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Jens Spahn verteidigt Corona-Teststrategie der Bundesregierung
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Allgäu

10.11.2020

Mit den Corona-Schnelltests ist es nicht so einfach

Schnelltests zeigen innerhalb von etwa 15 Minuten, ob jemand mit Corona infiziert ist. Im Allgäu werden sie aber noch kaum eingesetzt.
Bild: dpa

Plus Kliniken und Pflegeheime sollen Schnelltests nutzen, doch es bauen sich Hürden auf: Es gibt Engpässe und die Häuser müssen Personal einsetzen, das sie an anderer Stelle brauchen.

Innerhalb weniger Minuten wissen, ob man mit dem Coronavirus infiziert ist: Das würde vielen Menschen beklemmende Situationen ersparen, sagt Florian Adolf. Er ist Immenstädter Einrichtungsleiter bei der Allgäu Pflege. „Bei den klassischen Tests warten wir manchmal vier bis fünf Tage aufs Ergebnis.“ Die Alternative sind Schnelltests, doch sie kommen in der Region aus unterschiedlichen Gründen noch kaum zum Einsatz. „Man kann innerhalb von ungefähr 15 Minuten das Ergebnis ablesen“, sagt Dr. Matthias Lapatschek vom Kemptener Labor Allgäulab über die sogenannten Antigen-Tests. Diese funktionieren ähnlich wie Schwangerschaftstests und weisen Eiweißstrukturen des Corona-Virus’ nach.

Mehrere Millionen Schnelltests werden in Bayern verteilt

Laut einer aktuellen Verordnung des Bundes sollen Pflegeheime und Krankenhäuser diese Möglichkeit möglichst häufig nutzen, um Personal, Besucher, Patienten und Bewohner regelmäßig auf das Corona-Virus zu testen. Die Staatsregierung habe sich bereits 10,5 Millionen Antigen-Schnelltests für Bayern gesichert, sagt Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU, Memmingen). Derzeit verteile man Tests an die Landkreise und kreisfreien Städte mit den höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen. „Sukzessive werden dann alle Kreise und kreisfreien Städte in Bayern Antigen-Schnelltests bekommen“, sagt Holetschek.

Dies sei allerdings nur übergangsweise so. Denn laut Testverordnung müssen sich Einrichtungen und Unternehmen ihren Bedarf an Tests selbst auf dem freien Markt beschaffen. Doch das ist offenbar nicht so einfach: „Wir haben bereits einige Firmen durchtelefoniert und Bestellanfragen gestellt“, sagt Einrichtungsleiter Adolf. Bei manchen habe er die Auskunft bekommen, dass „vor Ende November gar nichts geht“. Auch der Klinikverbund Allgäu prüfe derzeit „die Verfügbarkeit und Lieferkonditionen“, sagt der Regionalleiter für Hygiene und Infektiologie, Dr.Peter Keith.

Personeller Mehraufwand in angespannter Corona-Lage

Das Seniorenheim St.Ulrich in Memmingen hat die Tests ebenfalls noch nicht im Einsatz: „Wir sind am Überlegen und befinden uns in der Abklärungsphase mit begleitenden Ärzten und dem Gesundheitsamt“, sagt Heimleiter Albert Madlener. Das größte Problem sei der personelle Mehraufwand, erläutert Florian Adolf: Denn für die Tests brauche er geschultes medizinisches Personal, das eigentlich an anderer Stelle unverzichtbar sei. Er befürworte grundsätzlich die Schnelltests, sagt Adolf, „aber gefühlt steht uns hier niemand zur Seite“. Die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren setzen die Tests laut der Vorstandsvorsitzenden Ute Sperling dagegen bereits ein – beispielsweise bei Notfällen, die schnellstens operiert werden müssen. Der Bedarf sei allerdings höher als die verfügbare Menge, sagt Sperling. Bei den Tests habe es schon immer Engpässe gegeben. „Wenn die Covid-Zahlen weiter so explodieren, muss sicherlich die nationale Teststrategie geändert werden“, sagt Ute Sperling.

Als zusätzliche Hilfsmittel seien die Antigen-Schnelltests „definitiv geeignet“, resümiert Virologe Lapatschek. „In fünf bis zehn Prozent der Fälle erkennt der Schnelltest eine Infektion mit dem Coronavirus allerdings nicht.“ Wie viele der Schnelltests fälschlicherweise ein positives Ergebnis anzeigen, kann der Mediziner nicht sagen. Dr. Peter Keith vom Klinikverbund Allgäu betont aber, dass positive Schnelltest-Befunde noch mit genaueren Tests im Labor überprüft werden.

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