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Mindelheim

28.05.2018

Mindelheimer Franziskanerinnen-Orden ist aufgelöst

Nach den Maria-Ward-Schwestern haben nun auch die Franziskanerinnen angekündigt, das Kloster in Mindelheim zu verlassen.
Bild: Sandra Baumberger

Nun kümmert sich die Stiftung zum Heiligen Kreuz um das Kloster. Was das für dessen Bewohner bedeutet.

Es ist erst zwei Wochen her, dass die Maria-Ward-Schwestern ihren Rückzug aus Mindelheim bekanntgegeben haben, da folgt schon die nächste Nachricht über das Ende eines Ordens in Mindelheim: Wie Domvikar Andreas Miesen vom Bistum Augsburg im Gespräch mit der MZ erklärte, ist der Orden der Franziskanerinnen zum Heiligen Kreuz aufgelöst. Die Rechtsnachfolge tritt die im Jahr 2010 gegründete Stiftung zum Heiligen Kreuz an. Aber was heißt das konkret?

Das Frauenkloster der Franziskanerinnen zum Heiligen Kreuz in der Mindelheimer Hauberstraße wurde im 15. Jahrhundert gegründet und bestand seither unverändert. „Das Kloster hat Reformation, Pest und Cholera, Kriege und die Säkularisation überstanden“, sagt Miesen anerkennend. „Es ist ein tolles Kloster und ein für den Ort sehr prägendes Kloster.“ Doch schon länger ist ein Ende der Franziskanerinnen in Mindelheim absehbar: Es gibt Nachwuchsprobleme, wie in so vielen Klöstern in Deutschland.

Nur zwei Franziskanerinnen wohnen noch in Mindelheim

Bei den Franziskanerinnen hat man sich deshalb schon früh Gedanken über die Zukunft gemacht. Im Jahr 2010 gründete die damalige Generaloberin, Schwester Rita Brüchle, die Stiftung zum Heiligen Kreuz. Diese kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts sollte das jahrhundertealte Erbe des Ordens sicher und im Geiste der Franziskanerinnen weiterführen.

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Heute gehören noch drei Ordensschwestern zur Gemeinschaft, eine davon lebt auf der Pflegestation der St. Josefskongregation in Ursberg, die beiden in Mindelheim lebenden Schwestern sind über 80 Jahre alt. In anderen Teilen des Klosters ist das Mindelheimer Heimatmuseum untergebracht, zudem leben drei Frauen der Gemeinschaft von der erlösenden Liebe Christi und Pater Geesan, der Pfarrer für die Pfarreiengemeinschaft Nassenbeuren im Haus.

Für sie alle ändert sich faktisch nichts durch die Entscheidung der „Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften des apostolischen Lebens des Heiligen Stuhles“ in Rom: Diese hat aufgrund der schwierigen personellen Situation der Gemeinschaft per Dekret den Orden der Franziskanerinnen zum Heiligen Kreuz in Mindelheim aufgehoben und die Stiftung zum Heiligen Kreuz als wirtschaftliche Rechtsnachfolgerin festgestellt. Nach der bereits erfolgten Bestätigung aus dem Kultusministerium in München ist die Stiftung in alle Rechte und Pflichten des Ordens eingetreten. Die konkrete Umsetzung befinde sich momentan in der Endphase, wie Miesen informiert.

Dem Kloster soll weiter Zukunft ermöglichst werden

Nun also verwaltet die Stiftung das Kloster: Stiftungsvorstände sind Hubert Klaus und Marlies Wagner aus Mindelheim. Im Stiftungsrat sorgen Dekan Andreas Straub und Schwester Marianne Rauner von der St. Josefskongregation Ursberg für Kontinuität.

Die Schwester betreut auch weiterhin die beiden verbliebenen Ordensfrauen im Mutterhaus in Mindelheim. Weitere Stiftungsräte sind als Gründungsmitglied Norbert Drescher (Augsburg) und der neu hinzugekommene Alois Hölzle (Pfaffenhausen). Neu berufen als Stiftungsratsvorsitzender und Nachfolger von Pfarrer Ulrich Lindl wurde Ordensreferent Domvikar Andreas Miesen.

„Vorstände und Stiftungsrat werden ganz im Sinne und Geist der Schwestern und für die Bürger der Stadt alles dafür tun, dem Kloster weiter Zukunft zu ermöglichen“, heißt es in einer Presseerklärung der Stiftung. Die Besetzung mit Personen vor allem aus der Region Mindelheim unterstreiche dies noch einmal besonders. Langfristige Pläne für das Kloster gebe es derzeit keine. „Die Schwestern sind drin und fühlen sich wohl. Alles andere kommt danach“, sagt Hubert Klaus. Die Frauen sollen „so lange wie irgendmöglich“ im Haus bleiben dürfen, bestätigt auch Miesen.

Die Auflösung des Ordens sei ein Prozess gewesen, der bereits im Jahr 2010 begonnen habe, als die Schwestern mit der Gründung der Stiftung ihr „Erbe“ geregelt hätten, erläutert Miesen. Dieser von den Franziskanerinnen selbst angestoßene Prozess geht nun dem Ende entgegen – einen Zusammenhang zu der Entscheidung über die Lautenwirtswiese gibt es laut Miesen nicht.

Die Wiese hatte im vergangenen Jahr für viel Diskussionsstoff gesorgt. Für den Erhalt der Klosteranlage, die Versorgung der verbliebenen Schwestern und um die Wohnungsknappheit in Mindelheim zu lindern, wollten die Schwestern die Lautenwirtswiese für eine Wohnbebauung und eine Kindertagesstätte zur Verfügung stellen. Eine Bürgerinitiative war dagegen, am Ende wurden die Bürger gefragt: Die Mehrheit sprach sich für die Bebauung aus. Eines der geplanten Häuser soll im Besitz der Stiftung bleiben und so dazu beitragen, das Kloster in der Innenstadt zu erhalten.

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