Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Milchbauern steht neuer Ärger ins Haus

15.06.2009

Milchbauern steht neuer Ärger ins Haus

Mattsies Nach dem Verfall des Milchpreises steht den Produzenten des wertvollen Lebensmittels neuer Ärger ins Haus. Die Bauern befürchten, dass sie schon in nächster Zeit mit molkereieigenen Quotenregelungen gegängelt werden. Solche Pläne lägen bei den zu 70 Prozent in Genossenschaftshand befindlichen Molkereien schon fix und fertig in der Schublade, gab sich Thomas Bertl überzeugt. Als Mitglied des BDM-Kreisteams Weilheim-Schongau und Vizevorstand des Butterwerkes Schongau empfahl er seinen Kollegen bei einer Kundgebung im Gasthaus "Schafhäutl", die Milchproduktion um wenigstens fünf Prozent zurückzufahren.

Die derzeitige Überproduktion, so der Referent, drücke den Preis und werde auch für die Molkereien zu einem Problem. Sie dächten deshalb darüber nach, schon in absehbarer Zeit die Mengensteuerung der Milch selbst in die Hand zu nehmen. Auch die Molkerei Hochland in Schongau verfolge solche Pläne und beabsichtige den Milchbauern nach Ende einer dreijährigen Vertragsfrist nur noch begrenzte Mengen abzunehmen. Die Molkereien befürchten, dass ihnen bei anhaltendem Milchpreisverfall die Lieferanten wegbrächen, weil vor allem von ihnen geförderte Großbetriebe vor dem Aus stünden.

Einer solchen Entwicklung wollen die Mitglieder des Verbandes der Milchbauern (BDM) auch im Unterallgäu mit allen Mittel entgegensteuern. Sie sind bereit, für eine "flexible Mengensteuerung in bäuerlicher Hand" und einen "fairen" Milchpreis zu kämpfen. Bei einer Großdemo am 18. Juni in Brüssel wollen sie sich lautstark zu Wort melden. "Keine Knechte der Molkereien" wollen sie werden und bei der Milchproduktion "ein gewichtiges Wörtchen mitreden". Was sie besonders aufbringt, dass Molkereien derzeit in Not geratene Betriebe oder solche die investieren wollen, finanziell unterstützen, um sie abhängig zu machen. "Je enger die Bindung an eine Molkerei, desto schwieriger für den Landwirt, sie zu wechseln", warnte Referent Bertl und empfahl allen "Mitstreitern" den Beitritt zum Milchbord. "Nur in einem genehmigten Kartell können wir Erzeuger Molkereien und Supermärkten Paroli bieten und auf Augenhöhe verhandeln", versuchte er zu überzeugen. Zur Information: Von den etwa 100 000 Produzenten in Deutschland sind bereits 30 000 im Milchbord. Handlungsfähig wird diese Union jedoch erst mit 80 000 Mitgliedern.

Wie Thomas Bertl sprach sich auch Josef Taffertshofer (Wildsteig) vom BDM-Kreisteam Weilheim-Schongau nachdrücklich für ein "Zurückfahren der Milchmenge und ein Anpassen an die Nachfrage" aus.

In die gleiche Kerbe hieben dann auch Josef Frey und Manfred Gromer, die neuen Vorstände des BDM-Teams Unterallgäu. Beide Landwirte mahnten zu mehr Solidarität untereinander und einem "fairen Milchpreis" an. Vorstand Frey sprach von einer beängstigenden Situation in der Landwirtschaft. Vielen Landwirten ginge angesichts des rasanten Milchpreisverfalls das Geld aus, sie stünden mit dem Rücken zur Wand und müssten Lieferanten um immer längeren Zahlungsaufschub bitten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren