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Zeugnisse

31.07.2015

Notenkontrolle bei den Chefs

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Hoffentlich gibt es heute im Zeugnis für alle nur positive Überraschungen.
Bild: dpa

Auch Schulleiter waren mal Schüler. Wir wollten wissen, wie das bei ihnen damals so mit den Zeugnissen lief. Deshalb haben wir ein paar von ihnen gefragt

Von Manuela Frieß

„Ich kann mich irgendwie immer noch an gebratenes Hähnchen mit Kartoffelsalat erinnern“, für Rosa Ritter von der Maria Ward Realschule in Mindelheim ist die erste Erinnerng an den letzten Schultag, das besondere Essen, das ihre Mutter am letzten Schultag auf den Tisch brachte. Mit ihren vier Geschwistern habe sie so den Beginn der Sommerferien gefeiert. Es sei aber auch die Anerkennung der Eltern für die erbrachten Leistungen in der Schule gewesen, berichtet sie, ein hausinternes Zeugnisfest sozusagen. Im Bezug auf Noten kann sie sich außerdem auch noch daran erinnern, was passiert, wenn ein Zeugnis nicht mehr da ist. So geschehen bei der Anmeldung zu ihrem Staatsexamen. Dafür musste man früher sein Studienbuch mit seinen Scheinen ans Kultusministerium schicken. Was dort aber angeblich nicht ankam. Erst als sie persönlich hinfuhr und in der Posteingangsstelle des Ministeriums anfing zu suchen, tauchte dieses absolut wichtigste „Zeugnis“ ihrer Studienzeit wieder auf. „Damals ist mir wirklich ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, erinnert sie sich.

Ein bestimmtes Ritual oder besonderes Essen, das gab es bei Ute Wolfram von der Mittelschule Mindelheim nicht. Aber ich kann mich noch immer gut daran erinnern, dass der Anfang der Sommerferien immer viel wichtiger war. Sechs Wochen ohne Hausaufgaben, das war wirklich traumhaft. Auch wenn sie immer gerne in die Schule gegangen sei, und ja auch immer noch gerne in die Schule gehe, scherzt die Schulleiterin. Die Schulleiterin hatte nie Angst vor einem schlechten Zeugnis, in ihrer Schule hatte man auch schon immer vorher einen Überblick über seine Noten bekommen, und auch wenn die Noten manchmal eben nicht so sind wie erwartet, sie wünscht sich einen unbeschwerten Umgang damit.

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Josef Reif, Schulleiter des Joseph-Bernhart-Gymnasiums in Türkheim, bemängelt ein wenig, dass es keine wirklichen Überraschungen mehr im Zeugnis gibt. „Natürlich wäre es bei Schülern, die die Jahrgangsstufe wiederholen müssten schlecht, sie nicht vorher zu informieren, aber auch bei den guten Noten sollte es manchmal doch ein wenig Spannung geben.“ Ihm selbst war die Mathematiknote im Abiturzeugnis ganz besonders wichtig. Gerade eben weil sie so überraschend gut war und er eigentlich nie ein wirklicher Mathematiker war. „Diese Leistung hat mich stolz gemacht, weil ich nie und nimmer damit gerechnet habe,“ erzählt er.

„Bei mir ist das ziemlich langweilig“, sagt Anita Huber-Gutkas, „ich hatte eigentlich immer gute Noten, das war einfach so und das wurde auch erwartet.“ Die Erwartungen die in sie gesetzt wurden, habe sie eigentlich immer erfüllt, so die Leiterin der Christoph-Scheiner-Grundschule in Markt Wald.

„Die Erwartungen zu erfüllen fiel mir in der Grundschule noch sehr leicht“, erinnert sich Renate Förner, „diese Zeugnisse habe ich gerne auch meinen Kindern gezeigt und vorgelesen.“ Weniger stolz sei sie dann im Gymnasium auf die Zeugnisse der achten und neunten Klasse gewesen. „Daran muss ich oft denken, wenn ich mir die Schüler und Schülerinnen in diesen Jahrgängen so anschaue. Wie schwer es für mich selber war, mich zu motivieren, am Ball zu bleiben und mehr zu tun, als nur durch die Jahrgangsstufe zu kommen“, gibt die Schulleiterin der Grund- und Mittelschule Pfaffenhausen preis. Erst ab der zehnten Klasse und später beim Abschluss, war es dann wieder deutlich einfacher für sie. Da habe sie auch den Zeugnissen richtig entgegengefiebert, denn sie bekam für jede Zwei, 50 Pfennige, und für jede Eins eine Mark. Und das nicht nur von den Eltern, sondern auch von der Oma.

Wenn diese Regelung auch für Erwachsene gelten würde, dann müsste Reinhard Vetter auch eine Belohnung bekommen, aber eigentlich ist die Beurteilung die er vor zwei Wochen bekommen hat, Anerkennung genug. Denn erstmalig sind im Jahr 2014 Schulleiter von Berufsschulen beurteilt worden und diese Ergebnisse wurden vor zwei Wochen bekannt gegeben. „Mit diesem Zeugnis kann ich sehr gut leben“, sagt der Schulleiter der Mindelheimer Berufsschule erfreut. Noten und Zeugnisse, da erinnert er sich noch gut an eine Prüfung im Studium: „Bei der Klausur für technische Mechanik gab es immer eine Durchfallquote von 80 bis 90 Prozent, da war ich beim ersten Mal auch darunter.“ Aber dann kam ihm zu Ohren, dass es in der anderen Studienrichtung Bautechnik auch eine Klausur für den Schein Technische Mechanik gab und dort läge die Durchfallquote nur bei zehn Prozent. „Deshalb habe ich die Prüfung dann dort mitgeschrieben und auch bestanden.“ Insgesamt müsse man sagen, dass eine schlechte Note eben nie ein Beinbruch sei. „Man kann so gut wie alles im Leben wiederholen oder noch nachholen. Auch ich habe mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht, so wie mittlerweile 52 Prozent aller Abiturienten.“ Das sei vor allem für die Schüler und Schülerinnen sinnvoll, die während ihrer Schulzeit noch nicht wissen, was sie wollen und sich deshalb nicht motivieren können. „Aber wenn man ein Ziel hat, dann geht auch was vorwärts“, motiviert der Schulleiter.

Das sollten sich alle zu Herzen nehmen, die heute mit ihrem Zeugnis nicht zufrieden sind. Und liebe Eltern, bitte auch hin und wieder an die eigenen Noten erinnern.

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