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Nahverkehr

23.09.2017

Monatelang Schienenersatzverkehr?

Im Zuge der Elektrifizierung zwischen Buchloe und Memmingen stehen im kommenden Jahr umfangreiche Bauarbeiten an. Die Bahn hält sich mit konkreten Angaben zurück und verspricht rechtzeitige Informationen

Fest steht: Nächstes Jahr soll die Bahnlinie zwischen München und Lindau ausgebaut und elektrifiziert werden. Fest steht auch: Die aufwendigen Bauarbeiten werden nicht ohne massive Einschränkungen des Bahnverkehrs vonstatten gehen. Unter Kommunalpolitikern der Region wird derzeit schon gemunkelt, dass die Auswirkungen auf den Bahnverkehr weitaus größer sein könnten als befürchtet – sogar von einer monatelangen Sperrung der gesamten Strecke ist die Rede.

Auf Anfrage der Mindelheimer Zeitung wollte die Bahn dies weder bestätigen noch dementieren. Lediglich so viel wollte eine Bahnsprecherin verraten: „Die Baumaßnahmen zur Elektrifizierung der Bahnstrecke München - Lindau nehmen im kommenden Jahr Fahrt auf. Damit einher gehen auch Einschränkungen für den Zugverkehr im Allgäu“. Derzeit würden die Bauabläufe und somit auch die notwendigen Sperrungen im Detail abgestimmt. „Dabei wird auch versucht, die Dauer eine Streckensperrung so weit wie möglich zu reduzieren“, betonte die Bahnsprecherin. Auf einen Zeitrahmen für die Sperrungen wollte sie sich indes nicht festlegen lassen: „Das setzt aber komplexe Abstimmungen unter anderem auch mit Baufirmen etc. voraus“.

Die Bahn will aber rechtzeitig für Informationen sorgen: „Wir werden die Reisenden und die Öffentlichkeit rechtzeitig über die anstehenden Baumaßnahmen und die damit verbundenen Einschränkungen im Zugverkehr informieren“. Eines stehe dabei fest, versichert die Bahnsprecherin: „Es gibt für alle Reisende immer einen Schienenersatzverkehr oder Reisealternativen der unterschiedlichen Verkehrsunternehmen. Auch wenn eine Strecke baubedingt gesperrt werden muss, kommen Reisende von A nach B“.

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Durch die Elektrifizierung der Strecke sollen die Zugverbindungen von Lindau nach München in gut drei Jahren deutlich besser werden. Seit Jahren wird über die Elektrifizierung der Bahnlinie München - Zürich diskutiert. Die Bahn rechnet bis Jahresende auf der ganzen Strecke mit Baurecht, hieß es auf der Allgäu-Initiativ-Konferenz in Lindau im Juni. Im März 2018 sollen die Bauarbeiten großflächig starten – und dies werde dann jeder Bahnreisende in der Region auch zu spüren bekommen.

Die Strecke von Hergatz (bei Wangen im Allgäu) Richtung Buchloe soll demnach über Monate gesperrt werden. Ersatzzüge werde es dann über Kempten geben. Auch die Eurocity werden über die kurvige Strecke durchs Allgäu fahren. Mit der Elektrifizierung sollen die Zugverbindungen von Lindau über Memmingen nach München deutlich besser werden. Das betrifft zunächst die Eurocityzüge zwischen München und Zürich. Sie werden künftig eine Stunde schneller sein. Die Bahn plant derzeit sechs Züge in jede Richtung und einen Zwei-Stunden-Takt ermöglichen. Verbesserungen soll es auch im Regionalverkehr geben. Inzwischen sei klar, dass der schnelle Regioexpress, der im Stundentakt in einer Stunde von Memmingen nach München fahren soll, alle zwei Stunden bis Lindau verlängert wird, so ein Ergebnis der Allgäu-Initiativ-Konferenz.

Der aktuelle Zeitplan sieht die Inbetriebnahme im Dezember 2020 vor. Das ist gerade noch rechtzeitig, bevor die Zusage der Schweiz über ein zinsloses Darlehen in Höhe von 50 Millionen Euro verfällt. Die Eidgenossen hatten, wie berichtet, den Kredit angeboten unter der Voraussetzung, dass die Elektrifizierung zwischen Zürich und München bis Ende 2020 fertiggestellt ist.

Die Fahrtzeit zwischen der Schweizer und der Bayerischen Metropole dürfte sich nach dem Ausbau von derzeit 4:15 Stunden auf unter 3:30 Stunden verkürzen. In einer schnelleren Verbindung liegt auch das Hauptinteresse der Schweizer an diesem Projekt. Weniger interessant sei ein verbesserter Zulauf für Güterzüge zum neuen Gotthard-Basistunnel, sagte Michael-Ernst Schmidt, Sprecher der Bahn für Großprojekte in Bayern, schon im Mai. Denn hinter Sankt Gallen gebe es Richtung Gotthard-Tunnel steile Streckenabschnitte, die für große Güterzüge schwer passierbar seien.

Deshalb hält Schmidt die Angst vieler Anlieger, durch die Elektrifizierung könnten vor allem nachts viel mehr Güterzüge durch das Unterallgäu und württembergische Allgäu rollen, für unbegründet.

Die Bahn schätzt die Kosten für das Gesamtprojekt auf mehr als 700 Millionen Euro. Davon entfällt fast die Hälfte auf die eigentliche Elektrifizierung. Dazu kommen 240 Millionen Euro für Modernisierungen wie Stellwerke und 100 Millionen Euro auf den Schallschutz. So soll es beispielsweise 25 Kilometer Lärmschutzwände geben. Allerdings stoßen die nicht bei allen Anliegern auf Wohlwollen (MZ berichtete). Zuletzt meldeten sich Anlieger der Bahnlinie in Rammingen deshalb zu Wort .

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