jetzt FFP-2-Masken.

Theresa Pfeifer-Wölfle klingt dennoch, als könne sie es selbst kaum glauben: „Wir haben einen Haufen Flugzeugspezialisten in einen Topf geworfen und gesagt: Ihr produziert jetzt Masken“, sagt sie und schmunzelt. Natürlich seien alle erst einmal verwundert gewesen und skeptisch, ob man dieses Projekt wirklich durchziehen würde. „Aber es war toll, wie die Mitarbeiter auf diese Situation reagiert haben“, sagt sie. „Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen.“

Jetzt sei man mit den FFP-2-Masken auf dem Markt und habe bereits jetzt einen ordentlichen Kundenstamm: Zwei regionale Kliniken und die Polizei werden von Mattsies aus beliefert, dazu kommen Onlineshops und Medizinhersteller. Auch für den Endverbraucher bietet der Flugzeugbauer FFP-2-Masken an. „Wir sehen in dem Geschäft auch ein weiteres Standbein, das wir behalten wollen“, auch nach Corona, so Pfeifer-Wölfle. In Kurzarbeit seien nur noch wenige Mitarbeiter.

Grob Aircraft hofft auf einen großen Deal - dieses Mal geht es wieder um Flugzeuge

Corona spielt weiterhin eine Rolle im Alltag der Firma. Die Hygieneauflagen sind sehr streng, tägliches Fiebermessen gehört etwa dazu. Doch immerhin: Flugzeuge dürfen größtenteils wieder ausgeliefert werden, Vertriebsmitarbeiter sind wieder auf Reisen – und das verschafft Grob Aircraft einen Vorteil zu Großkonzernen. Die Mattsieser Firma hofft, in den nächsten Monaten einen der größten Verträge in ihrer fast 50-jährigen Geschichte an Land zu ziehen. Dieses Mal geht es allerdings nicht um Masken, sondern wieder um Flugzeuge.

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