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Türkheim

16.07.2018

Mit 160 Sachen durch das Unterallgäu

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2 Bilder
Beim Braustadel in Rammingen wird derzeit eine neue Eisenbahnbrücke gebaut und dann in das Gleisbett eingeschoben. Der Bahnübergang am Braustadel entfällt dann.
Bild: Wilhelm Unfried

Die Bahn setzt ab September auf den Schweizer Hochgeschwindigkeitszug ETR 610.

 In dreieinhalb Stunden mit der Bahn von Zürich nach München und dabei mit dem Schweizer Hochgeschwindigkeitszug ETR 610 durchs Unterallgäu mit Tempo 160 schweben. Bald soll dieser Traum Realität werden. Mit Hochdruck arbeit die Bahn an der Elektrifizierung der Strecke zwischen Buchloe und Lindau.

Und wenn auch es man bei einem Besuch der vielen Baustellen wie zum Beispiel am Türkheimer Bahnhof noch nicht glauben mag: Am 10. September sollen wieder Züge rollen. Zumindest zwischen Mindelheim und Buchloe. Man nennt sie die längste Baustelle Bayerns, gemeint ist die Bahnstrecke zwischen Buchloe und Leutkirch. Sie wird nicht nur für die Elektrifizierung ertüchtigt, sondern auch für die Zukunft fit gemacht. Es werden also nicht nur Masten für die Stromversorgung gesetzt, sondern an vielen Stellen der Untergrund gefestigt, neue Gleise und Weichen gelegt und neue Brücken und Unterführungen gebaut. Das 440-Millionen-Euro Projekt sei voll in der Zeit, so Projektleiter Matthias Neumayer. Will man dieser Aussage trauen, muss man schon viel Vertrauen in die Baukunst setzen, denn zum Beispiel am Türkheimer Bahnhof schaut man derzeit in ein tiefes Loch.

Für Kurgäste wird das Umsteigen komfortabler

Die Gleisanlagen im Bahnhof Türkheim wurden abgebaut. Der Knoten mit der Stichbahn nach Bad Wörishofen und der Güterverkehrsstrecke nach Ettringen wird danach allen Anforderungen genügen: Die Reisenden erreichen ihre Züge über eine Rampe und Unterführungen sicher. Dazu wird folgendes Grundkonzept umgesetzt: Das jetzige Gleis 2 wird von den schnellen Zügen, die in Türkheim nicht halten, genutzt, die mit bis zu Tempo 160 durch Türkheim Bahnhof brausen. Auf Gleis 1, 3 und vier halten die Züge nach Mindelheim, Buchloe und Bad Wörishofen. Besonders für die Kurgäste wird das Umsteigen komfortabler, da die Bahnsteige erhöht werden und somit den Ein- und Ausstieg erleichtern.

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Außerdem müssen die Reisenden in die Kurstadt nicht mehr Gleise überqueren. Derzeit werden die Unterführungen gebaut und die Bahnsteigkanten gesetzt. Genauso sportlich in der Zeit ist man in Stetten zugange, wo bekanntlich das schöne Backstein-Viadukt abgebrochen wurde und derzeit durch eine neue Betonspannbrücke ersetzt wird. Dieses Bauwerk braucht allerdings noch etwas länger, deswegen wird die Strecke zwischen Mindelheim und Memmingen erst im Oktober für den Verkehr frei gegeben. Für rund fünf Wochen enden dann die Züge aus München in Mindelheim, nach Memmingen geht es mit dem Bus weiter.

Eine weitere Brücke entsteht derzeit bei Rammingen. Sie soll den Bahnübergang beim Braustadel ersetzen. Die Brücke wird vor der Bahnlinie gebaut und dann eingeschoben. Dieses Projekt ist schon ziemlich weit vorangeschritten. Der Verkehr wird dann unter den Gleisen fließen, die Landwirte erreichen dann ihre Wiesen ungefährlicher. Eine weitere Neubaumaßnahme ist in Rammingen geplant, ein Schienenübergang wird beseitigt.

Warum nicht gleich ein zweigleisiger Ausbau?

Doch Mitte Oktober soll das ehrgeizige Projekt, die Bahnlinie zwischen Buchloe und Memmingen zu ertüchtigen, verwirklicht sein. Da drängt sich natürlich die Frage auf, warum man die Strecke nicht gleich zweigleisig ausbaut.

Nun, nach Aussage von Neumayer würde der Ausbau auf Zweigleisigkeit die geplanten Ausgaben in Höhe von 440 Millionen Euro gewaltig sprengen, es sei eine politische Entscheidung, die in Berlin gefällt werden müsste und weiter könne man heute mit neuester Signaltechnik die Zugfolge auf eingleisigen Strecken optimieren.

Ab Fahrplanwechsel 2020 sollen dann die Züge zwischen Lindau und München elektrisch rollen. Die Züge können dann im „bogenschnellen“ Betrieb fahren, ähnlich wie Motorradfahrer neigen sich diese Züge ins Kurveninnere. Es kommen also im Fern- und Nahverkehr neue Fahrzeugtypen zum Einsatz, im Fernverkehr der Schweizer Hochgeschwindigkeitszug ETR 610, der täglich sechs Mal zwischen Zürich und München verkehrt.

Allerdings müssen die Bahnreisenden erst einmal durch die Bauzeit. Eine durchgängige Verbindung zwischen Memmingen und Lindau wird es auch 2019 selten geben. Die Strecke zwischen Leutkirch und Hergatz ist zwischen 12. April und 6. Oktober komplett gesperrt. Aber dann wird alles besser.

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