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Bad Wörishofen

24.07.2015

Musikschule beschreitet neue Wege

Die Ausbildung an der Irmgard-Seefried-Sing- und Musikschule Bad Wörishofen wird weitaus vielfältiger. Die drei Schulleiter wollen die städtische Einrichtung damit auf eine breitere Basis stellen. Unangetastet bleiben die Erfolgsgaranten wie etwa der Klavierunterricht.
Bild: Oechsler

„Klassen musizieren“ ermöglicht Orchesterspiel während des Grundschulunterrichts. Es ist nicht die einzige Neuheit zum Jubiläumsjahr. Was die Leiter zu einer interkommunalen Musikschule sagen und warum Singen weiblich ist

Die Irmgard-Seefried-Sing- und Musikschule stellt sich zum großen Jubiläumsjahr noch breiter auf. Klaus Hermannsdörfer und Magnus Blank, zwei der drei Musikschulleiter mit Gerhard Wolf, stellten die Neuerungen gestern vor. Als positives Zeichen werten es die beiden, dass die Schule durch die neuerliche Gebührenerhöhung (wir berichteten) keine großen Einbrüche bei den Schülerzahlen zu verzeichnen hat. „Die Schule entwickelt sich wie gewünscht“, sagt Herrmannsdörfer. Die genaue Zahl für das neue Schuljahr steht aber noch nicht fest. Derzeit arbeitete man die langen Wartelisten ab und habe bis auf einen Platz tatsächlich schon alle Interessenten unterbringen können, freut sich Blank.

Mit Spannung blickt er einem der ambitioniertesten Projekte der Schule entgegen: „Klassen musizieren“. Dabei geht die städtische Musikschule im neuen Schuljahr eine enge Kooperation mit der Pfarrer-Kneipp-Grundschule ein. Schüler der dritten Klassen können den Musikunterricht künftig direkt mit dem Orchesterspiel verzahnen. Während der Schulzeit können sie so Instrumente lernen. Dazu kommt der Unterricht an der Musikschule. „Wir beginnen von der ersten Stunde an mit dem Orchesterspiel“, sagt Blank. Ein musikalisches Abenteuer erwartet die Kinder. „Sie werden dabei sehr früh herausfinden, welches Instrument ihnen am besten liegt“, sagt Blank. Die Musikschule verspricht sich viel davon. „Das könnte eine Situation werden, von der alle profitieren können, Schule, Kinder, Musikvereine“, glaubt Blank.

Außerdem bietet die städtische Schule künftig erstmals regelmäßigen Geigenunterricht an. Darauf ist man besonders stolz. „Blasmusik ist auf den Dörfern die Nummer eins, Streicher führen eher ein Nischendasein“, sagt Blank. Letzteres soll sich nun ändern. Kommen die neuen Kurse gut an, gäbe es in der Folge auch mehr Musiker für etwa klassische Besetzungen, glaubt Herrmannsdörfer. Dass Ilse Erhard (CSU) jüngst im Stadtrat eine Neuauflage des Instrumentenfonds angeregt hat (wir berichteten), finden Blank und Herrmannsdörfer besonders gut. „Das könnten wir gut gebrauchen“, sagen sie. Zum Beispiel verfüge die Musikschule nicht über Kindergeigen zum Ausleihen. Dass für die Streicher im Großen und Ganzen in der Region zu wenig getan wird, beklagen Musikschaffende schon seit Jahren. Herrmannsdörfer, Blank und Wolf wollen das nun ändern.

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Ebenfalls neu ist das Projekt Gesang. Hier habe man mit Alexandra Jörg eine hervorragende Lehrerin gefunden, schwärmen Blank und Herrmannsdörfer. Von klassisch bis modern, von Pop bis Rock werde man künftig alles anbieten, was Jung und Alt gefallen könnte. Auch die männlichen Stimmen wollen Blank und Herrmannsdörfer damit fördern. „Singen ist heute weiblich, man findet nur noch wenige Jungs“, beklagt Blank. Entsprechend „stehen auch viele Männerchöre vor dem Aussterben“, sagt Herrmannsdörfer. Dabei scheint Gesang ein Riesenthema zu sein, wie der massenhafte Ansturm auf Castings diverser Fernsehformate zeigt. In Bad Wörishofen könnte man sich auf solche Momente künftig vorbereiten.

Blank und Herrmannsdörfer bedauern, dass die Qualität der Lehrerschaft in Bad Wörishofen insgesamt zu wenig bekannt sei. Dabei würden hier herausragende Musiker wie etwa Patrick Henrichs unterrichten. „Er spielt Naturtrompete an der europäischen Spitze“, sagt Herrmannsdörfer. 14 Lehrerinnen und Lehrer sind momentan an der Schule tätig. Gemeinsam mit ihren Schülern geben sie pro Jahr über 60 Konzerte, berichtet Herrmannsdörfer, das sei „mehr, als anderswo geboten wird.“ In Bad Wörishofen stimmten dafür aber auch die Voraussetzungen, lobt er. Die öffentlichen Säle seien prima.

Aufmerksam verfolgt haben Herrmannsdörfer und Blank die jüngst im Türkheimer Gemeinderat aufgeflammte Frage nach einer interkommunalen Musikschule. Bürgermeister Sebastian Seemüller hatte vor einigen Tagen zugesichert, die Thematik mit anderen Kommunen zu diskutieren.

Magnus Blank kennt diese Lösung aus seinem Studium an der Bruckner-Universität. Die Österreicher würden das sogar auf Landesebene organisieren. Dort mache das allerdings das Schulamt. Klaus Herrmannsdörfer sagt, diese Debatte sei nicht neu. Man habe sie schon vor etwa zehn Jahren geführt. Es ging damals konkret um eine Zusammenarbeit der Schulen in Bad Wörishofen, Mindelheim und Türkheim. Man habe damals sogar zwei Konzerte gemeinsam organisiert und absolviert. Eine schöne Erfahrung sei das gewesen. Dann sei es aber nicht weitergegangen. „Aber ob da jetzt etwas geplant ist, wissen wir nicht“, sagt Herrmannsdörfer.

Dafür plant er selbst schon eifrig, und zwar für die anstehenden Jubiläen im nächsten Jahr: 90 Jahre Singschule, 60 Jahre Sing- und Musikschule und 25 Jahre Bigband wollen gebührend gefeiert werden. Unter anderem wird dazu das große schwäbische Bigband-Treffen in Bad Wörishofen stattfinden.

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