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Bad Wörishofen

20.05.2020

Musiker in der Corona-Krise: „Wenn nicht gespielt wird, gibt es kein Geld“

Patrick Henrichs ist ein herausragender Musiker.
Bild: Maria Schmid

Plus Patrick Henrichs von der Musikschule Bad Wörishofen ist ein europaweit gefragter Musiker. Doch er ist, wie viele, zur Untätigkeit verdammt – aber nicht ganz.

Seine Bühne ist Europa: Als Solotrompeter bei international renommierten Ensembles ist Patrick Henrichs normalerweise in vielen Ländern unterwegs. Doch in der Corona-Krise ist daran nicht zu denken. Das Problem, das sich daraus nicht nur für Henrichs ergibt: „Wenn nicht gespielt wird, gibt es kein Geld!“ Das ist die Realität für derzeit zahlreiche Kulturschaffende. Wann es überhaupt wieder losgeht? Wann die Bühnen wieder öffnen dürfen? Das fragen sich Henrichs und seine Berufskollegen.

Das gilt übrigens auch für die Frage nach beliebten Großveranstaltungen im nächsten Fasching. Dieser ist für nicht wenige Berufsmusiker ein wichtiger Baustein in der jährlichen Kalkulation. Wie lange wird Corona noch für Einschränkungen sorgen? „Die Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluss auf das Gemüt. Ein Gesetzgeber sollte sie deshalb am meisten unterstützen.“ Das sagte einst Napoleon Bonaparte. Doch gerade jetzt sind die Konzerthäuser verwaist, die Bühnen, die auch für die Musiker die Welt bedeuten, leer. Pfarrer Sebastian Kneipp sagte einst: „Vergesst mir die Seele nicht!“ Wer derzeit mit Musikern spricht, erfährt, dass sie sich ziemlich allein gelassen fühlen. Manche haben noch ein zweites Standbein, so wie Henrichs. Er ist Lehrer an der Irmgard Seefried Sing- und Musikschule Bad Wörishofen. Er hatte bei seinem Studium nicht nur eine Solokarriere angestrebt. Das kommt ihm nun zugute.

Henrichs Leidenschaft ist eine ganz besondere Trompete

Seine Leidenschaft ist die Trompete. Seine Barocktrompete ist eine Trompete, die nicht mit Ventilen oder Klappen zur Tonhöhenveränderung ausgestattet ist und daher nur die Töne der Naturtonreihe hervorbringen kann. „Sie ist das schönste Musikinstrument der Welt“, sagt Henrichs. Was er damit kann, ist europaweit bekannt. Mit dieser Trompete könne er heroische und majestätische Musik erklingen lassen, vor allem aus der Zeit des Barock, schwärmt Henrichs. Besonders Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Henry Purcell oder Georg Friedrich Händel sind da zu nennen. Patrick Henrichs zählt seit Jahren zu den gefragtesten Spezialisten für die Barocktrompete.

Musiker in der Corona-Krise: „Wenn nicht gespielt wird, gibt es kein Geld“

Eine Entscheidung aus Studienzeiten hilft dem Musiker nun weiter

Dass er auch Musikpädagogik studiert hat, zahlt sich derzeit besonders aus. Dadurch hat er die Möglichkeit, als fest angestellter Pädagoge den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu verdienen. Die Lehre als Honorarprofessor an der Musikhochschule Trossingen und der Unterricht in Bad Wörishofen war in den vergangenen Wochen jedoch nur auf digitalem Wege möglich. Das war für alle Beteiligten eine neue und große Herausforderung, die Henrichs aber gerne annahm. Er sagt über seine pädagogische Arbeit an der Musikschule Bad Wörishofen, dass ihm vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am Herzen liege. Hier ist er mit starkem Engagement seit Jahren bekannt und beliebt. Sind es doch unter anderem in jedem Jahr die in der letzten Juliwoche stattfindenden „Sommerkonzerte“, in denen er mit einzelnen Schülern als Solisten und in Bläser-Ensembles auftritt. Da die Sommerkonzerte bis jetzt für dieses Jahr noch nicht abgesagt worden seien, sagt er, bestehe noch Hoffnung. Im Gegensatz zu fast allen großen Auftritten der Musikschule in diesem Jahr.

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