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Bad Wörishofen

04.12.2020

Nach Kündigung gibt es Misstöne hinter den Kulissen des Kurorchesters

Seit 2018 standen sie gemeinsam mit dem Bad Wörishofer Kurchorchester „Musica Hungarica“ auf der Bühne: Robert Rittner als Geiger und Orchesterleiter und MHO-Geschäftsführer Zsolt Gazsarovsky. Damit ist jetzt endgültig Schluss, Rittner wurde - für ihn völlig überraschend - gekündigt.

Plus Robert Rittner, 1. Geiger bei Musica Hungarica, wurde von seiner Kündigung eiskalt erwischt. Orchesterleiter Zsolt Gazsarovsky spricht von einem „schrecklichen Jahr“.

Das Orchester „Musica Hungarica“ ist seit dem Jahr 1992 als Kurorchester in Bad Wörishofen fester Bestandteil und künstlerisches Highlight für alle Freunde klassischer Musik. Die Stadt Bad Wörishofen lässt sich den Musikgenuss seiner Kurgäste auch einiges kosten: Im Schnitt rund 250.000 Euro werden jährlich aus der Stadtkasse an die „MHO Orchester GmbH“ überwiesen, wie Bürgermeister Stefan Welzel ( CSU) auf Anfrage der Mindelheimer Zeitung mitteilte. Wie und wofür genau dieses Geld dann von MHO-Geschäftsführer Zsolt Gazsarovsky verwendet und verteilt wird, entziehe sich seiner Kenntnis, so Welzel.

Welzel geht fest davon aus, dass das „Orchester Musica Hungarica“ nach der Corona-Krise auch wieder als Kurorchester auftreten wird. Es gebe entsprechende Verträge, an denen vonseiten der Stadt Bad Wörishofen nicht gerüttelt werde. Schließlich sei das Kurorchester seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Angebots der Kneippstadt und ein musikalisches Alleinstellungsmerkmal.

Derzeit kommt es aber zu unüberhörbaren Misstönen hinter den Kulissen des Kurorchesters: Orchesterleiter und MHO-Geschäftsführer Zsolt Gazsarovsky und Robert Rittner, als 1. Geiger vielleicht wichtigster Mitarbeiter Gazsarovskys, gehen jetzt getrennte Wege.

Zsolt Gazsarovsky, der Leiter des Kurorchesters von Bad Wörishofen.
Bild: Maria Schmid

Völlig unvorbereitet sei ihm Anfang November die Kündigung ins Haus geflattert, beklagt sich Robert Rittner. Die Kündigung habe ihn persönlich wie ein Schlag getroffen und er stehe aktuell vor dem Nichts: „Ich bin ruiniert“, sagt der 49-Jährige, der seit Dezember 2018 in Bad Wörishofen wohnt und sein ganzes künstlerisches Wirken auf das Kurorchester konzentriert habe.

Dafür habe er damals seinen „sicheren Job“ bei einem ungarischen Symphonieorchester aufgegeben und hatte diesen Schritt – bislang – auch keine Sekunde bereut. „Ich habe es geliebt, hier zu arbeiten. Das Publikum in Bad Wörishofen ist einfach wunderbar“, so Rittner. So hätte er sich gut vorstellen können, hier lange zu bleibeb und weiter im Kurorchester von und mit Zsolt Gazsarovsky zu arbeiten: „Die Gegend ist so schön und die Menschen in Bad Wörishofen sind sehr nett und freundlich“, sagt der Geiger: „Ich habe jeden Tag mit Hingabe Geige gespielt“ und sein Publikum habe seine Kunst auch geschätzt.

Die Corona-Krise warf die Planungen des Bad Wörishofer Orchesters über den Haufen

Doch dann der Schock: Die Corona-Krise warf alles über den Haufen und die Musikerinnen und Musiker des Kurorchesters wurden in Kurzarbeit geschickt.

Nur noch 60 Prozent des ohnehin eher spärlichen Lohns – aber Robert Rittner machte sich keine allzu großen Sorgen damals: „Ich war nicht besorgt, wartete und hoffte und dachte nie daran, das Land zu verlassen.“

In dem Kündigungsschreiben vom 2. November nennt MHO-Geschäftsführer Zsolt Gazsarovsky als Grund, dass „saisonbedingt und aufgrund der aktuellen und weiteren Corona-Situation das Kurorchester Bad Wörishofen nicht mehr auftreten darf“. Zsolt Gazsarovsky rät Robert Rittner dann noch, sich bei der Arbeitsagentur zu melden und Arbeitslosengeld zu beantragen. Mit dem Zusatz „Mit freundlichen Grüßen“ endet das kurze Kündigungsschreiben – und damit auch die zweijährige Zusammenarbeit.

Robert Rittner wurde als 1. Geiger des Kurorchesters von Bad Wörishofen entlassen.
Bild: Alf Geiger

Orchesterleiter und MHO-Geschäftsführer Zsolt Gazsarovsky verteidigte gegenüber der MZ diese auch für ihn „harte Entscheidung“, die aber letztlich notwendig gewesen sei. Ein persönliches Gespräch mit Rittner oder eine Ankündigung der bevorstehenden Kündigung seinerseits habe jedoch nicht stattgefunden. Es habe auch zuvor keine arbeitsrechtlichen Schritte wie etwa Abmahnungen oder Ähnliches gegenüber Rittner gegeben, bestätigt Gazsarovsky.

Er legt dabei Wert auf die Feststellung, dass es sich bei Rittners Vertrag um ein „befristetes Arbeitsverhältnis“ gehandelt habe. Laut Gazsarovsky hätte sich dieses Arbeitsverhältnis nun erneut automatisch um ein weiteres Jahr verlängert, wenn er jetzt nicht die Notbremse gezogen und Rittner gekündigt hätte. Und in solchen Fällen sei es nun mal üblich, dass derartige Verträge gekündigt werden, so Gazsarovsky. In dem Kündigungsschreiben, das der MZ vorliegt, ist indes nicht von einem „befristeten“ Arbeitsverhältnis die Rede.

Für Orchesterleiter und MHO-Geschäftsführer Zsolt Gazsarovsky sei es nach diesem „schrecklichen Jahr“ nun umso wichtiger, mit Optimismus nach vorne zu blicken. Das falle auch ihm persönlich momentan allerdings nicht leicht. Schließlich bekomme er nur die Konzerte vonseiten der Stadt bezahlt, die auch tatsächlich gespielt werden konnten.

Der Orchesterleiter erklärt, wie es nun weitergeht

Es sei daher seine unternehmerische Verantwortung gewesen, die wirtschaftlichen Weichen zu stellen und drohenden Schaden vom Orchester abzuwenden. Die Kündigung von Geiger Robert Rittner sei da zwar bedauerlich, aber unausweichlich gewesen, so Gazsarovsky. Über weitere Hintergründe für die Trennung wolle er sich mit Blick auf seine Verschwiegenheits- und Sorgfaltspflicht bei Personalangelegenheiten als Arbeitgeber nicht äußern: „Das sind interne Angelegenheiten“. Ein neues Engagement von Robert Rittner schloss Zsolt Gazsarovsky auf Nachfrage der MZ aber kategorisch aus.

In dem von ihm unterzeichneten Kündigungsschreiben ist von anderen Gründen für die Kündigung nichts zu lesen. Dort sind nur die Corona-Situation und die damit verbundenen Folgen für die Auftritte des Kurorchesters genannt.

Wie es nun weiter geht? Orchesterleiter und MHO-Geschäftsführer Zsolt Gazsarovsky hofft inständig, dass er mit dem Kurorchester bald wieder die Musikfreunde in der Kurstadt erfreuen kann.

Sobald es der Gesetzgeber wieder erlaube, stehe er mit seinem Orchester bereit. Er verfüge über genügend Kontakte, um schnell reagieren und geeignete Musikerinnen und Musiker engagieren zu können.

In der Regel beschäftigt das Kurorchester laut Gazsarovsky in der Hauptsaison von Mai bis Oktober rund zehn Musikerinnen und Musiker, von November bis Mitte Dezember dann nur drei und von Mitte Dezember bis zum Start der Hauptsaison dann wieder fünf Musiker.

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