Newsticker
Streit über Corona-Impfstoff: EU-Krisentreffen mit Astrazeneca findet nun doch statt
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Nicht nur ein Fest für Christen: So feiern andere Religionen Weihnachten

Unterallgäu

24.12.2020

Nicht nur ein Fest für Christen: So feiern andere Religionen Weihnachten

Weihnachten kann kommen bei Familie Zhang-Chen aus Mindelheim. Die Chinesen sind zwar keine Christen, feiern dennoch Weihnachten. Mit allem, was dazugehört: Adventskranz, Weihnachtsbaum und Bescherung. Auf dem Bild sind Mutter Yiyao Zhang, Vater Yang Chen und die Zwillinge Shikang und Shijie zu sehen.
Bild: Zhang

Plus Im Unterallgäu leben Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtungen. Gerade die Zeit um Weihnachten zeigt: Für viele rückt die Religion in den Hintergrund.

Das Fest der Liebe: Für viele Christen, aber auch für Menschen anderer Religionszugehörigkeit ist Weihnachten mehr als die Feierlichkeiten um Christi Geburt. An und um Weihnachten kommt die Familie zusammen, man beschenkt sich und geniest gemeinsam die Zeit. Auch für Nicht-Christen hat Weihnachten daher eine Bedeutung. Wir stellen drei Mindelheimer vor, eine Chinesin, einen Afghanen und einen Inder. Sie erzählen, ob und wie sie heuer feiern und was sie über die Religion hinaus mit Weihnachten verbinden.

Yiyao Zhang ist vor sieben Jahren mit ihren beiden Kindern, den Zwillingen Shikang und Shijie, aus der Region Peking nach Mindelheim gezogen. Sie folgte ihrem Ehemann Yang Chen, der mittlerweile seit 15 Jahren Ingenieur bei Grob ist. An Weihnachten gebe es zwar in China keinen Feiertag, jedoch sei in den großen Einkaufszentren oder in den Schaufenstern der Läden viel Beleuchtung und Dekoration, erzählt Zhang. „Die jungen Leute gehen am Heiligenabend mit Freunden aus – zum Essen, Trinken und Partymachen.“

In der chinesischen Familie wird Wert auf die europäische Kultur gelegt

Eigentlich ist Zhangs Familie keiner Religion zugehörig, ihre Lebensweise werde jedoch vom Daoismus und Buddhismus beeinflusst. Der chinesischen Mutter ist es wichtig, dass ihre Kinder in Deutschland westlich-orientiert aufwachsen und die europäische Kultur kennenlernen. Shikang und Shijie sind Gymnasiasten am Maristenkolleg, besuchen den katholischen Religionsunterricht und lernen Violine und Klavier. Am 5. Dezember haben die elfjährigen Zwillinge beim MZ-Adventskalender mitgemacht und „Lasst uns froh und munter sein“ gespielt (Hier geht es zur Folge: 5. Dezember: "Lasst uns froh und munter sein" von Shikang und Shijie Chen). „Wir feiern deshalb auch jedes Jahr Weihnachten,“ sagt Zhang. Wie eine deutsche Familie.

Normalerweise feiern die Zhang-Chens zusammen mit zwei befreundeten chinesischen Familien am Heiligabend: Zuerst wird gegessen, danach zusammen musiziert und dann dürfen die Kinder die Geschenke auspacken. „Weil wir aus unterschiedlichen Provinzen Chinas kommen, bringen wir immer selbst gemachte traditionelle Gerichte mit, die sind total lecker.“

Wegen Corona ist in diesem Jahr die große Familienzusammenkunft nicht möglich. „Aber wir feiern trotzdem, nur eben zu Hause und alleine“, sagt Zhang.

Am meisten gefällt Zhang an der Weihnachtszeit die Vorfreude ihrer Kinder, etwa jeden Tag beim Öffnen des Adventskalenders, dem kleinen Geschenk am Nikolaustag oder der Bescherung durch das Christkind. Die Chinesin schwärmt: „Solch eine Kindheit hätte ich mir früher auch gewünscht.“ Als Mutter alles vorzubereiten und sich mit Freunden zu treffen, mache ihr großen Spaß.

Der Afghane Abdulmalek Saboori kann sich noch gut an sein erstes Weihnachten in Deutschland erinnern

Abdulmalek Saboori ist mit der Flüchtlingswelle 2015 ins Unterallgäu gekommen. Er floh als unbegleiteter Minderjähriger aus Afghanistan über die Balkan-Route. Da seine älteren Geschwister in Kabul für westliche Organisationen arbeiteten, geriet seine Familie immer wieder ins Fadenkreuz von Extremisten.

Heute lebt der 22-Jährige in Sicherheit in Mindelheim und arbeitet als Betonfertigteilbauer bei der Firma Glass. Saboori kann sich noch gut an sein erstes Weihnachten vor fünf Jahren erinnern: „Im Flüchtlingsheim in Kirchheim haben wir uns mit Deutschen getroffen und haben zusammen gefeiert. Das war sehr schön.“ Saboori ist zwar Muslim, aber an Weihnachten hat er großen Gefallen gefunden. „Alle sind nett zueinander, wünschen sich alles Gute und einen guten Rutsch ins neue Jahr.“ Wenn Saboori durch Mindelheim flaniert, sieht er in der Stadt überall leuchtende Sterne. „Sie schauen wie Lichterblumen aus. So etwas habe ich in meinem früheren Leben nie erlebt.“

Abdulmalek Saboori ist zwar Muslim, hat an Weihnachten aber großen Gefallen gefunden.
Bild: Zhang

Heuer feiert der junge Afghane wegen Corona nur mit seinem Bruder, der vor ihm nach Deutschland geflohen war, und den engsten Freunden. „Es wird keine große Party geben, aber man hat dafür mehr Zeit für sich.“

Der Inder Ujjwal Kumar feiert Weihnachten nicht - im Restaurant gibt es viel zu tun

Ujjwal Kumar ist vor fünf Jahren von Ambala, im nördlichen Teil Indiens, nach Deutschland gekommen. Der heute 17-Jährige arbeitet im Restaurant seines Vaters, dem „Maximilian“ in der Mindelheimer Maximilianstraße. Kumar ist Hindu, erst im November war Diwali, auch Lichterfest genannt. Kumars Familie feiert das immer ganz groß.

Zuerst wird alles aufgeräumt und sauber gemacht. Morgens beten die Kumars und abends steigt die große Feier mit einem großen Festessen und vielen Süßigkeiten. Der Mindelheimer Teenager sagt: „Weihnachten feiern wir deshalb eigentlich nie, wir haben im Restaurant eh immer so viel zu tun.“ Auch in diesem Jahr trotz Corona. Lieferdienst macht’s möglich.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren