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20.07.2009

Neue Werke des Klosterkomponisten Angelus Dreher entdeckt

Kirchheim Genau heute vor 200 Jahren, am 20. Juli 1809, starb in Kirchheim der Dominikanerpater und Klosterkomponist Angelus Dreher. Dieser Todestag ist für Kirchheim Anlass genug, sich dieses lange vergessenen Sohnes der Gemeinde zu erinnern.

Von Helmut und Silke Striebel

Wer war Angelus Dreher? Am 20. Dezember 1741 wurde er als Sohn des fuggerischen Rentmeisters und Brauereiverwalters und dessen Ehefrau in Kirchheim geboren. Sein erster Musikunterricht war vermutlich in der von Fuggern gegründeten Schule. Mit 18 Jahren trat er in das Dominikanerkloster ein und wurde gleich Organist und Chorregent. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Augsburg empfing er 1764 die Priesterweihe.

Höhepunkt seines Schaffens bei den Passionsspielen

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In den Jahren 1774 und 1775 komponierte er für die traditionsreichen Passionsspiele in Schwäbisch Gmünd eine neue, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechende Musik. Die dort entstandenen Kompositionen bezeugen den Höhepunkt seines kompositorischen Schaffens. 1776 und 1777 hielt er sich in Regensburg auf. Hier komponierte er die Musik zum Zwischenspiel "Daniel" als Teil des Trauerspiels "Jehanguir". Am 27. April 1777 wurde Angelus Dreher von Regensburg zurück nach Kirchheim versetzt, wo er später Organist und Bibliothekar wurde. Jahre nach Auflösung des Klosters verstarb der mittlerweile pensionierte Dreher am 20. Juli 1809 mit 67 Jahren. Am 22. Juli wurde er auf dem Friedhof bei der St. Leonhardskapelle begraben.

Lange Zeit war der begabte Komponist in Kirchheim völlig vergessen. Dies änderte sich 1991, als zu seinem 250. Geburtstag das Oratorium "Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg" aus der Gmünder Passionsmusik in der Pfarrkirche St. Peter und Paul aufgeführt wurde.

Bis dahin glaubte man, dass sich von Dreher nur die Gmünder Passionsmusik erhalten hätte. Zehn Jahre später jedoch stellte eine engagierte Musikstudentin der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd weitere Nachforschungen an. Die Suche war erfolgreich. Tatsächlich ließen sich zusätzlich 18 Vokal- und Instrumentalwerke in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin und in der Thurgauischen Kantonsbibliothek Frauenfeld (Schweiz) ausfindig machen. Zu den aufgefundenen Vokalwerken gehören vier Arien, zwei Duette, ein Hymnus und ein Requiem (Messe). Die Instrumentalwerke bestehen aus einer Ouvertüre und neun Sinfonien.

Drehers Werke sind gekennzeichnet durch Stilmittel der Vorklassik (Mannheimer Schule). Elemente wie homophone Satzstrukturen, kleinmotivische Thematik oder rokokohafte Verzierungen lassen seine Kompositionen leicht und unbeschwert erklingen.

Die neu aufgefundenen Werke liegen bisher nur in alter Notenhandschrift vor. Um im 200. Todesjahr das Requiem in Kirchheim zu Gehör bringen zu können, übertragen Helmut und Silke Striebel, die besagte Musikstudentin, das Notenmaterial in die heutige Notenschrift. Mit dem Kirchheimer Kirchenchor ist eine Erstaufführung für den Herbst angedacht. Damit der berühmte Sohn nicht in Vergessenheit gerät. Bearbeitung Erich Wörishofer

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