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Festival im Unterallgäu

12.06.2018

Musik zum Fühlen,nicht zum Hören

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5 Bilder
Bild: Peter Hausner

Beim großen Elektro-Treffen „Ikarus“ stehen manche auch im Wald

In einem fast schon monotonen Rhythmus spucken die Lautsprecher dumpfe Bassschläge aus: Bumpf, Bumpf, Bumpf. Ein halbes Dutzend Menschen steht und sitzt um die koffergroße Holzbox herum, bewegen die Arme im Rhythmus der Musik. Auf der Bassbox steht ein Plastikbecher mit Bier, die Oberfläche des Getränks bebt. Weitere Ikarus-Besucher schlendern über den Festival-Campingplatz, bleiben kurz unter dem Pavillon der Gruppe stehen und tanzen mit – oder zeigen zumindest durch rhythmisches Kopfnicken, dass ihnen die Musik gefällt.

Etwa 35000 Technofans versammelten sich am vergangenen Wochenende in Memmingerberg. Dort fand auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens zum vierten Mal das größte Festival für Elektro- und Techno-Musik im Allgäu statt. Drei Tage lang legten 95 DJs aus aller Welt auf sechs verschiedenen Bühnen auf. Darunter bekannte Musiker wie Alle Farben und Sam Paganini, aber auch Newcomer und DJs aus der Region. Von mittags bis vier Uhr nachts waren die meterhohen Verstärker auf den Hauptbühnen im Einsatz. Auf dem Campingplatz liefen die kleineren Geräte fast rund um die Uhr.

Da düm da di da düm

Ab und an wird der dumpfe Bass durch eine Reihe von hohen Tönen erweitert: „Da düm da di da düm“, klingt es aus den voll aufgedrehten Lautsprechern. „Techno ist nur geil, wenn die Musik laut ist“, erklärt der 28-jährige Nico aus Ochenshausen. „Es geht um das Fühlen der Musik, nicht das Hören“, ergänzt Simon aus Illertissen. Drei kleine Zelte stehen rings um einen weißen Pavillon, in dessen Schatten die Gruppe Schutz vor der Sonne sucht. Der Geruch von abgestandenem Bier wird immer wieder von dem süßlichen Duft einer Wasserpfeife überdeckt. Die Gruppe aus Illertissen hat ein Banner mit der Aufschrift „I am Hardstyle“ aufgehängt. Hardstyle ist eine Unterkategorie von Elektromusik. „Aber ich feiere jede elektronische Musik“, sagt Simon. Auch gegenüber anderen Musikrichtungen sei das Ikarus-Publikum sehr aufgeschlossen. „Wenn ich auf einem Metal-Festival Elektro höre, schauen die Leute blöd. Hier ist man viel toleranter“, sagt er.

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Auf dem Weg zu den Bühnen klingt aus den meisten Richtungen elektrischer Bass, aber auch „Uptown Girl“ vom amerikanischen Songwriter Billy Joel und „Mädchen“ von der Berliner Popband Lucilectric haben ihren Weg auf das Ikarus gefunden. Dann übertönt ein tiefes Brummen alle anderen Geräusche. Ein Mann schreit „Flugzeug“, ansonsten reagieren die Gäste kaum auf die weiße Maschine, die auf der nahen Landebahn des Allgäu Airports abhebt – nach drei Tagen haben sie sich an die Nachbarschaft zum Flughafen gewöhnt.

Es riecht nach Natur und Harz

Neu ist in diesem Jahr die Forest Stage. Dort tanzen die Gäste zwischen Fichten und Tannen, der Boden ist mit Hackschnitzeln belegt. Es riecht nach Natur und Harz. Nachts rücken lila und violette Strahler den Wald in ein geheimnisvolles Licht. Stundenlang tanzen die Gäste vor der hölzernen Bühne, wer müde wird, legt sich auf den Waldboden und schläft, den Oberkörper an einen Baumstamm gelehnt. Der Eingang in den Wald liegt zwischen den Ständen der Street-Food-Meile

Hungrige Festivalbesucher kaufen dort indische, asiatische und amerikanische Gerichte. Natürlich gibt es auch Schupfnudeln und Kässpatzen.

Die Schwestern Julia und Sofia aus Kaufbeuren ruhen sich am Rand der Meile im Gras aus. Zuvor haben sie vier Stunden zur Musik ihres Freundes Fabio Preite getanzt. Als DJ El Fabio trat der gebürtige Kemptener im Medusa-Shelter auf.

Tanzen und abschalten

Beim ausgiebigen Tanzen könne man einfach abschalten, beschreibt Sofia: „Die Musik ist so laut, man kann an gar nichts anderes denken.“ Ihre Schwester sagt: „Techno schüttet einfach Glückshormone aus.“

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