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Interview

24.11.2014

Neue Lust an Klinik-Fusionen

Eine Operation an der Kreisklinik Mindelheim. Landrat Hans-Joachim Weirather hat mit seinem Vorschlag einer Zusammenarbeit aller Kliniken im Allgäu Bewegung in die Debatte um die Zukunft der Krankenhäuser gebracht.
Foto: Landratsamt

Warum Landrat Weirather einen Allgäu-weiten Verbund ins Spiel bringt

Landkreis Landrat Hans-Joachim Weirather hat die Klinikdebatte im Allgäu befeuert. Beim jüngsten Treffen der Allgäu GmbH brachte der Unterallgäuer Kreischef eine Zusammenarbeit aller Kliniken im Allgäu ins Gespräch. MZ-Redakteur Johann Stoll sprach mit Weirather.

Warum sollen sich alle Allgäuer Krankenhäuser zusammenschließen?

Weirather: Bei einem landkreisübergreifenden Ansatz ist auch medizinisch manches leichter.

Was heißt das konkret?

Weirather: Es geht um eine Strategie. Sie hat viele Facetten. Wir müssen uns mittelfristig die Frage stellen, welche Art von medizinischer Qualität wir im Allgäu wo anbieten wollen. Da müssen wir auch die Kosten im Auge behalten. Es muss aber für jedes Krankheitsbild eine hundertprozentig gute Versorgung geben.

An der ärztlichen Qualität fehlt es doch heute schon nicht.

Weirather: Alle Krankenhäuser in Deutschland stehen unter einem stetig wachsenden Kostendruck. Da muss man verschiedene Dinge neu denken. Die Ansprüche der Patienten werden nicht kleiner. Deshalb muss man als Krankenhaus auch mehr an Qualität vorhalten, um immer erstklassige Versorgung garantieren zu können. Man muss sich schon fragen, ob es nicht genügt, Spezialbehandlungen, die derzeit fünfmal im Allgäu vorgehalten werden, nur noch dreimal anzubieten.

Der Patient hat damit ja noch keinen Vorteil, wenn er für jeden Eingriff woanders hin muss. Zur Geburt nach Memmingen, zur Hüft-Operation nach Oberstdorf und zum Eingriff am Darm nach Mindelheim. Ist das die Zukunft?

Weirather: Wichtig ist uns, dass wir unsere Standorte erhalten. Das heißt nicht, dass wir in zehn Jahren all das noch im Angebot haben, was wir heute noch haben. Ich habe eine Spezifizierungsdiskussion angestoßen. Das andere ist die Frage von Marktmacht. Wenn wir mit allen Allgäuer Kliniken mit den Krankenkassen verhandeln würden, hätten wir wohl auch bessere Vereinbarungen mit den Kassen.

Das Unterallgäu und Memmingen verhandeln seit zwei, drei Jahren mit dem Ziel sich zusammenzuschließen. Allzu viel ist bisher nicht umgesetzt worden. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus, dass das jetzt besser läuft, wenn noch mehr Partner im Boot sitzen?

Weirather: Wir haben in Kempten und dem Oberallgäu eine etwas andere Situation. Dort haben die Klinken schon zusammengefunden. In der dortigen GmbH ist der ehemalige Landratskollege Gebhard Kaiser noch im Boot. Kaiser ist Aufsichtsratsvorsitzender. Mit ihm habe ich über das Thema gesprochen. Ihn weiß ich auf der Seite derer, die meinen, dass wir den Versuch einer engen Zusammenarbeit ernsthaft angehen sollten.

Ist das Ostallgäu mit dabei?

Weirather: Das ist völlig offen. Ich weiß auch nicht, wie schnell das geht. Ich will es auf jeden Fall versuchen. Da kann sicherlich der eine oder andere sagen: Das wird ja eh nichts. Von selber wird sich aber nichts ändern.

Krankenhäuser sind Teil der Daseinsvorsorge. Warum diskutiert die Politik so viel über Defizite von Krankenhäusern? Schulen und Kindergärten sind ja auch nicht ohne Steuergelder zu unterhalten.

Weirather: Der Anspruch, dass sich Krankenhäuser selbst versorgen, ist durch den Gesetzgeber definiert. Bei den Schulen sind wir Sachaufwandsträger. Eine Schule kann sich nicht selber finanzieren.

Ich bin weiterhin gerne bereit, dass sich der Landkreis sehr aktiv an der Finanzierung von Investitionen der Krankenhäuser beteiligt. Aber mir ist es viel lieber, Haushaltsmittel des Landkreises als Investitionshilfe dem Kommunalunternehmen zu geben, als hohe Fehlbeträge abzudecken. Die Entwicklung der Krankenhäuser Mindelheim und Ottobeuren ist eine sehr positive. Wir haben schon in diesem Jahr Verbesserungen im Jahresergebnis in den Kliniken belassen. 2013 hatten wir 1,6 Millionen Euro abdecken müssen. Für heuer dürfen wir erwarten, dass sich dieser Betrag noch einmal reduziert. Wir lassen diese Gelder im Unternehmen und geben entsprechende Investitionszuschüsse. Das ist das Beste, was wir tun können.

Wie geht es mit der Idee der Allgäu-Kliniken weiter?

Weirather: Ich habe bei einer Sitzung der Allgäu GmbH gefragt, ob die Bereitschaft besteht, dass wir uns der Thematik annehmen. Das bejahten alle. Wir werden uns mit allen Oberbürgermeistern und Landräten treffen. Jeder darf dann eine Situationsbeschreibung abgeben. Aus diesen Äußerungen sehen wir dann, ob es eine Schnittmenge mit allen oder mit einigen gibt.

Die angestrebte Zusammenarbeit mit Memmingen liegt auf Eis?

Weirather: Ich bin an einer gemeinsamen Trägerschaft auf Augenhöhe massiv interessiert. Die Not treibt uns jetzt nicht um. Was rauskommt, kann ich heute nicht sagen. Aber die Hände sind ausgestreckt.

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