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MZ-Serie "Kunstpause"

19.08.2020

Mindelheimer Kulturfabrik will mit Teamgeist durch die Corona-Krise kommen

Markus Putz (links) und Christoph Reß haben vor gut einem Jahr die „Kulturfabrik auf der Insel“ in Mindelheim gegründet.
Bild: iss

Plus Corona war für sie ein herber Schlag, doch jetzt freuen sich die Gründer der Mindelheimer „Kulturfabrik auf der Insel“ über kleine Fortschritte und auf mehr Vielfalt in der Kultur.

Die Corona-Krise und der Lockdown haben zunächst alle Lebensbereiche betroffen. Mittlerweile gibt es im Alltag immer mehr Lockerungen. Nur bei der Kultur ist es immer noch ziemlich ruhig. In unserer Serie „Kunstpause“ wollen wir zeigen, wie Künstler aus der Region die Krise erleben oder auch nutzen, um sie künstlerisch umzusetzen. Heute: Markus Putz und Christoph Reß von der Kulturfabrik auf der Insel.

Herr Putz und Herr Reß, Sie beide haben vor etwas über einem Jahr die Kulturfabrik ins Leben gerufen. Nun wurde die Erfolgsfahrt unterbrochen. Wie geht es Ihnen?

Markus Putz: Das war schon ein herber Schlag. Anfangs wussten wir ja auch gar nicht, ob und wann unsere Ideen mit der Kulturfabrik wieder umsetzbar sein würden.

Das Jubiläum konnte auch nicht gefeiert werden, nicht wahr?

Markus Putz: Genau. Das einjährige Jubiläum wäre am 18. Mai gewesen Und wenn man dann zurückblickt auf rund 90 Veranstaltungen, dann ist man schon sehr wehmütig.

Sie nicken, Herr Reß Ereilte Sie auch Resignation?

Christoph Reß: Das war wirklich schwierig, gleichwohl habe ich alle Maßnahmen gegen das Coronavirus komplett verstanden. Es fällt mir auch nicht schwer, mich da entsprechend zu verhalten. Aber was die Kulturfabrik angeht, mussten wir einfach schauen wie wir durch diese Zeit kommen, weil uns ja auch die ganzen Einnahmen wegfielen.

Markus Putz: Wir hatten auch Sorge, in Vergessenheit zu geraten.

Aber diese Sorge war gewiss unbegründet, oder?

Markus Putz: Absolut. Wir haben in dieser Zeit sogar den Kulturförderpreis von Sternenhimmel Allgäu e.V. bekommen. Das läuft übers Landratsamt.

Christoph Reß: Stimmt, das war wirklich eine tolle Anerkennung. Ebenso die vielen Anfragen von Künstlern und Besuchern, wann es wieder losgeht.

Außen schlicht weiß, innen kunterbunt: So präsentiert sich die neu „Kulturfabrik auf der Insel“ in Mindelheim. Der neue Treffpunkt für Mindelheimer zwischen 20 und 40 soll am 18. Mai eröffnet werden.
Bild: Max Kramer

Was haben Sie denn die letzten Monate gemacht? Gab es Veränderungen in der Kulturfabrik?

Markus Putz: Wir haben die Zeit tatsächlich genutzt. Mit unserem Kern-Team Sheila Richinger, Simone Grabowitz und Stefan Hasse waren wir auch während des Lockdowns im Austausch und haben verschiedene Dinge angestoßen etwa die Installation einer kleinen Lichtanlage, die Verlegung zusätzlicher Steckdosen. Die Schalldämmung der Fenster haben wir auch in Angriff genommen. Ich bin wirklich froh um unser tolles Team, alle arbeiten ja ehrenamtlich. Als nächstes steht die Gründung eines Kulturvereins an, da habe ich mich bereits um die Satzung gekümmert. Und wir haben eine neue Homepage, da hat uns Sebastian Rothe geholfen.

Das klingt nach großem Einsatz und vor allem gutem Zusammenhalt im Team.

Markus Putz: Absolut.

Christoph Reß: Und glücklicherweise kamen die Lockerungen ja doch schneller als erwartet. Wir hatten schon wieder die ersten Workshops.

Wie sind nun die Pläne für die nächste Zeit? Sie haben sicherlich schon Ideen.

Markus Putz: In der Tat. Da sind viele Ideen. Der Sieger von unserem ersten Poetry Slam im Februar würde gern einen Einzelabend gestalten, Jazz-Frühschoppen, Outdoor Yoga und natürlich unser Flohmarkt, der am Samstag, 22. August, stattfindet.

Christoph Reß: Im Grunde ist alles eine Frage der Umsetzbarkeit. Ganz simpel etwa die Frage ob man genug Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen kann. Aber dann freuen wir uns auf die Vielfalt, die wir zuletzt auch hatten.

Markus Putz: Genau darum ging es uns ja auch, ein buntes und breit gefächertes Programm mit Künstlern aus der Region, Abwechslung zu bieten und ein Treffpunkt zu werden.

Wie haben Sie die Krise denn empfunden, menschlich, privat?

Markus Putz: Ganz ehrlich? Für den familiären Zusammenhalt war das wirklich toll. Wir haben die Zeit genützt und auch das Home-Office gut organisieren können. Anfangs war ich auch was die Gesellschaft angeht sehr euphorisch. Die Menschen waren füreinander da und besannen sich auf andere Werte als Konsum und Wohlstand. Aber das kippte sehr schnell. Inzwischen habe ich das Gefühl, es geht weiter wie vor der Krise. Das ist desillusionierend.

„Die Kulturfabrik muss von Leuten leben, die hier was machen möchten.“Markus Putz hat die Mindelheimer Kulturfabrik in der Georgenstraße 33 ins Leben gerufen. Er selbst sieht sich als Vermittler und Organisator, um Menschen zusammenzubringen, die die gleichen Interessen haben.
Bild: Lippl

Man meint sogar, es werde schlimmer, als müssten die Leute die verlorenen Monate Konsum wieder reinholen.

Christoph Reß: Genau. Vollkommen unbegreiflich.

Markus Putz: Ich würde mir einfach wünschen, dass die Menschen dennoch etwas gelernt haben, und dann vielleicht auch die Wertschätzung der Kulturschaffenden steigt.

Das wäre schön. Worauf freuen Sie sich denn in der nahen Zukunft?

Christoph Reß: Ich freu mich auf die Zeit ohne Maske und wenn wir wieder normalen und unbeschwerten sozialen Umgang haben können und die Kulturfabrik wieder belebt ist. Und auf die Führungen im Miele-Museum, denn das ist momentan noch geschlossen.

Markus Putz: Ich freue mich darauf, mit Menschen wieder ungezwungen umgehen zu können, nicht überlegen müssen, wem man die Hand gibt, wen man umarmt.

Wer Interesse hat, etwas in der Kulturfabrik zu veranstalten oder im neuen Verein mitzuwirken, kann sich melden unter: servus@kulturfabrik-mindelheim.de

Hier geht es zu den anderen Folgen der Serie "Kunstpause":

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