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Wettbewerb

23.10.2017

Natürliche Schönheiten gesucht

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6 Bilder
Ihr herbstliches Gewand trägt diese Hainbuche bei Erisried. Die Jury ist derzeit im Landkreis unterwegs und bewertet die Bäume, die für den Schönheitswettbewerb eingereicht worden sind.
Bild: Sandra Baumberger

Eine Jury bewertet, welche Bäume die schönsten im Unterallgäu sind.

Bei diesem Schönheitswettbewerb gibt es keine aufwendigen Frisuren, kein Make-up, keine langen Abendkleider oder knappen Bikinis und auch keinen Laufsteg. Stattdessen stehen die Schönheiten einfach da, wo sie immer stehen und tragen das, was sie fast immer tragen: Im Fall von Kandidatin eins aus Altensteig ist das ein Kleid aus herbstlich gefärbten Eichenblättern, die die Kandidatin zum Teil bereits abgelegt hat – vielleicht um ihr erhabenes Astwerk besser zur Geltung zu bringen, vielleicht aber doch nur der Jahreszeit wegen.

Die Jury ist jedenfalls beeindruckt: Kreisgartenfachberater Markus Orf, Katherina Grimm von der Untereren Naturschutzbehörde, Kreisheimatpfleger Peter Hartmann, Forstamtsleiter Rainer Nützel und Johannes Lachenmaier von der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim sind im Unterallgäu unterwegs, um die schönsten Bäume ausfindig zu machen. Dabei geht es den Initiatoren, den Landkreisen Unterallgäu und Lindau, der Stadt Memmingen und der Sparkasse, nicht um natürliche Schönheit allein, die freilich im Fokus steht. Sie wollen mit dem Wettbewerb „Bäume unserer Heimat“ auch auf die Bedeutung alter Bäume als stumme Zeugen der Geschichte aufmerksam machen und dazu beitragen, dass dieses heimatgeschichtliche Erbe gepflegt und weitergegeben wird. Prämierungen gibt es in den Kategorien Haus- und Hofbaum, Obstbaum, Naturdenkmal, Öffentlicher Baum sowie Landschaft.

Die Eiche aus Altensteig gehört zu den Kandidaten

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In Letzterer tritt die Eiche in Altensteig an. Sie steht an der Grundstücksgrenze zwischen zwei Anwesen, ist 20 Meter hoch und wirklich stattlich. Allerdings trifft das auch auf viele andere Bewerber zu. 56 waren es ursprünglich, nach einer Vorauswahl sind noch 35 Bäume übrig. 22 davon wachsen im westlichen Landkreis, allein 16 rund um Legau, 13 im östlichen Landkreis.

Unter den Kandidaten ist auch die Blutbuche aus Mindelheim, die vor wenigen Wochen aus anderem Grund für Schlagzeilen sorgte: Um das Grundstück, an dessen Rand sie steht, bebauen zu können, soll der mehr als 100 Jahre alte Baum weichen. Auf der anderen Seite stehen fast 1200 Menschen, die sich über eine Online-Petition für den Erhalt der Buche eingesetzt haben. Mit ihrem dunkelroten Laub ist sie ein echter Blickfang – genau wie die Linde auf freier Flur bei Apfeltrach.

Nach einer kurzen, aber eingehenden Musterung zücken die Juroren ihre Bewertungsbögen und fangen an, sich Notizen zu machen. Weil allzu starre Bewertungskriterien den Bäumen nicht gerecht werden würden, zählt vor allem der persönliche Eindruck: Wie bindet sich der Baum in die Landschaft ein? Welchen ökologischen Wert hat er? Hat er eine Geschichte?

Wie alt die Linde in Apfeltrach ist, weiß man nicht

Über die Linde in Apfeltrach liegen keine Informationen vor, auch ihr Alter ist unbekannt. Fest steht, dass die Jahresringe etliche Jahrzehnte ergeben dürften. Rainer Nützel vermutet außerdem, dass sie aus mehreren Bäumen zusammengewachsen sein könnte. Als Laie könnte man das auch beim nächsten Kandidaten annehmen, einer 200 Jahre alten Hainbuche am Ortsrand von Erisried mit verschlungenen, stammdicken Ästen. Doch Rainer Nützel schüttelt den Kopf: Hainbuchen wurden üblicherweise nicht in Gruppen gepflanzt. Zumal der Baum ein klassischer „Hutebaum“ sei: Er diente Kühen als Unterstand. Inzwischen ist er zu einem medusengleichen Charakterkopf herangewachsen, bei dessen Anblick Katherina Grimm entfährt: „Der ist echt der Hammer.“

Ob er am Ende auch zu den Gewinnern gehört, bleibt noch offen. Ihre Entscheidung will die Jury in einigen Wochen bekannt geben. Preiswürdig wären jedenfalls alle gemeldeten Bäume – schon allein als Anerkennung für eine enorme Leistung: Ein großer Baum produziert in einer Stunde 1,7 Kilogramm Sauerstoff, verbraucht dabei 2,35 Kilo CO2 und versorgt so zehn Menschen ein Jahr lang mit Sauerstoff.

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