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29.07.2010

Modellprojekt will Kirche und Dorf zusammenbringen

Die Kirche in Ettringen. Um auch zukünftig den "Betrieb" in Kirchenhäusern - also die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Kirche - zu sichern, gibt es im Landkreis eine Initiative, die das Zusammenspiel verbessern soll. Fraglich ist jedoch, wie diese Ideen praktisch anwendbar sind. Der Gemeinderat Ettringen gab jetzt seine Zustimmung. Foto: Frieder
Bild: Frieder

Ettringen Allzu überzeugend wirkte Pastoralreferent Dr. Franz Schregle nicht bei der Vorstellung seines geplanten Modellprojekts "Netzwerk Kommune - Kirche - Gesellschaft" im Gemeinderat Ettringen, für das er um Unterstützung warb. Dabei sollen Strategien für eine engere Zusammenarbeit zwischen Pfarreien und Kommunen entwickelt werden. Bereits am 22. Juli berichtete die MZ auf der Bad Wörishofer Seite über das Vorhaben.

Die Ettringer Ratsmitglieder hatten allerhand Zweifel und Einwände, zeigten sich aber letztendlich doch einstimmig bereit, an dem Projekt teilzunehmen. Zugestimmt hat auch der Gemeinderat Markt Wald; der Ort ist Teil der Pfarreiengemeinschaft Ettringen-Siebnach-Markt Wald.

Fünf Pfarreiengemeinschaften müssten mit im Boot sein

Schregle versucht derzeit, im Namen der Diözese Augsburg und des 2008 gegründeten Vereins "Soziale Gemeinde im Unterallgäu" vier weitere Kommunen mit ihren Pfarreiengemeinschaften zum Mitmachen zu bewegen: Bad Grönenbach (hat zugestimmt), Bad Wörishofen (wartet auf die Entscheidung der Pfarrei), Mindelheim (zugestimmt) und Ottobeuren (noch nicht angefragt).

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Es geht darum, die Beziehungen zwischen Kirche und Kommune zu stabilisieren und innovativ weiterzuentwickeln; also rechtzeitig Synergieeffekte zu schaffen, um für die zu erwartenden, tief greifenden sozialen und kirchlichen Umbrüche gewappnet zu sein. Das Stichwort lautet: Stärkung und Ausbau der Interaktion und Kommunikation zwischen Kirche und Kommunen.

Zettler und sein Planungsbüro sollen die Daten vernetzen

Zusammen mit Professor Zettler vom Memminger Planungsbüro "Lars Consult" will Schregle in den fünf genannten Pfarreiengemeinschaften Basisgruppen gründen, in denen jeweils rund 20 engagierte Vertreter von Pfarrei, Gemeinde und Vereinen über Möglichkeiten der Kooperation diskutieren.

Entscheidend ist dabei die - selbstverständlich ehrenamtliche - Mitarbeit der Laien. Zettler und Schregle wollen die Gespräche moderieren. "Lars Consult" stellt sein professionelles Know-how zur Verfügung, vernetzt die gesammelten Daten und bringt sie in verwertbare Form. Mit ins Boot will Schregle auch die evangelischen Gemeinden holen.

Das Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt. Die Ergebnisse sollen, wie Schregle sagt, für ganz Bayern zukunftsweisend sein.

Zweifel im Ettringer Rat gab es vor allem an der praktischen Umsetzung. "Viel Arbeit, viel Gerede, viel Theoretisieren, viel Papier - und letztendlich ändert sich doch nichts", war die Befürchtung.

Die Räte hielten den Ansatz zwar für gut und konnten sich auch vorstellen, dass daraus Ideen für handfeste Projekte entstehen könnten. Aber sie stellten auch fest: "Das hat wenig Sinn, wenn danach kein Geld da ist, um diese Projekte auch umzusetzen." Hinzu kommt, dass das Vorhaben immerhin insgesamt 202 000 Euro kosten soll. 50 Prozent davon sind fest zugesagte staatliche Zuschüsse, den Rest sollen sich die Diözese, die Kommunen, die Pfarreien und der Landkreis teilen.

Die Finanzierung ist allerdings noch nicht ganz gesichert. Auf die Kommunen sollen jeweils rund 5000 Euro zukommen, verteilt auf drei Jahre. Grundlage für die Verteilung soll die Einwohnerzahl sein.

Plukas: "Wo liegt der Reiz für unsere Gemeinde?"

Ulrich Plukas fragte: "Wo liegt unser Vorteil, wenn wir uns in einen überörtlichen Verbund begeben, der hohe Kosten verursacht? Einen Bürgerbeteiligungsprozess könnten wir auch alleine auf die Beine stellen, ohne Verwaltungs- oder sonstige Kosten." Schregle hatte darauf, wie auch auf andere Fragen, keine wirklich befriedigende Antwort.

Armin Weh gab zu bedenken, es gehe weniger um neue Ideen als vielmehr darum, die jetzige gute Situation gemeinsam auf Dauer aufrechtzuerhalten, denn: "Was die Kirche heute im Dorf leistet, wird sie in zehn Jahren nicht mehr leisten können." Die Rückentwicklung sei dramatisch. Das bestätigte auch Geistlicher Rat Pater Michael. Er plädierte dafür, den Versuch zu wagen. Er hoffe auf konkrete Vorschläge und neue Impulse: "Es könnte etwas daraus entstehen."

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