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Mindelheim

23.02.2021

Mindelheimer Altstadt wird autofrei – ein bisschen jedenfalls

Freie Bahn für Fußgänger: In diesem Sommer sollen zu bestimmten Zeiten nur noch Autos von Anliegern in die Mindelheimer Altstadt dürfen. Ob es dann gleich so voll wird, wie beim Frundsbergfest (unser Bild) bleibt jedoch abzuwarten.

Plus Von Mai bis Ende September gelten an den Wochenenden neue Regeln für die Mindelheimer Altstadt. Der Versuch soll den Weg für mehr ebnen.

Jetzt ist es beschlossene Sache: Die Stadt Mindelheim wird über die Sommermonate hinweg den Versuch unternehmen, den motorisierten Verkehr in der Altstadt deutlich zu verringern. Im Stadtrat, der als Ferienausschuss in kleiner Besetzung im Forum tagte, fiel die Entscheidung mit klarer Mehrheit. Nur Josef Doll (Grüne) stimmte dagegen, weil im unteren Bereich der Maximilianstraße der Verkehr auch weiter in beiden Richtungen rollen kann. Nur vom Oberen Tor bis zur Steinstraße wird es eine Einbahnstraßenregelung geben.

Doll kritisierte „einen Schilderwald ohnegleichen“, der die Altstadt „verschandelt“. Er hätte sich als Versuch gewünscht, die Altstadt an den Wochenenden komplett für den Verkehr zu sperren. Er sehe ein Chaos auf die Stadt zukommen. Der „wunderschöne Antrag der CSU ist leider zunichtegemacht worden“, so Doll. Beschlossen wurde: Von 1. Mai bis 30. September dürfen nur noch Anlieger in der Zeit von Samstag, 16 Uhr, bis Sonntag, 23 Uhr in die Altstadt einfahren.

In der Mindelheimer Altstadt müssen 30 neue Verkehrsschilder aufgestellt werden

Wie berichtet, hatte im Vorjahr die CSU den Vorschlag gemacht. Im Januar nahm die Verwaltung Stellung. Hauptproblem: In der Altstadt leben Menschen, die nicht ohne Weiteres ausgesperrt werden können. Auch für Noteinsätze von Rettungsdienst und Feuerwehr, aber auch für die Apotheken, müsste die Zufahrt sichergestellt sein.

Von 30 neuen Verkehrsschildern sprach Ordnungsamtsleiter Ralf Müller, die notwendig werden. Es genügten aber kleinste Schilder, weil die Geschwindigkeit auf der Maximilianstraße höchstens 20 Stundenkilometer beträgt.

Bürgermeister Stephan Winter betonte, mit dem Versuch soll die Aufenthaltsqualität in der Altstadt verbessert werden. Der Gastronomie sollen mehr Freiflächen zugestanden werden. Im unteren Teil der Maximilianstraße bestehe diese Möglichkeit bereits. Den drei Wirten am Oberen Tor wolle die Stadt nun ebenfalls die Möglichkeit einräumen. Winter zeigte sich aber auch offen für mehr Freiflächen im unteren Teil, sollte der Wunsch an die Stadt herangetragen werden.

Jeder, der etwas in der Mindelheimer Altstadt zu erledigen hat, darf weiterhin einfahren

Auch der untere Teil der Maximilianstraße werde spürbar vom Autoverkehr entlastet. Vor dem Unteren Tor werde eine beleuchtete Sperrbake angebracht, die Autofahrer vom Einfahren abhalten soll, sagte Müller. Anliegerverkehr ist zulässig. Weil jeder Anlieger sein kann, der in der Innenstadt etwas zu erledigen hat, darf faktisch jeder auch während des Versuchssommers weiter einfahren. Sanktioniert wird das nicht.

Für die CSU sagte Fraktionssprecher Christoph Walter, auch seine Fraktion sei im Januar im Stadtrat überrascht worden, wie schwierig die Umsetzung einer versuchsweise autofreien Innenstadt ist. Sie habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Bauhof hätte zweimal ausrücken müssen. Die Einwände der Geschäftsleute seien ebenso nicht von der Hand zu weisen wie die der Anwohner. Rund 800 Menschen leben in der Altstadt. Wenn man die Bürger für eine Idee gewinnen wolle, müsse man den Einstieg schaffen, so Walter. Es könne sich zeigen, dass die Einbahnstraßenregelung später für die ganze Maximilianstraße kommt. In der Corona-Krise müsse man mit noch mehr Sorgfalt als ohnehin auf die Geschäftsleute Rücksicht nehmen. Sie hätten wegen des wachsenden Online-Handels schon genug Probleme. Der Versuch, wie er jetzt kommt, sei „nicht das Gelbe vom Ei“, so Walter. Aber er sei allemal besser als es bei dem Status quo zu belassen. Nach dem Versuch solle man ehrlich Bilanz ziehen.

Für die Mindelheimer SPD ist eine halbe Lösung besser als keine

Stefan Drexel (Freie) plädierte dafür, die Sperrung an den Samstagen bereits um 14 Uhr beginnen zu lassen. Darüber wurde dann aber nicht mehr abgestimmt. Er forderte auch, den Gastronomen im unteren Teil der Maximilianstraße mehr Freischankflächen zuzubilligen.

Für die SPD sagte Mehmet Yesil, seine Partei unterstütze den Versuch. Eine halbe Lösung sei besser als keine. „Uns geht es darum, die Innenstadt lebenswerter zu machen, in der sich alle wohlfühlen können.“ Freiräume für Events, Familien und Geschäftsleute sollten geschaffen werden. Für die Zukunft schlug er ein technisches Erkennungssytem vor. Einfahren sollten dann nur noch Autos können, deren Nummernschilder registriert sind.

Peter Miller (ÖDP) trug den Beschluss mit. „Wir sperren die Leute aus, die nichts in der Altstadt verloren haben.“ Die Leute müssten „endlich kapieren“, dass man nicht einfach so in die Altstadt einfährt. Miller beklagte, Fußgänger könnten sich nicht sicher fühlen, weil „Parkwütige“ herumfahren. Für die Zeit nach der Corona-Pandemie kündigte Bürgermeister Winter an, Kulturschaffende dürften sich in der Altstadt präsentieren. „Es ist unser fester Wille, jeden, der Lust und Laune hat und sich zeigen will, willkommen zu heißen."

Was unser Autor Johann Stoll über den Versuch einer autofreien Innenstadt denkt, sehen Sie hier: Die Stadt Mindelheim sollte Kunden nicht verunsichern

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Hier geht es zu einem Satire-Beitrag über dieses Thema: Mindelheimer Maximilianstraße wird vierspurig

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