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An Pfingsten hat die Kirche Geburtstag

24.05.2015

Mit der Taube kam der Heilige Geist in Form

Im Sommerrefektorium des Heilig-Kreuz-Klosters Mindelheim ist der Heilige Geist in Menschengestalt dargestellt. So etwas lehnte Papst Benedikt XIV. ab. 
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Im Sommerrefektorium des Heilig-Kreuz-Klosters Mindelheim ist der Heilige Geist in Menschengestalt dargestellt. So etwas lehnte Papst Benedikt XIV. ab. 
Bild: Dorothee Holuba

Mindelheim ist reich an herausragenden Darstellungen, wobei das Heilig-Kreuz-Kloster heraussticht

Zwei willkommene Feiertage stehen unmittelbar bevor und für alle Schulkinder Ferien, die den Namen Pfingsten tragen. Viele werden die Tage zum Entspannen nutzen, so mancher fährt in die Ferien. Was es aber mit Pfingsten tatsächlich auf sich hat, das ist - glaubt man Umfragen - vielen nicht mehr präsent. Das Pfingstfest gilt als der Geburtstag der Kirche. Kein Wunder, dass es in Kirchen zahlreiche Darstellungen über dieses Fest gibt. Besonders viele und zum Teil äußerst seltene zählt Mindelheim.

Eines der bekanntesten Pfingstsymbole ist die Taube. In vielen Kirchen schmückt sie das Kirchenschiff, das Taufbecken oder auch die Kanzel. Seit dem sechsten Jahrhundert symbolisiert die Taube den Heiligen Geist. Der Geist Gottes soll in Gestalt einer Taube daherkommen. Der Vogel steht für Sanftmut und Liebe. Außerdem gibt es in der Bibel im Johannesevangelium eine Stelle, in der eine Taube vorkommt. Die frühe Christenheit hatte noch nicht so recht gewusst, wie sie diesen Heiligen Geist bildlich darstellen sollte.

Mit der Taube war ein gut fassbares Symbol gefunden - und die Künstler nahmen das Motiv gerne an. Auch in Mindelheim finden sich etliche Darstellungen des Heiligen Geistes in der seit Jahrhunderten vertrauten Form der Taube. Kulturamtsleiter Christian Schedler hat dies einmal zusammengefasst.

In den beiden Altären der Verkündigung Mariae in der Pfarrkirche St. Stephan (linker Seitenaltar) und auf dem Hochaltargemälde der Jesuitenkirche finden sich solche Pfingstdarstellungen. Beide setzen den Satz aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis „.empfangen durch den Hl. Geist.“ in Szene, schreibt Schedler.

Maria wurde im Laufe der Zeit immer häufiger als Braut des Heiligen Geistes dargestellt. Ein wenig bekanntes Gemälde aus dem Besitz der Pfarrei ist jenes des Meraner Malers Josef Ruffini. Er hat im beginnenden 18. Jahrhundert das Thema einfühlsam verarbeitet: die sehr jugendliche Maria schaut nach oben, wo über ihr der Heilige Geist in Gestalt der Taube schwebt.

An der Decke der Jesuitenkirche sind anstelle von Fresken Stuckmedaillons angebracht, die Szenen aus dem Marienleben verbildlichen. Im Chor zeigt eines davon die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit. Gott Vater und Christus halten die Krone über Maria während die Taube des Heiligen Geistes über ihrem Kopf schwebt. Das Bild stammt von Jakob Bradl und ist 1905 entstanden.

Am eindrucksvollsten unter den Mindelheimer Darstellungen ist, so der Kulturamtsleiter, wohl die große Geisttaube über dem Hochaltar der Pfarrkirche St. Stephan, die auch hier zur Dreifaltigkeit gehört, die der sterbende Stephanus im offenen Himmel sieht. Geschaffen hat sie der gebürtige Mindelheimer Bildhauer Ottmar Paul 1961.

Neben dieser üblichen Bildform für den Heiligen Geist gibt es auch ein paar wenige einzigartige Darstellungen, die sich fast ausschließlich in Schwaben und so auch in Mindelheim finden. Sie zeigen den Heiligen Geist in menschlicher Gestalt als geschlechtslosen jungen Menschen, wie ihn die heilige Crescentia von Kaufbeuren in einigen Visionen sah. 1745 hat zwar Papst Benedikt XIV. derartige Darstellungen des Heiligen Geistes als nicht biblisch verboten, doch im Einflussbereich der heiligen Crescentia blieb dies bis heute ohne Wirkung.

Die heilige Crescentia hatte mehr Einfluss als der Papst

Im Sommerrefektorium des Heilig-Kreuz-Klosters befindet sich ein herausragendes Beispiel des Einflusses der heiligen Crescentia, die in Kaufbeuren gewirkt hat. Das Bild stammt von Franz Anton Germiller. Der Heilige Geist ist hier als strahlende, jugendliche Gestalt dargestellt. Er ist weder Frau noch Mann. Göttliche Personen sollten sich nicht nach menschlichem Geschlecht bestimmen lassen.

Der Heiligenschein weitet sich zu einem feurigen Rund im Hintergrund. In ihm sind sieben Flammen zu sehen. Sie stehen für die sieben Gaben des Heiligen Geistes. Ein weiterer Hinweis auf die göttliche Gestalt ist die Taube auf der Brust. Diese ließ Crescentia in ihren letzten Lebensjahren gerne anbringen. Damit wollte sie unterstreichen, dass es sich bei dem Dargestellten um den Heiligen Geist handelt. Die 2001 heilig gesprochene Crescentia hieß mit bürgerlichem Namen Anna Höss. Schon der kleinen Anna war der Heilige Geist im 18. Jahrhundert als lichtdurchflutete jugendliche Gestalt erschienen.

Über die Jahre hatte die heilige Crescentia mehrere solche Visionen. Sie sprach von „Schauen mit den Augen der Seele durch unseren Glauben“. (jsto)

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