Jahreskonzert

03.12.2019

Musik für alle Sinne

Zusätzlich zu den über 40 Bläsern im Orchester wirkten in Stetten noch fünf Musiker an Xylofon, Trommel, Becken, Pauke und Schlagzeug im Hintergrund mit. Dirigent Jonathan Eberstein führte sein Orchester mit Temperament und gewohnt souverän durch das anspruchsvolle Programm.
Bild: Schaa-Schilbach

In Stetten waren Auswahl und Zusammenspiel perfekt

Das Jahreskonzert des Musikvereins Stetten war wieder ein großer Erfolg. So viele Zuhörer waren gekommen, dass es in den hinteren Reihen im Musikerheim richtig eng wurde.

Ein Geheimnis des Erfolgs der Stettener Musikkapelle lag in der Programmgestaltung, die die Handschrift des Dirigenten aufwies. Es waren zwar nur wenige Stücke, die jedoch waren allererste Sahne.

Das zweite Geheimnis: ein absolut perfektes Zusammenspiel der einzelnen Instrumente. Jonathan Eberstein dirigierte mit scheinbar eher zurückhaltenden Gesten, aber er lebte jeden einzelnen Einsatz mit und machte den vollen Klang mit weit ausholender Bewegung nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar.

Musik für alle Sinne

Einige der Stücke waren original für Blasmusik komponiert, andere waren Bearbeitungen für Blasorchester. So wie „Palladio“ von Karl Jenkins, ursprünglich für Streichorchester komponiert. Erzählt wird die Geschichte des oberitalienischen Architekten Palladio im sechzehnten Jahrhundert, und man konnte sich gut vorstellen, wie sein Dom oder eine seiner Villen gebaut wurden, wie immer wieder einzelne Handwerker dazukamen und am Ende das große Ganze geschaffen war.

Auch in „Broken Sword“, einem Bläser-Original von Kevin Houben, wird eine Geschichte erzählt. Wie ein Engel die Schwertspitze des englischen Krönungs-Schwertes abbricht, um ein Verbrechen zu verhindern. Das war für die Musiker technisch und vom Rhythmus her sehr anspruchsvoll. Nicht nur Soli der Bläser, Glocken und Paukenschläge waren zu hören, sondern mit Hilfe von Holzstäben und Papier wurden unerwartete Geräusche geschaffen. Man konnte den düsteren „Tower of London“ direkt spüren. Andere Passagen erinnerten an altenglische Lieder in Moll und deren Zauber. Die Vorliebe für Musik, die Geschichten erzählt, zeigte sich auch in dem dritten, längeren original Blasorchesterstück „Black Saturday“ von Stijn Aertgeerts. Die Musik illustriert hier dramatisch die Zerstörungen durch ein Buschfeuer in Australien, und dies mit einem aktuellen Bezug, der einen frösteln lässt. Rauch, Feuer, Asche, und Hubschrauber und Löschfahrzeuge im Hintergrund: Die Verzweiflung und Hektik drücken sich in der Musik aus, sogar die Leere, die danach bleibt. Am Ende: Hoffnung und Zuversicht, beides durch einen dramatischen Schluss-Akkord illustriert.

Die Ansagen zu den einzelnen Stücken hatten Susanne Rietzler und Peter Zech übernommen, wie gewohnt mit Humor und charmanten Anspielungen.

Im weiteren Programmteil gab es zwei traditionelle, fetzige Stücke: einen Marsch („Kaiserin Sissi“) und eine Polka („Katharinen Polka“). Im Musikstück „Cassiopeia“ wurden Sternbilder an den Himmel gezeichnet, beim „Tanz der Vampire“ ging es in die Welt der Unsterblichkeit. Das schien bedrohlich, aber als die Vampire dann ihr Blut bekommen hatten, waren sie sanft – und fast ein bisschen traurig. Der musikalische Ausklang war dann weniger besinnlich als voll rhythmisch: „Thrift Shop“, ein Rap aus den USA: mit Gesangseinlage und Flügelhorn-Solo.

Zwischendurch gaben die beiden Vorsitzenden des Musikvereins Stetten, Michael Häring und Rainer Holdenrieder, einen Rückblick auf das musikalische Jahr. Zusätzlich zu den vielen „kleineren“ Auftritten wollten drei große Festveranstaltungen organisiert sein. Eine weitere Herzensaufgabe war die Ausbildung und Förderung des Nachwuchses. Die erst vierzehnjährige Mariella Böck war ein gutes Beispiel dafür, wie sich das lohnt.

Die Besucher dankten mit ausdauerndem Applaus und wurden mit zwei Zugaben belohnt. Da legten Michaela Dreher und Dietmar Fröhlich ihre Instrumente aus der Hand und durften singen. Es ging um Gefühl und natürlich um die Liebe. Da war er, der besinnliche Ausklang des Konzerts.

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