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Marktgemeinderat

04.08.2016

Möglicher Betreiber für das Waaghaus gefunden

Der Sieben-Schwaben-Verein (VHS) zeigt großes Interesse und stellt ein interessantes Konzept vor

Ursprünglich sollte das denkmalgeschützte Waaghaus mitten im Ortskern der Marktgemeinde ja verkauft werden. Ein Interessent wollte zum Beispiel einmal eine Weinhandlung dort einrichten. Doch im letzten Moment hatte sich der Marktgemeinderat für den Erhalt des Hauses in gemeindlicher Hand ausgesprochen. Ein soziales Zentrum sollte vielmehr im Herzen von Türkheim in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche entstehen. Verschiedenste Nutzungen wurden daraufhin bereits diskutiert, auch im Bürgermeisterwahlkampf war das Waaghaus immer wieder Thema. Doch die hohen Sanierungskosten und die Auflagen des Denkmalamtes ließen viele Ideen wie zum Beispiel eine Seniorenwerkstatt bereits im Ansatz verklingen. Nun horchten die Marktgemeinderäte auf der jüngsten Sitzung aber auf. Erstmals scheint ein Konzept schlüssig und vor allem auch ein Betreiber für das Haus gefunden zu sein – der Sieben-Schwaben-Verein zeigt großes Interesse.

Selbstbewusst stellte Susanne Kindlmann vom Sieben-Schwaben-Verein sowohl die Vorteile für die Marktgemeinde als auch für den Verein heraus. So arbeite der Sieben-Schwaben-Verein, die örtliche VHS, bereits seit über 20 Jahren sehr erfolgreich in der Marktgemeinde. Eine langfristige Nutzung des Waaghauses wäre also laut Kindlmann gesichert, wenn sie nach einer Sanierung des Hauses dort einziehen würden. Der Verein habe auch vor, das Haus täglich zu nutzen, was zu einer großen Belebung an diesem zentralen Ort beitragen würde. Zudem könnten verschiedenste Kursräume an andere Vereine oder Gruppen weitervermietet werden. „Doch auch unser Verein hätte den großen Vorteil, dass die derzeitig bestehenden Kursraumprobleme gelöst wären. Ja, wir könnten sogar unsere Angebote noch ausweiten“ so Kindlmann. Sie könnte sich zum Beispiel schöne Kleinkunstabende in dem größten Raum vorstellen oder ein attraktives Kinderferienprogramm im Garten des Anwesens.

Kindlmann ging näher auf das Raumprogramm ein. So plane der Sieben-Schwaben-Verein einen rund 100 Quadratmeter großen Raum über zwei Etagen, der den Raum der ehemaligen Balkenwaage, die Waschküche und den Durchgang (ehemals Bodenwaage) zusammenfassen soll. Im Erdgeschoss rechts neben der Eingangstüre könnten ein Kursraum, die Gastroküche und Sanitärräume entstehen. Im Obergeschoss dann ein weiterer kleiner Kursraum und das VHS-Büro. Beim großen Dachboden gelte es laut Kindlmann die Ausbaumöglichkeiten zu überprüfen. Wie jetzt im Aurbacherhaus in der Maximilian-Philipp-Straße würde der Sieben-Schwaben-Verein im sanierten Waaghaus als Pächter auftreten. Die Sanierungskosten des Waaghauses, bisher nicht ermittelt, müsste die Marktgemeinde tragen. Die Galerie, in der derzeit verschiedenste Künstler der Region ihre Werke anbieten, würde im Aurbacherhaus verbleiben.

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Auch wenn viele Fragen noch ungelöst sind, insbesondere hinsichtlich der Statik und der Brandvorschriften, zeigte sich der Marktgemeinderat nicht abgeneigt, das Konzept näher zu durchleuchten. „So könnte der Bürgertreff, den wir immer wollten an dieser Stelle entstehen“, urteilte CSU-Marktgemeinderätin Roswitha Siegert. Der Ortskern werde belebt und mit dem Auszug der VHS könnte auch das Aurbacherhaus saniert werden. Ihr stimmte SPD-Marktgemeinderätin Agnes Sell bei. Sehr verständlich habe Kindlmann das Konzept erklärt.

„Mir fällt ein großer Stein vom Herzen“, so auch Marktgemeinderätin Gudrun Kissinger-Schneider von den Grünen. Ein vernünftiger Betreiber habe bei all den vorausgegangenen Überlegungen immer gefehlt und nun sei dieser mit dem Sieben-Schwaben-Verein, der für Qualität stehe, gegeben. „Wenn ich es jemanden zutraue, das alte Haus wieder zum Leben zu erwecken, dann dieser Gruppe“, so Kissinger-Schneider. Sie hätten es ja bereits beim Aurbacherhaus bewiesen. Die Marktgemeinde dürfe hier eine Unterstützung nicht scheuen, die Nachbargemeinde Ettringen habe es mit dem Klingenden Mesnerhaus vorgemacht. „So ein Projekt rechnet sich für die Gemeinschaft über Jahre hinweg“, urteilte sie.

Nicht ganz so euphorisch wie die Frauen urteilten die Männer. „Der zweite Stock ist meiner Meinung nach für eine Nutzung aufgrund der geringen Raumhöhe nicht geeignet“, bilanzierte Marktgemeinderat Franz Haugg von den Freien Wählern. Er wies auch auf die hohen Auflagen des Denkmalamtes hin. Haugg konnte zudem nicht verstehen, warum die VHS von derzeitigen Raumproblemen spreche.

Fraktionskollege Peter Ostler pflichtete ihm bei. Die Galerie müsse auf alle Fälle in der Maximilian-Philipp-Straße bleiben. Step by Step gelte es dennoch das vorgestellte Konzept weiterzuverfolgen.

Marktgemeinderätin Cornelia Neugebauer von den Freien Wählern freute sich zwar „riesig“, dass das tolle Team sich auf den Weg gemacht und solch ein Konzept präsentiert hat. Doch bei den zu erwartenden hohen Sanierungskosten bekomme sie Bauchschmerzen. Sie bezweifelte, dass die Bevölkerung Verständnis aufbringen werde, wenn die Marktgemeinde solch ein großes Fass aufmache. „Das ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür“, so Neugebauer.

Der Marktgemeinderat einigte sich abschließend darauf, das vorgestellte Konzept auf seine Machbarkeit hin zu überprüfen. Auch das Denkmalamt soll mit einbezogen werden. Weiter soll die Verwaltung eine grobe Leistungsbeschreibung für eine Architektensuche zusammenstellen.

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