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Bad Wörishofen

12.12.2018

Mit einer Schrotflinte auf Kater "Flitzi" geschossen

Kater Flitzi hat sich von seiner Schussverletzung mittlerweile erholt. Doch noch immer stecken Schrotkugeln in seinem Körper, die nicht entfernt werden konnten.
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Kater Flitzi hat sich von seiner Schussverletzung mittlerweile erholt. Doch noch immer stecken Schrotkugeln in seinem Körper, die nicht entfernt werden konnten.
Bild: Ulla Gutmann

Erst ein Röntgenbild zeigt die Ursache für „Flitzis“ Beschwerden. Die Tierärztin ist entsetzt. Darf auf Katzen angelegt werden? Ein Jäger gibt die Antwort.

Wenn eine Hauskatze mit der Schrotflinte angeschossen wird, erhitzt dies schon die Gemüter. So geschehen, wie jetzt bekannt wurde, in Hartenthal bei Bad Wörishofen. Wie unterschiedlich die Ansichten der behandelnden Tierärztin und der Jägerschaft sind, zeigte sich ebenfalls.

Die Bad Wörishofer Tierärztin Gerda Hitzler hatte Kater Flitzi als kleines Kätzchen bekommen, ihn aufgepäppelt und in gute Hände – nach Hartenthal – weitergegeben. Als der Kater wegen einer verletzten Pfote in Behandlung kam, dachte sie an Rangkämpfe zwischen Katzen. Doch Flitzi litt kurz danach auch an einer Blasenerkrankung, die nicht in den Griff zu bekommen war. Die Tierärztin regte an, den Kater zu röntgen. Auf dem Röntgenbild wurde die Ursache dann sichtbar: Sechs Schrotkugeln steckten im Körper des Tieres. Zwei dieser Kugeln konnten entfernt werden, vier trägt Flitzi weiter in sich.

Konsequenzen bei der Untersuchung von Tieren in Bad Wörishofen

Die Röntgenaufnahme war ein Schock für die Tierärztin, wie sie sagt: „In den letzten 20 Jahren habe ich so etwas noch nicht erlebt! Dass eine Hauskatze bei uns angeschossen wird, war für mich einfach undenkbar“, berichtet sie. Hitzler zieht die Konsequenz aus diesem Vorfall. Sie werde in Zukunft kranke Tiere anderst untersuchen, auch eine Schussverletzung als mögliche Ursache einkalkulieren, sagt sie. Für Gerda Hitzler ist eine Hauskatze kein jagbares Tier. Sie verwies auf den Artikel 17 des Tierschutzgesetzes, nach dem keinem Tier unnötiges Leid zugefügt werden darf.

Mit einer Schrotflinte auf Kater "Flitzi" geschossen

Flitzi hatte das Glück, dass keine wichtigen Organe verletzt wurden. Doch Bleikugeln sind hochgiftig und auch wenn sie als Schutzreaktion des Körpers mit Gewebe verkapselt werden, gelangen über das Blut permanent Giftstoffe in den Körper, besonders wenn sie mit Gelenkflüssigkeit in Kontakt kommen. Die Besitzerin von Flitzi wollte sich wegen der inzwischen laufenden juristischen Auseinandersetzung nicht äußern, möchte auch ihren Namen nicht in der Zeitung lesen.

Wenn Katzen bei der Beutesuche geschützte Tiere gefährden

Aus Sicht der Jäger äußerte sich Pius Kirner, der in Bad Wörishofen nicht als Jäger aktiv ist. Er ist der frühere Vorsitzende der Kreisgruppe Mindelheim des Bayerischen Jagdverbandes. Kirner beantwortet die Frage wann der Einsatz eines Schrotgewehres sinnvoll ist und wann ein Jäger eine Katze schießt: „Bis zu einer Entfernung von 25 Metern ist der gezielte Schuss mit dem Schrotgewehr tödlich. Das getroffene Tier steht zunächst massiv unter Schock und bevor der bewusste Schmerz einsetzt, ist das Tier tot. Katzen dürfen geschossen werden, wenn sie sich weiter als 300 Meter vom Haus oder der nächsten Siedlung entfernen und offensichtlich wildern.“ Er hätte einmal in der Nähe von Augsburg eine Katze erschossen, weil sie nach und nach die Jungvögel eines Rebhuhns tötete, einer geschützten, bodenbrütenden Vogelart.

Auch Hubert Kienle, der das Jagdrecht im Bereich Hartenthal hat, äußerte sich auf Anfrage. „Ich habe nicht geschossen“, sagt er. „Auch nicht die zwei Jagdkollegen, die ebenfalls Jagdreviere angrenzend an Hartenthal haben“, betonte er. Dies habe er auch schriftlich der Katzenbesitzerin mitgeteilt.

Er habe noch nie auf eine Katze geschossen und auch in den 40 Jahren, seit er auf die Jagd geht, nie Probleme deswegen gehabt, sagt Kienle. Aus seiner Sicht sind Schrotkugeln im Körper eines Tieres aber wegen der Verkapselung nicht so schlimm. Kienle sagte auch, dass mehr als 50 Millionen Vögel jährlich in Deutschland von verwilderten Katzen getötet würden. Der Naturschutzbund Nabu spricht sogar von höheren Zahlen von getöteten Vögeln durch wildernde Katzen.

Wichtig sei ihm, wie er sagte, dass auch in der Zeitung steht, dass Hundebesitzer ihre Tiere im Wald anleinen sollen, da auch bei Bad Wörishofen immer wieder Rehe von wildernden Hunden gerissen würden. Über dieses Problem hatte unsere Zeitung im Frühjahr ausführlich berichtet: Jäger fordert Maulkorbpflicht für Hunde.

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