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Justiz

27.05.2019

Notorischer Schläger muss doch ins Gefängnis

Symbolbild
Bild: Kaya

Plus Immer wieder ging der 25-Jährige aus nichtigem Anlass mit brutalen Kopfstößen auf seine Opfer los. Jetzt hoffte er vergeblich auf ein milderes Urteil.

Opfer eines Kopfstoßes wurde vor zwei Jahren ein junger Mann in einem Lokal im östlichen Landkreis. Der Täter schlug unvermittelt zu, weil das Opfer seiner Meinung nach zu lange brauchte, seine Hosenfalle auf der Toilette zuziehen. Und 14 Tage später rastete er wieder aus und verpasste einem Autofahrer drei Kopfstöße mit einem Motorradhelm.

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Kaum war der 25-Jährige aus dem Gefängnis raus, da schlug er auch schon wieder zu

Dafür hatte er vom Amtsgericht Memmingen unter Einbeziehung einer anderen Strafe zwei Jahre ohne Bewährung bekommen. Er ging in der Hoffnung auf ein milderes Urteil in Berufung, fand dort aber keine Gnade. Die 4. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Klaus Mörrath schickte den 25-Jährigen nun sogar zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter, nicht zuletzt wegen seines Vorstrafenregisters. Die Attacken ereigneten sich nämlich nur kurze Zeit nach Entlassung aus der Haft.

Der Geschädigte schilderte das verhängnisvolle Zusammentreffen auf der Toilette einer Gaststätte. Er sei am Pissoir gestanden, der Täter hinter ihm. Der Angeklagte habe ihm gesagt, „er solle mal hinmachen“. Als er die Hosenfalle zuzog und sich umdrehte, habe er unvermittelt einen Kopfstoß erhalten. Die Folge: Eine gebrochene Nase und eine Woche Arbeitsausfall. Der Täter habe ihn noch angesprochen und gemeint, die Nase sei nicht gebrochen, er kenne sich aus. Er hatte wohl Angst, dass die Polizei kommt. Die hatten mittlerweile Freunde des Opfers gerufen. Nun, das Krankenhaus kam zu einem anderen Ergebnis. Die Nase musste von einem Spezialisten operiert werden. Dem Opfer wurden 1700 Euro Schmerzensgeld zuerkannt. Zu dem Vorfalle meinte der Angeklagte: „Ich kann mich nicht erinnern. Ich hatte nicht die Absicht, dich zu verletzten.“

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Nur wenige Wochen später hatte ein Autofahrer aus Kaufbeuren ein ähnliches unwirkliches Erlebnis. Er fuhr von Türkheim nach Amberg. Plötzlich nahm ihm ein Motorradfahrer, das aus einem Acker kam, die Vorfahrt und schnitt ihn seiner Meinung nach auch noch. Er verfolgte das Motorrad und brachte den Fahrer zum Halten. „Ich wollte eigentlich nur mit dem Fahrer reden“, sagte der Geschädigte vor Gericht.

Als er dem Motorradfahrer sein Fahrverhalten vorwerfen wollte, kam der Angeklagte, der als Beifahrer auf dem Motorrad saß, von hinten und schrie ihn an, „er solle sich verpissen“. Und dann gab es wieder einen Kopfstoß, dieses Mal gleich samt Helm und das insgesamt drei Mal. Die Folgen: Eine geschwollene Lippe und Schleimhäute, die Zähne blieben heil. Dann entfernten sich die Motorradfahrer. Der Autofahrer hatte sich das Kennzeichen gemerkt und fuhr dann gleich zur Polizei.

Bei einem Ball hatte der Schläger gleich vier Mann mit Kopfstößen aufgemischt

Für diese beiden Körperverletzungen hatte der Angeklagte vom Amtsgericht Memmingen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren bekommen. Rechtsanwalt Sebastian Gathe begründete die Berufung damit, dass man sich eine Strafe auf Bewährung erhoffe. Der Grund: Der Angeklagte habe seine Lebensumstände geändert, gehe seit zwei Jahren einer geregelten Arbeit nach und habe nun eine bessere Sozialprognose.

Diese Strategie wäre vielleicht aufgegangen, wenn sich nicht das Vorlesen der Vorstrafen über eine halbe Stunde hingezogen hätte. Richter Mörrath ging dabei besonders auf einen Vorfall im Jahre 2016 ein, als der Angeklagte nach einem Ball gleich vier Mann mit seinen Kopfstößen aufmischte und auch noch auf einen am Boden liegenden Mann mit den Füßen trat. Und als besonders beschämend empfand der Richter, dass der Angeklagte seine eigene Großmutter bestohlen hatte und den geklauten Schmuck verkaufte.

Die Entgleisungen können vielleicht durch den Werdegang des Angeklagten erklärt werden, so ein Gutachter. Als sich die Eltern trennten, begann eine Zeit der Umzüge und Schulwechsel. Mit zwölf Jahren habe er, so der Gutachter, angefangen Alkohol zu trinken, später kamen Drogen hinzu. Dann habe er „keinen Bock auf nichts mehr gehabt.“

Das Abgleiten in die Kriminalität wird am Strafregister des 25-Jährigen deutlich: 2009 begann es mit einer Sachbeschädigung und dem Missbrauch eines Notrufes. Es folgten Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und dann diverse Körperverletzungen, wobei sich nicht nur das gericht wunderte, dass keine ernsthafteren Verletzungen zu beklagen waren.

Die Straftaten wurden zum Teil während der Bewährungszeit begangen und so wurde der Mann zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt. Strafen bis zu zwei Jahren Haft können noch zur Bewährung ausgesetzt werden, ab zwei Jahren jedoch nicht mehr. Dennoch konstatierte der Gutachter keine psychischen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen und somit auch keine Beeinträchtigung der Einsichtsfähigkeit.

Der Anwalt des 25-Jährigen wollte eine niedrigere Strafe erreichen

Dennoch versuchte der Rechtsanwalt, seinen Mandanten in ein besseres Licht zu rücken. Er sei seit fast zwei Jahren nicht mehr auffällig geworden, habe einen festen Arbeitsplatz und eine Freundin. Weitere besuche er regelmäßig seine Therapien. Der Rechtsanwalt ging von einer positiven Sozialprognose aus und forderte eine Gesamtstrafe von einem Jahr und einem Monat, die zur Bewährung ausgestellt werden könnte.

Anders sah dies der Staatsanwalt, der zwei Jahre und sechs Monate ohne Bewährung forderte. Bei den zur Verhandlung stehenden Taten sei der Angeklagte nicht völlig betrunken gewesen. Ein Blick in das Vorstrafenregister zeige eine hohe kriminelle Energie.

Richter und Schöffen zogen sich zurück und Mörrath verkündete folgendes Urteil. Die Berufung wurde abgewiesen und der Angeklagte zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Und in der Begründung redete der Richter dem Angeklagten ins Gewissen: „Sie wissen anscheinend nicht, dass man auf einen am Boden liegenden nicht mehr eintritt.“

Verschärfend sei auch die zeitliche Abfolge der Taten. Der Richter meinte am Ende, dass eine Bewährung zur Verteidigung der Rechtsordnung nicht in Frage komme, denn eine Bewährungsstrafe könnte den Bürgern nicht vermittelt werden.

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