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Mindelheim

17.11.2020

Neue Pläne für das Mindelheimer Krankenhaus

Noch sieht das Krankenhaus in Mindelheim so aus. Werden die neuen Pläne des Klinikverbunds Allgäu für die vor zwei Jahren beschlossene Erweiterung umgesetzt, könnte sich die Ansicht aber beträchtlich ändern. Das ist geplant.

Plus Eigentlich waren die Pläne für die Erweiterung der Mindelheimer Klinik schon beschlossene Sache. Doch nun will sie der Klinikverbund Allgäu grundlegend ändern.

Am eigentlichen Vorhaben hat sich nichts geändert: Um für die Zukunft gewappnet zu sein, sollen die Kliniken in Mindelheim und Ottobeuren umgebaut und erweitert werden. Das hatte der Kreistag bereits vor gut zweieinhalb Jahren beschlossen. Was sich jedoch geändert hat, und zwar erheblich, sind die Pläne für das Krankenhaus in Mindelheim.

Sollten sie so umgesetzt werden, wie sie Michael Osberghaus von der Geschäftsführung des Klinikverbunds Allgäu in der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Kreisausschuss vorstellte, würde das das Aus für den bisherigen Bettentrakt bedeuten – und für das Gebäude, in dem jetzt unter anderem das Gesundheitsamt untergebracht ist.

Seit 2018 hätten sich die Rahmenbedingungen für das Mindelheimer Krankenhaus geändert

Die Pläne, denen der Kreistag im April 2018 zugestimmt hatte, seien zum damaligen Zeitpunkt gut gewesen, betonte Osberghaus in der Sitzung. Seit der Ermittlung der Grundlagen für die bisherige Planung vor einigen Jahren hätten sich die krankenhaus- und gesundheitsversorgungsspezifischen Rahmenbedingungen jedoch gravierend geändert. So seien die verbindlichen Qualitäts- und Strukturvorgaben seitens des „Gemeinsamen Bundesausschusses“ verschärft worden etwa was die Vorgaben bezüglich der Personalvorhaltung im Verhältnis zu Funktionsbereichs- und Stationsgrößen oder auch die Vorgaben im Bereich der Notfallversorgung angehe.

Die bisherigen Pläne berücksichtigten außerdem nicht die ambulante Versorgung von Patienten, die künftig weiter zunehmen werde. Um den Standort zeitgemäß und nachhaltig zu stärken, müsse deshalb neben dem stationären Betrieb auch die ambulante Leistungserbringung weiterentwickelt werden, so Osberghaus. Ermöglichen soll das ein bislang nicht vorgesehenes Ärztehaus, in dem Fachärzte ambulante Behandlungen anbieten und auch eine Apotheke, Therapeuten sowie Mitarbeiterwohnungen untergebracht werden könnten. Erste Ärzte hätten bereits Interesse bekundet. Das Mindelheimer Krankenhaus würde so zum „Gesundheitscampus Mindelheim“ erweitert werden. Als weitere Vorteile des Ärztehauses nannte Osberghaus persönliche und damit nachhaltige Kontakte, den sofortigen Patiententransfer und mehr Patienten und Besucher auf dem Areal, was dessen Sichtbarkeit und damit Attraktivität steigere.

Die Gebäudestruktur an der Klinik Mindelheim müsse einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen

Damit das generell knappe Geld auch tatsächlich vor allem der Medizin und Pflege zugutekomme, müsse die Gebäudestruktur zudem einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen. Die bisherigen Pläne bildeten die heutigen Ansprüche auf kurze Wege und eine kompakte Bewirtschaftung aber nicht ab, sagte Osberghaus. Der ursprünglich geplante Erweiterungsbau, in dem unter anderem ein Operationssaal untergebracht werden sollte, schränke die Gesamtgestaltung des Areals ein, Küche, Labor und Kreissaal würden sofort verdrängt und müssten übergangsweise anderweitig untergebracht werden.

