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Ein Unterallgäuer in Australien

12.07.2016

Nicht nur eitel Sonnenschein

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4 Bilder
Wer in Australien ist, hat hinterher garantiert auch ein Foto mit Koala-Bär auf seiner Kamera
Bild: Michael Kirmaier

Australien liegt bei Schülern und Studenten hoch im Kurs. Vor allem die Möglichkeit, vor Ort zu arbeiten und mit dem verdienten Geld gleich weiterzureisen lockt viele – manchmal zu viele.

Viele jungen Leute wollen nach den bestandenen Prüfungen nur eins: weg, am besten ziemlich weit. Australien und Neuseeland stehen deshalb besonders hoch im Kurs. Das Work-and-Travel-Visum, mit dem man ein Jahr lang im Land bleiben kann und sogar dort arbeiten darf, gilt vielen dabei als die ideale Lösung: Weil die Lebenshaltungskosten „Down Under“ recht hoch sind, wollen sie unterwegs arbeiten und so die Reisekasse schonen. Da das Ganze jedoch schon lange kein Geheimtipp mehr ist, wirkt sich das auch auf die Arbeit dort aus.

Ungefähr ein Drittel der Backpacker, die man in den üblichen Hostels trifft, sind Deutsche, schätzt Michael Kirmaier. Der Unterallgäuer ist im Februar nach Australien geflogen und hat selbst das Work-and-Travel-Visum im Gepäck. Mit dem kommen auch viele Franzosen und Engländer ins Land. Das hat zur Folge, dass es in den großen Städten wie Melbourne und Sydney mittlerweile schon sehr schwierig ist, an Jobs zu kommen. Manche suchen müssen sehr lange suchen, bis sie etwas finden, berichtet der gelernte Elektriker. Doch dass deswegen manche Reisenden früher heimkehren als geplant, hat er noch nicht gehört. „Es gibt sehr oft die Möglichkeit ,Work for Accomodation‘zu machen, also im Hostel zwei bis drei Stunden am Tag zur Hand zu gehen und dafür umsonst dort zu wohnen“, erzählt er.

Viele, die er getroffen hat, haben ihm von ihren Erfahrungen auf den Farmen erzählt. Wer Früchte pflückt, wird meist nach Stückzahl bezahlt, was vielen Arbeitern keinen großen Verdienst einbringt. Trotzdem sind Essen und Unterbringung dafür oftmals kostenlos. Wer auf dem Bau arbeiten will, braucht eine White Card, die erst nach einer bestandenen Prüfung über Arbeitssicherheit vom Staat ausgestellt wird. Aber dann verdiene man recht gut: auf jeden Fall über dem Mindestlohn von 18 Australischen Dollar (entspricht 11,50 Euro) pro Stunde. Er habe sogar schon Leute getroffen, die in einer Mine im Outback gearbeitet haben und dabei 2000 Dollar pro Woche verdienten. Gelernte Zimmermänner können sich die Arbeit übrigens aussuchen, sie werden überall händeringend gesucht. Michael Kirmaier selbst konnte für einer Firma aus dem Unterallgäu helfen, eine Maschine aufzustellen.

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Trotz mancher negativer Erfahrung ist die Stimmung unter den Backpackern gut, viele sind über Facebook und Mails untereinander vernetzt und tauschen sich über Stellen aus. Obwohl nicht alles nur Friede, Freude, Eierkuchen ist, wollen viele der Australienbesucher ihr Visum auf ein zweites Jahr verlängern. Dafür müssen die Touristen auf extra lizenzierten Farmen länger als 88 Tage arbeiten. „Und das wird manchmal von den Farmern ausgenutzt“, meint der 28-Jährige. Ihm wird das nicht passieren, da er bereits im September wieder nach Hause fliegt. Im Moment befindet sich der Markt Rettenbacher außerdem in Neuseeland, das im Vergleich zu Australien noch nicht so sehr von Touristen überrannt wird. Aber auch dort ist es schwierig einen guten Job zu ergattern, erzählt er.

„Prinzipiell ist es ratsam, sich vorher bereits genügend finanzielle Reserven zuzulegen“, rät der Unterallgäuer. Er selbst hat nach der Beendigung der Technikerschule im vergangenen Jahr noch fast sechs Monate gejobbt, bevor er sich in den Flieger gesetzt hat. Und obwohl man wahnsinnig viele Deutsche trifft, ist er doch fasziniert von Land und Leuten auf dem fünften Kontinent und will seine Erfahrungen dort auf gar keinen Fall missen.

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