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Buchloe/Türkheim

12.01.2021

Notärzte beklagen Notarzt-Notstand im Wertachtal

Als „unzumutbar“ bezeichnen mehrere am Standort Buchloe tätige Notärzte die Situation, dass das Buchloer Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) unter der Woche zwischen 7 und 8 Uhr sowie 16 und 19 Uhr nicht besetzt ist.

Plus An 1000 Stunden sei die rasche Notfallversorgung nicht abgedeckt. Das sei eine „nicht zu unterschätzende Gefahr“ für die Bevölkerung, sagen Notärzte.

Es ist Mittwoch, kurz nach 18 Uhr. Auf der Autobahn A 96 bei Buchloe kommt es zu einem Autounfall mit einem lebensbedrohlich Verletzten. Die Rettungssanitäter sind rasch vor Ort. Doch an der Unglücksstelle fehlt der Notarzt. Minuten um Minuten vergehen – wichtige Zeit, um Leben zu retten. Der alarmierte Notarzt muss nämlich aus Mindelheim, Landsberg, Kaufbeuren oder Schwabmünchen anfahren. Und das, obwohl eigentlich ein Notarzt in der drittgrößten Stadt des Ostallgäus stationiert ist.

Notarzt am Standort Buchloe sitzt vier Stunden lang bei einem abgemeldeten Notarzteinsatzfahrzeug

Denn das Buchloer Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) sei unter der Woche zwischen 7 und 8 Uhr sowie 16 und 19 Uhr nicht besetzt. Zumindest nicht mit einem Notarzt. Der NEF-Fahrer des Bayerischen Roten Kreuzes macht von 7 bis 19 Uhr seinen 12-stündigen Dienst, sitzt aber vier Stunden auf der Wache bei einem abgemeldeten NEF.

Über 1000 Stunden des Jahres oder umgerechnet mehr als 11,5 Prozent keinen lokalen Notarzt im nördlichen Landkreis zur Verfügung zur haben, bezeichnen mehrere am Standort Buchloe tätige Notärzte als „unzumutbar“ und eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Bevölkerung. Zehn von ihnen sind während ihrer Freizeit, in den Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende im nördlichen Ostallgäu unterwegs. Die Versorgungslücke könnte als „Organisationsverschulden“ bezeichnet werden. Seit 1. Oktober müsste das Buchloer Krankenhaus werktags einen Notarzt in der Zeit von 7 bis 19 Uhr stellen. Tatsächlich wird das NEF jedoch nur von 8 bis 16 Uhr besetzt. Zwischen den Ärzten und der Krankenhaus-Verwaltung ist ein Streit über den Freizeitausgleich entbrannt. Es fehle, dem Vernehmen nach, die Bereitschaft vieler Mediziner notärztliche Dienste zu übernehmen.

Auch die zuständige Landrätin räumt "personelle Probleme" im Buchloer Krankenhaus ein

Aufgrund der Schichtlänge gebe es Probleme mit dem Arbeitszeitgesetz, daher müssen andere Lösungen geschaffen werden. Die Mediziner fordern von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) bessere finanzielle Anreize. Deshalb wandten sich betroffene Notärzte Ende Dezember an die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker, um sie über die Missstände zu informieren.

Diese räumte personelle Probleme im Buchloer Krankenhaus ein. Aktuell arbeite man im Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren – zu dem auch die Klinik St. Josef gehört – an einem Modell, wie die Notarztdienste besser geregelt werden könnten. Auch Rettungshubschrauber aus München, Augsburg, Kempten oder Murnau kann nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und nur bei guten Sichtverhältnissen alarmiert werden.

Ist kein Notarzt vor Ort, wird das auf den Schultern des Rettungsdienstes ausgetragen. Den engagierten Notfall- und Rettungssanitätern fehlt die klare Rechtsgrundlage, alles zu tun, um den Menschen zügig helfen zu können. Eine rasche Lösung scheint nicht in Sicht.

Lesen Sie dazu auch: An Heiligabend stand kein Notarzt zur Verfügung

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