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Mindelheim

02.06.2020

Montags gibt’s für Johann Abbold jetzt Bier statt Wasser

Johann Abbold war 24 Jahre im Mindelheimer Stadtrat. Jetzt hat er seinen Platz für andere geräumt und verfolgt die Stadtpolitik aus der zweiten Reihe.
Bild: jsto

Plus Johann Abbold ist nach 24 Jahren aus dem Mindelheimer Stadtrat ausgeschieden. Sein Interesse an Politik ist ungebrochen. Zur geplanten Tiefgarageneinfahrt etwa hat er eine klare Meinung.

Johann Abbold entdeckt sein Zuhause ganz neu. Vor allem montags, wenn der Stadtrat zu seinen Sitzungen zusammenkommt, sitzt der 66-Jährige neuerdings gerne mit seiner Frau auf der Terrasse in der Kornstraße und genießt bei Wein oder Bier mit Brotzeit den Sonnenuntergang. 24 Jahre lang waren ihm diese vergnüglichen Stunden meist verwehrt geblieben. Im Stadtrat gibt’s nur Wasser.

Montags ist in Mindelheim Sitzungstag. An zwei oder drei Montagen im Monat war Abbold als Stadtrat gefordert. Dazu kamen noch mittwochs immer wieder mal die Fraktionssprechersitzung und am Donnerstag die Fraktionssitzung. Für Johann Abbold war das keine Last, ihn hat die politische Arbeit für seine Heimatstadt immer brennend interessiert.

Johann Abbold wollte den Jüngeren eine Chance geben

Seit Mai ist das anders. Abbold hatte zwar noch einmal kandidiert, war aber bewusst nur auf Platz zwölf der Liste gegangen. Jüngere sollten bei der CSU eine Chance bekommen. Er findet es in Ordnung, wie es nun ist. Aber er sagt auch, wenn der Wähler ihn noch einmal für sechs Jahre gewählt hätte, hätte er das gerne noch gemacht, zumal jetzt in der Krise. Er gehört noch zu jenen, die wissen, wie es in Mindelheim war, als Geld überall fehlte. Diese Erfahrung hätte er gerne weitergegeben. Er erinnert sich an die Anfangszeit von Bürgermeister Winter, als nicht einmal genug Geld in der Kasse war, um die Löhne der Stadtbediensteten zu bezahlen.

Montags gibt’s für Johann Abbold jetzt Bier statt Wasser

Das alles ist lange her. Die Stadt hat damals ihren Kreditrahmen erhöht. Vor allem aber hat sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung genommen. Die Erweiterungen des Industrie- und Gewerbegebietes und die neuen Wohngebiete im Norden der Stadt sind sichtbare Zeichen dieser Entwicklung.

Am Wohnbaugebiet im Norden Mindelheims hat Abbold einen Anteil

Dass es überhaupt zu diesem Wohnbaugebiet im Norden der Stadt gekommen ist, daran hat Johann Abbold einen Anteil. Er sprach damals mit einem Grundbesitzer und bereitete hinter den Kulissen die Verhandlungen mit der Stadt vor. Nicht minder wichtig für die Stadt schätzt Abbold ein, dass es unter Bürgermeister Erich Meier gelungen war, den Grund eines ehemaligen Autohauses für die Feuerwehr zu sichern. Damals war Mindelheim arm wie eine Kirchenmaus. Heute glänzt die Feuerwehr mit einem Schulungszentrum für den ganzen Landkreis.

Erst relativ spät ist Abbold zur Politik gestoßen. Karl Nägele hatte den Handwerksmeister für die Kommunalpolitik und die CSU gewonnen. Auch die Freien Wähler hatten bereits ein Auge auf den Mindelheimer geworfen, der in der Altstadt aufgewachsen ist, bei der Feuerwehr, bei den Schützen, beim Alpenverein, beim Frundsbergfestring und wo nicht noch überall angepackt hat. „Nägele hat am längsten an mich hingeredet“, schmunzelt Abbold, und irgendwann hat er dann eben ja gesagt.

Neben seiner Stadtratsarbeit ist Abbold auch bei der Handwerkskammer aktiv. Stellvertretender Kreishandwerksmeister war er lange Zeit und stellvertretender Obermeister. Seit 30 Jahren ist er am Arbeitsgericht ehrenamtlicher Richter. Ein paar mal im Jahr wird er gerufen, früher nach Kempten, heute nach München. Und selbstverständlich führt er nach wie vor seinen Familienbetrieb gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn, der das Geschäft weiter führen will.

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Und natürlich nicht zu vergessen: Abbold war leidenschaftlich gerne bei der Feuerwehr. Als er mit 65 Jahren den aktiven Dienst quittieren musste, ist ihm das deutlich schwerer gefallen als der Ausstieg aus dem Stadtrat.

Die vergangenen Jahre im Stadtrat hat er als sehr angenehm in Erinnerung behalten. Nach den Sitzungen sei man immer in die Post und habe sich noch ausgetauscht. Mit allen sei er gut ausgekommen. „Ich habe keine Feinde“, sagt er, auch wenn man mal unterschiedlicher Meinung sei.

Das denkt der ehemalige Stadtrat über die Zukunft Mindelheims

Die fetten Jahren sind seiner Überzeugung nach wohl für längere Zeit vorbei, auch wenn er die Stadt und die Firmen gut aufgestellt wähnt. Corona werde die Welt verändern, ist sich Abbold sicher. Eines wird aber definitiv bleiben: Abbold wird sich auch weiterhin stark für seine Heimatstadt interessieren. Morgens gilt sein erster Blick in der Mindelheimer Zeitung, was sich in der Stadt Neues getan hat. Und hin und wieder wird er ja auch von seien alten Weggefährten angerufen und um Rat gefragt, verrät er.

Bei einem brennenden aktuellen Thema hat er auch eine klare Meinung: Die Zufahrt zur neuen Tiefgarage für das Maria-Ward-Klostergelände. Parkplätze seien wichtig, sagt Abbold. Aber der Garten von Erwin Holzbaur sei „ein Traum für sich“. Der sollte nicht geopfert werden. Da das Untere Tor beidseitig befahren werden kann, sollte die Zufahrt über die Fuggerstraße gelöst werden.

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