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Mindelheim

23.05.2019

Mindelheimer Mondlicht-Open-Air kostet jetzt Eintritt

Das große Mondlicht-Open-Air zieht seit Jahren Tausende von Menschen an. In diesem Jahr wird für die Großveranstaltung erstmals Eintritt verlangt.
Bild: Hartmann

Zuerst wollte man es bei einem freiwilligen Obolus belassen. Jetzt verlangt die Stadt Mindelheim doch Geld von den Besuchern. Schuld daran ist das Finanzamt.

Keine Veranstaltung in Mindelheim zieht seit 2007 Jahr für Jahr mehr Menschen in ihren Bann. Bis zu 8000 Besucher pilgern im Hochsommer zur Schwabenwiese, wo „Frisch gestrichen“ unter Leitung von Nils Schad ein Freiluftkonzert gibt. Bisher zeigte sich die Stadt Mindelheim großzügig und verlangte keinen Eintritt – trotz steigender Kosten wegen immer höherer Sicherheitsauflagen. Heuer am 27. Juli wird das erstmals anders sein. Zwei Euro müssen die Besucher nun bezahlen. Nur Kinder unter 15 Jahren dürfen weiterhin kostenlos das Freiluftkonzert genießen.

Noch im Oktober hatten die Stadträte sich im Kulturausschuss für einen freiwilligen Obolus von zwei Euro ausgesprochen. Davon rückte der Ausschuss mit sechs gegen vier Stimmen nun wieder ab. Der Grund: freiwillige Spenden würden sich steuerlich sehr ungünstig auswirken, argumentierte Bürgermeister Stephan Winter.

Die Stadt Mindelheim wird beim Mondlicht-Open-Air wie ein Unternehmer behandelt

Infolge einer Rechtsänderung im Umsatzsteuerrecht unterliegen Einnahmen aus Sponsoring oder aus Eintrittsgeldern spätestens von 2021 an der Umsatzsteuerpflicht. Gleichzeitig sind die mit Vorsteuer behafteten Kosten zum Vorsteuerabzug berechtigt. Die Stadt wird also wie ein Unternehmer behandelt. Unter dem Strich bedeutet das für das Mondlicht Open Air laut Stadtverwaltung: Statt rund 29.600 Euro würde diese Veranstaltung die Stadt nur gut 15.000 Euro kosten.

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Insgesamt kostete das Konzert im Vorjahr gut 36.000 Euro. Über Sponsoren konnten 6500 Euro abgedeckt werden. Bei einem Eintritt von zwei Euro und 6000 Besuchern kämen 12.000 Euro zusammen. Davon würden aber zehn Prozent, also 1200 Euro, an das Fähnlein Ems gehen, das die Eintrittsgelder an drei Kassenstationen erheben wird.

Der Mindelheimer Bürgermeister hat kein schlechtes Gewissen wegen des Mondlicht-Open-Airs

Die Mehrheit im Ausschuss sprach sich für einen Eintritt aus, der ohnehin sehr bescheiden ausfällt. Claudia Steber gehörte zu dieser Gruppe. René Lang hätte sich auch drei Euro vorstellen können. Ulrich Manlig dagegen ist für Freiwilligkeit, weil da jeder bereit wäre, fünf Euro zu geben. Es käme also mehr Geld zusammen.

Der Bürgermeister „hat kein schlechtes Gewissen“ bei einem minimalen Beitrag von zwei Euro. Beim Stadtgrabenfest oder am Gumpigen Donnerstag werde auch Eintritt verlangt, sogar höherer. Aus „steuerlichen Gestaltungsgründen“ sprach sich letztlich eine knappe Mehrheit dafür aus, Eintritt zu verlangen.

Ab 2021 kann die Stadt also bei einem angenommenen Verlust von 18.800 Euro mit rund 3650 Euro Rückerstattung durch das Finanzamt rechnen. Die Stadt würde das Freiluftkonzert also nur noch knapp 15.200 Euro kosten.

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