Die neue Planung dagegen führe Funktionseinheiten zusammen und schaffe so eine Klinik der kurzen Wege sowie Synergien bei Räumen, Geräten und Personal. Als Beispiel nannte er den Kreißsaal, der – Stichwort Kaiserschnitt – näher bei den Operationssälen untergebracht werden soll.

Die gravierendste Änderung betrifft den bisherigen Betten- und den Altbau, die nach den Plänen des Klinikverbunds abgerissen und durch Neubauten an anderer Stelle ersetzt werden könnten. Durch den Abriss entfalle die teure und im Resultat dennoch wenig zukunftsfähige Sanierung der Bettentrakte, so Osberghaus. „Wenn Sie das Ding sanieren, werden Sie arm“, prophezeite er in der Sitzung. Hinzu komme, dass die Sanierung nicht gefördert werde, der Neubau voraussichtlich aber schon. Auch auf die geplanten, noch offenen Brandschutzmaßnahmen könnte verzichtet werden. „Statt in dysfunktionale Altstrukturen sollten die ohnehin begrenzten Finanzmittel besser in Zukunftsstrukturen investiert werden“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Im Raum stehen Kosten von 51 Millionen Euro für den Umbau

Laut Osberghaus entsprechen die neu beplanten Flächen in etwa denen der ursprünglichen Planung und auch die Kosten bewegten sich in einem vergleichbaren Rahmen: Im Raum stehen rund 51 Millionen Euro von denen der Landkreis nach Abzug von Fördermitteln rund 22 Millionen selbst tragen müsste. Nicht eingepreist ist ein Parkhaus, das schon allein deshalb notwendig würde, weil das bisherige Parkdeck ebenfalls abgerissen würde und durch das Ärztehaus der Bedarf an Parkplätzen zusätzlich steigen würde. Nach den Vorstellungen des Klinikverbunds könnte es gegenüber des Ärztehauses entstehen und der Bau gemeinsam mit dem Landratsamt vorangetrieben werden. Konkrete Pläne gibt es dafür aber noch nicht.

„Ich bin ein Freund dieses Konzeptes“, sagte Landrat Alex Eder. Mit den neuen Plänen könne man aus der Klinik ein moderneres Haus machen und Potenziale besser nutzen. Hinzu komme, dass die neuen Pläne bezüglich des Bettenhauses und auch der Küche, die nun erhalten bliebe, weitere Möglichkeiten offen ließen und ein Neubau sicherer kalkulierbar sei als das Bauen im Altbau.

Das sagen die Parteien im Kreisausschuss zu den Umbauplänen

Auch Andreas Blank (Grüne) lobte die klareren Strukturen in den Gebäuden und dass die Fläche mit den neuen Plänen besser ausgenutzt würde. Dass die Küche nach wie vor von der Produktions- zur Verteilküche werden soll, stoße ihm aber sauer auf. Auch Christa Bail (Freie Wähler) hatte sich zuvor schon nach der Zukunft der Küche erkundigt, die den Kreisräten sehr am Herzen liegt. „Ich will dazu ermuntern, über die Medizin zu sprechen – und nicht über die Küche“, sagte darauf Osberghaus. Es gehe darum, in der stationären Leistung ausdifferenzierter und wahrnehmbarer zu werden. Robert Sturm (CSU) regte außerdem an, auf weiche Standortfaktoren zu achten und den Krankenschwestern beispielsweise günstige Wohnungen zur Verfügung zu stellen, um so als Arbeitgeber an Attraktivität zu gewinnen. Tatsächlich, so Osberghaus, sei das bisherige Wohnheim „in keinem extrem verführerischen Zustand“. Der Klinikverbund wolle jedoch nicht dauerhaft zum Vermieter werden.

Letztlich befürworteten es die Mitglieder des Kreisausschusses einstimmig, die vorgestellten optimierten Pläne weiterzuentwickeln. Ob diese dann auch in dieser Form umgesetzt werden, ist aber noch offen.

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