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Unterallgäu

24.11.2019

Medizinische Versorgung im Landkreis soll noch besser werden

Zusammen mit der Stadt Memmingen will sich der Landkreis um den Titel Gesundheitsregion plus bewerben.
Bild: Marijan Murat/dpa

Das Unterallgäu bewirbt sich um den Titel Gesundheitsregion plus, der die medizinische Versorgung verbessern soll. Nicht alle Kreisräte stehen dahinter.

Gefühlt ist das Unterallgäu als Kneippland schon seit vielen Jahren auch Gesundheitsregion. Nun will sich der Landkreis jedoch – sofern die Stadt Memmingen ebenfalls mitzieht – ganz offiziell beim Bayerischen Gesundheitsministerium um den Titel „Gesundheitsregion plus“ bewerben. Das haben die Mitglieder des Kreisausschusses in ihrer jüngsten Sitzung nach längerer Diskussion beschlossen.

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Das Konzept der Gesundheitsregionen gibt es bereits seit 2015. Es soll dazu beitragen, die medizinische Versorgung und Prävention im Freistaat weiter zu verbessern. Konkret geht es darum, ein Netzwerk aufzubauen aus Vertretern der Kommunalpolitik und allen, die vor Ort bei der gesundheitlichen Versorgung und Prävention eine Rolle spielen – also beispielsweise Haus- und Fachärzte, Physiotherapeuten oder auch Sportvereine. In Arbeitsgruppen sollen sie sich Gedanken über Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitsversorgung machen und konkrete Projekte anstoßen. Zur Organisation und Koordination des Netzwerkes ist nach dem Willen des Gesundheitsministeriums eine Geschäftsstelle einzurichten, die fünf Jahre lang mit 50.000 Euro pro Jahr gefördert wird. Die verbleibenden Personal- und Sachkosten sowie die Kosten für die Projekte trägt der Landkreis.

Eine allgäuweite Gesundheitsregion plus war nicht möglich

Wie Maria Bachmaier, Abteilungsleiterin am Landratsamt, in der Sitzung erläuterte, gibt es in Bayern bereits 50 Gesundheitsregionen plus. Auch sechs nordschwäbische Landkreise hätten sich bereits erfolgreich um den Titel beworben, nur das Allgäu sei bislang noch ein weißer Fleck.

Medizinische Versorgung im Landkreis soll noch besser werden

Das wollten die Kreistagsfraktionen von CSU und JWU und die Memminger CSU-Stadtratsfraktion bereits im vergangenen Frühjahr ändern: Auf Initiative des Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek beantragten sie, dass sich der Landkreis zusammen mit der Stadt Memmingen als „Gesundheitsregion plus“ bewirbt. (Lesen Sie dazu auch: Medizinische Versorgung soll besser werden) Der Landkreis führte daraufhin Gespräche mit Memmingen sowie den anderen Allgäuer Landkreisen und kreisfreien Städten, um unter Federführung der Allgäu GmbH eine gemeinsame Gesundheitsregion Allgäu zu schaffen. Weil die Allgäu GmbH rechtlich jedoch nicht Gegenstand der Förderung des Gesundheitsministeriums sein kann, hätten sich diese Pläne zwischenzeitlich zerschlagen, erklärte Landrat Hans-Joachim Weirather.

Er betonte, dass die Gesundheitsregion plus nur sinnvoll sei, wenn es gelinge, die Stelle des Geschäftsstellenleiters mit einem hervorragenden Netzwerker zu besetzen, der gut motivieren und moderieren könne. Dann aber „wäre sie gut und schon einen Versuch wert“.

Kreisräte warnen, dass Gesundheitsregion plus im Unterallgäu zu Doppelstrukturen führen könnte

Einige Kreisräte waren davon allerdings weniger überzeugt. So warnten etwa Rosina Rottmann-Börner (ödp/Bürger für die Umwelt), Doris Kienle (Grüne) und Margot Walser (CSU) vor Doppelstrukturen. Schließlich gebe es bereits das Netzwerk „Altenhilfe und seelische Gesundheit“, das sich ebenfalls um die Themen Gesundheit und Prävention kümmere. Margot Walser verwies außerdem auf das bereits jetzt sehr gute Angebot an Vorträgen zu diesen Themen. „Ich stimme zu, aber ich will niemandem etwas abgraben, der schon etwas anbietet“, sagte sie. Rottmann-Börner, Kienle und auch Michael Helfert (SPD) erinnerten zudem an die Mahnung von Kreiskämmerer Sebastian Seefried, freiwillige Ausgaben vor dem Hintergrund weniger stark sprudelnder Steuereinnahmen gut zu überdenken.

Außerdem, so Kienle, sei offen, ob die Förderung des Gesundheitsministeriums nach fünf Jahren weitergeführt werde und man überhaupt einen geeigneten Bewerber für die Geschäftsstelle finde. „Wir sollten nicht schon wieder was Neues einführen“, lautete ihre Meinung. Michael Helfert fehlten Angaben über die zu erwartenden Kosten, außerdem zweifelte er am Mehrwert des neuen Titels für den Landkreis. Er sieht große Probleme im hausärztlichen Bereich, die aber auch eine Gesundheitsregion plus nicht lösen werde. Stattdessen müssten sich die politischen Rahmenbedingungen ändern. „Das Unterallgäu ist eine Gesundheitsregion par excellence“, betonte er. Reinhold Bäßler (Freie Wähler) plädierte dafür, lieber bestehende Angebote zu unterstützen und dort Ressourcen aufzustocken.

Unterstützung für die Bewerbung kam von Andreas Tschugg (JWU) und Josef Kerler (CSU). Beide betonten, nicht dafür bekannt zu sein, gerne zusätzliche Stellen zu schaffen. Gesundheit und Pflege seien jedoch wichtige Themen, so Tschugg. „Ich bin überzeugt, dass wir das in naher Zukunft brauchen werden.“ Kerler sieht großes Potenzial im Bereich der Prävention. „Damit kann man vielleicht manchen Arztbesuch überflüssig machen“, sagte er.

Letztlich befürworteten die Kreisräte die Bewerbung gegen die Stimmen von Rosina Rottmann-Börner, Doris Kienle und Michael Helfert. Ob das Unterallgäu und die Stadt Memmingen damit zur Gesundheitsregion plus werden, ist aber noch offen. Denn neue Gesundheitsregionen werden voraussichtlich erst im nächsten Jahr wieder gefördert. Liegen dann mehr Bewerbungen vor, als Geld für die Initiative zur Verfügung steht, gelte das Windhundprinzip, so Weirather. Deshalb sei es sinnvoll, schon jetzt einen Grundsatzbeschluss zu fällen.

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