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15.07.2010

Mit Schutzanzügen auf dem Kirchendach

Salgens Kirchenpfleger Fritz Bichler (rechts) hat mit der Dachstuhlerneuerung der Pfarrkirche derzeit alle Hände voll zu tun. Hier hilft er Zimmerermeister Jürgen Ruf (links) beim Austausch eines Balkenstücks. Wegen des PCB-Befalls müssen auf der Baustelle Schutzanzüge getragen werden. Foto: Josef Hölzle
Bild: Josef Hölzle

Salgen Eigentlich sollte das Innere der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Salgen "nur ausgeweißelt werden", wie Kirchenpfleger Fritz Bichler sagte. Doch es kam wie aus heiterem Himmel ganz anders. "Weil früher der Wurm drin war, war plötzlich der Teufel los", fügte Bichler beim Gespräch mit der MZ an. Statt Maler sind nun in Salgen seit Wochen Altbausanierer am Werk, das Dach ist weitgehend abgedeckt und die Kirche ist außen komplett eingerüstet. Dazu sieht man Zimmerleute und Arbeiter geheimnisvoll in weißen Schutzanzügen und mit Staubmasken im Gesicht hinter den blauen Gerüstfolien hantieren.

Was ist los in Salgen? Es begann im Frühjahr mit den Vorbereitungen zur Innenrenovierung und mit einer fachlichen Inspektion durch das Diözesanbauamt Augsburg. Als dabei zahlreiche Risse in der Decke sichtbar wurden, stellten die Fachleute auch in Salgen - wie schon in zahlreichen anderen Kirchen der Umgebung - fest, dass das Dachgebälk, die Dachlatten und Übergänge zu den Sparren stark angefault oder sogar verfault waren. Dann kam überraschend auch noch eine "Altlast" dazu. Anfang der 1980er-Jahre hatte man in Salgen den Dachstuhl mit Holzschutzmitteln "entwurmt" und dabei das mittlerweile verbotene, weil Krebs auslösende PCB angewandt. Der Dachstuhl ist also verseucht, wie auch rasch festgestellt wurde. Ab sofort galten deshalb zum Schutz der Beschäftigten vor Krebskrankheiten auch noch die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen vom Staubschutz über Schutzanzüge bis zur Staubmaske.

So ist nun eine Spezialfirma mit erfahrenen Altbausanierern unter Schutzauflagen dabei, große Teile des maroden Gebälks und der Dachlatten auszutauschen oder zu erneuern, ohne die Konstruktionen und die Aufhängungen der Decke zu gefährden. Insgesamt 12 Wochen wurden dafür veranschlagt. Es wird laut Kirchenpfleger Bichler wohl bis August 2010 dauern, ehe das mit einer Folie geschlossene Dach unter den erschwerten Rahmenbedingungen wieder neu gedeckt werden kann. Am Langhaus ist die Arbeit schon weit fortgeschritten, der rundliche Chor kommt demnächst dran. "Ich ziehe den Hut vor diesen Fachleuten und Sanierern", sagte Bichler. Er lobte ausdrücklich die Genauigkeit und Nachhaltigkeit der umfangreichen Holz- und Maurerarbeiten an einem Dachstuhl, der ein kompliziertes "Hängewerk" sei.

Auch wenn all diese Umstände die ursprünglichen finanziellen Kalkulationen - zum Beispiel hinsichtlich Eigenleistung oder Entsorgung - über den Haufen geworfen haben, bleibt der Kirchenpfleger bei seiner Grundhaltung: "Was wir machen, machen wir g'scheid!" Dies sei seine Devise. Ein "dös duat's scha", gebe es mit ihm im Hinblick auf die Langfristigkeit der Aktion nicht.

Mit Schutzanzügen auf dem Kirchendach

Für ihn, den engagierten Kirchenpfleger und gestandenen Biobauern, ist diese Kirchenrenovierung ohnehin "eine Herausforderung für unsere Generation". Immerhin komme die Gesamtmaßnahme nun auf rund 530 000 Euro. Auch wenn die Frage der Zuschüsse noch nicht ganz geklärt sei, bleibe an der Kirchenstiftung Salgen schon ein Batzen hängen. Deshalb hoffe er auf die Unterstützung weiterer Stellen und auch auf Spenden der Dorfgemeinschaft, wie es gute Salgener Tradition sei.

Da Bichler auch geschichtlich denkt, bewundert er an dem im Kern über 500 Jahre alten Kirchenbau ausdrücklich auch das handwerkliche Können unserer Vorfahren. Dies beginne bei den durchdachten Holzkonstruktionen und ende bei den Gerüsten. Einst habe man in Salgen zum Beispiel für den Kirchenbau unzählige Bäume schlagen müssen, um daraus hohe Gerüststangen und einigermaßen stabile Gerüste fertigen zu können. Jetzt könne er das moderne Metallgerüst wie eine sichere Haustreppe begehen.

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