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Landessynode

18.03.2015

Neuer Umgang mit dem Alter

Im Kursaal von Bad Wörishofen sucht die Landessynode der evangelischen Kirche in dieser Woche nach neuen Blickwinkeln auf das Thema Alter.
Bild: Issing

Bürgerzentren könnten eine Lösung sein. Es gibt gute Beispiele, wie die Senioren eingebunden werden. Mitglieder tauschen sich auch über Pflege und Sterbehilfe aus

Die demografische Entwicklung in der Gesellschaft steht im Mittelpunkt der Frühjahrssynode der evangelischen Landeskirche. Alter sei auch mit Erfahrung, Stärke und Weisheit gleichzusetzen, sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ( Memmingen), der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland. Zudem gäbe es viele Senioren, die sich im Rentenalter gerne ehrenamtlich engagieren wollen. „Da haben wir noch ein großes Potenzial an Möglichkeiten“.

Das Alter in einem ganz neuen Licht betrachtete gestern auch Professor Andreas Kruse von der Uni Heidelberg im Schwerpunktvortrag der Synode. Tosender Beifall belohnte am Ende seine Ausführungen. Kruse warnte eindringlich davor, das Alter auf körperliche Prozesse einzuengen. Auch hochbetagte Menschen würden sich noch als Teil der Gesellschaft begreifen und gerne auf Hilfe und Pflege verzichten, ja solche Dienste lieber erwidern.

Der bundesweit bekannte Gerontologe vermisst auch eine effektive Kooperation von Pflege und Rehabilitation . Hier sei das Gefälle, wie auch zwischen Medizin und Pflege sehr groß, bemerkte er. Der Altersforscher beklagte auch die mangelnde hausärztliche Versorgung von älteren Menschen auf dem Land. „Mehr Bürgerzentren und Begegnungsstätten einrichten“ appelierte er an Kirchen und Kommunen (wir berichteten). Zudem erwachse der Kirche die Aufgabe, alte Menschen als verantwortlich Handelnde anzusprechen. Nachbarschaft und Mobilität zu fördern sei ebenfalls wichtig. Deutlich verbessert werden müsste auch das Wohnumfeld von Senioren in den Städten. So gelte es dort soziale Ungleichheiten, wie auch Barrieren in den Altbauten abzubauen.

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Immer mehr gewinne die Palliativpflege an Bedeutung, machte der Referent deutlich. Den Pflegekräften empfahl er, todkranken Patienten so zu helfen, dass sie ihr Sterben selbst mitgestalten können. Von dem Geld aus den Pflegekassen sollten nach Kruse nicht nur Familien profitieren, sondern auch Bürgerzentren, in denen sich ehrenamtliche Kräfte um Pflegebedürftige kümmern.

In Arbeitsgruppen suchten die 108 Synodalen dann nach konkreten Formen für eine generationenübergreifende Zusammenarbeit in den 1530 bayerischen Kirchengemeinden. Als Möglichkeiten wurden gemeinsame Aktionen von Konfirmanden und Senioren oder Nachbarschafts- und Familienhilfen genannt. Die Pfarrerin und Synodale Ulrike Wilhelm berichtete von dem geglückten Experiment, dass im Gottesdienst ein Jugendlicher, ein Mensch mittleren Alters und ein Senior gemeinsam den Predigtext aus jeweils ihrer Sicht auslegten. Diakonie-Präsident Michael Bammessel betonte, dass das Alter nicht als eine „qualitativ minderwertige“ Lebensphase gesehen werden dürfe. Das Alter sei eine intensive Lebensphase, oftmals mit viel Qualität für alle Beteiligten. Bammessel warnte jedoch davor, ältere Menschen unter einen Leistungsdruck zu setzen und ihnen neue Aufgaben „aufzudrücken“.

Einen Perspektivewechsel forderte die Präsidentin der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Barbara Städtler-Mach. Bisher werde das Alter als Einschränkung der Möglichkeiten und im Vergleich mit dem früheren Leben gesehen, als man noch nicht auf die Hilfe Dritter angewiesen war. Die Frage sei, was die Gesellschaft für ein Menschenbild habe.

Senioren seien keine Loser, es dürfe nicht nur um Tempo, Schönheit und Leistung gehen. Allerdings gehöre es zur menschlichen Klugheit, sich in einer Zeit, in der der demografische Wandel ohnehin in aller Munde sei, mit Pflegebedürftigkeit auseinanderzusetzen.

Die Münchner Dekanin Barbara Kittelberger vom synodalen Unterausschuss Ethik in Medizin und Biotechnik legte der Synode Handlungsempfehlungen zum kontrovers diskutierten Thema Sterbehilfe vor. Man müsse sich die Frage stellen, wie eine ausreichende umfassende Palliativversorgung – einschließlich Seelsorge – unter den derzeitigen Bedingungen etabliert und finanziert werden könne. (mit epd)

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