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Mindelheim

21.02.2019

Mindelheimerin beschreibt Hetzjagd auf Wolf und Mörder

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„Der Wolf vom Bodensee“ heißt der dritte Krimi, den die Mindelheimerin Tina Schlegel geschrieben hat. Er bleibt spannend bis zuletzt.

Die Mindelheimerin Tina Schlegel erschafft in ihrem dritten Roman rund um Kommissar Sito einen Fall, der sich auch in der Realität so schnell zuspitzen könnte.

Eine tote Künstlerin und ein totes Mädchen. Ein Dorf am Bodensee, ein Idyll, normalerweise – doch eingeschneit, abgeschnitten und gottverlassen in diesen Wintertagen. Es beginnt die Suche nach einem Mörder und es beginnt die Suche nach einem Wolf, der immer im entscheidenden Moment aufzutauchen scheint. Die Suche wird zur Hetzjagd: Gilt sie dem Menschen oder gilt sie dem Tier? Und wer wird sie überleben?

Bis zuletzt schafft es die Mindelheimer Autorin Tina Schlegel, den Spannungsbogen in ihrem 333 Seiten starken dritten Buch über Kommissar Sito aufrechtzuerhalten, der Geschichte über den „Wolf vom Bodensee“ am Ende noch einmal eine neue Wendung zu geben – wenngleich man als Leser seufzen muss: Man hatte doch gehofft, dass es nicht so ausgeht ...

In ihrem Buch sind es die Außenseiter, die schnell als Täter verurteilt werden. Der Wolf, der – obwohl seit mehr als 200 Jahren nicht mehr da – bei seinem Wiederauftauchen sofort verurteilt wird als der Böse. „Die Angst vor dem Wolf sitzt tief“, sagt Tina Schlegel. Als sie die Geschichte über Kommissar Sito nach ihrem Studium und den 13 Jahren im Bodensee-Ort Konstanz geschrieben hatte, war das Thema nicht so brisant wie heute, wo sie es überarbeitet hat und wo sich in ganz Deutschland die Nachrichten über gesichtete Wölfe in Windeseile verbreiten. „Es ist wie ein Automatismus im Kopf der Menschen“, sagt die Mindelheimerin. „Eine Prägung durch schlechte Geschichten über den Wolf.“ Dabei wisse sie von keinem Fall, in dem ein Wolf einen Menschen angefallen hätte. „So gesehen war das Buch eine gute Plattform, um zu zeigen, was da für ein Automatismus in Gang kommt, unreflektiert.“

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Die Mindelheimerin findet ihr Buch selbst bedrückend

Doch es ist nicht nur die Angst vor dem Unbekannten auf vier Beinen, die die Menschen in Tina Schlegels Buch umtreibt. Es ist auch die Angst vor dem Anderen, vor Anton Huber, dem menschlichen Außenseiter, der seit einem tragischen Vorfall in seiner Kindheit ständig das Gluckern von Wasser im Kopf hört. Huber ist kein böser Mensch. Er will nichts Böses tun. Aber er trifft falsche Entscheidungen und kommt aus seiner Situation nicht mehr heraus. Ihn als Mörder zu bezichtigen, scheint naheliegend, es ist der einfachste Weg. „Das fand ich am bedrückendsten“, sagt Tina Schlegel über ihr eigenes Buch. „Dass es gar nicht mehr darum ging, den Fall zu lösen, sondern nur darum, den Jagdtrieb zu befriedigen. Die Ordnung wiederzuhaben – selbst wenn es zulasten der Wahrheit geht.“ Sie zeigt auf, wie schnell es zu einer Hetzjagd kommen kann – und das, obwohl Soziale Medien oder Einflüsse von außen darin noch nicht einmal eine Rolle spielen. Ob ihre Geschichte realistisch ist? „Ich fürchte, dass es passieren kann“, sagt Tina Schlegel.

Es gibt noch so viele Themen, die in „Der Wolf vom Bodensee“ eine Rolle spielen: Hermann Hesse und seine Gedichte, die Psyche einer kranken Frau, magische Orte und alte Beziehungen. Sie alle ausführlich zu beschreiben, würde zu weit führen – und zu viel verraten von dem, was das Buch für seinen Leser bereithält.

Wer bereits die ersten beiden Bücher über Kommissar Sito gelesen hat, sollte sich den dritten Band nicht entgehen lassen. Doch der Kriminalroman lässt sich auch gut lesen, wenn man seine beiden Vorgänger nicht kennt. Den Fans von Kommissar Sito sei verraten: Band vier ist in der Mache. Doch erst einmal erscheint im Herbst eine neue Krimireihe mit einer Frau an der Spitze der Ermittler in Lindau am Bodensee.

Auch einen Roman, der in Mindelheim spielt, schließt die Autorin Tina Schlegel nicht aus

Jetzt, wo Tina Schlegel wieder in Mindelheim lebt, schließt sie einen Roman, der hier spielt, nicht aus. Gerade das Frundsbergfest biete sich an. „Es ist viel Energie unterwegs.“ Dazu ein beeindruckender Rahmen: Figuren, Kleidung, Waffen. „Da kann man schon böse Fantasien entwickeln“, sagt Tina Schlegel und grinst.

Es scheint, als geisterten schon Ideen durch ihren Kopf, wie sie das nächste Idyll mit einem Mordfall schockieren kann ...

Wer Tina Schlegel und die Geschichte von Kommissar Sito live erleben will, hat bei der Lesung der Mindelheimer Autorin am Sonntag, 24. Februar, die Möglichkeit dazu. Beginn ist um 15 Uhr im Salon in Mindelheim. Der Eintritt ist frei.

Mehr über Tina Schlegel und ihre Bücher erfahren Sie hier:

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