1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. „Notwendig und vertretbar“

Gemeinderat

16.05.2018

„Notwendig und vertretbar“

Die Gebühren für Kindergarten und -hort in Türkheim sollen im Durchschnitt um zehn bis 15 Prozent erhöht werden. Darüber entscheidet der Gemeinderat in der Sitzung am morgigen Donnerstag.

Erhöhung der Kindergartengebühren steht an. Worauf sich Eltern einstellen müssen

Die Marktgemeinde Türkheim wird die Kindergartengebühren erhöhen. Daran besteht im Vorfeld der Sitzung am Donnerstag, 17. Mai, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses kein Zweifel mehr. Beim Blick auf die gestiegenen Kosten bleibt der Gemeinde da wohl auch keine andere Wahl: mehr Kinder, längere Buchungszeiten vor allem bei Krippenplätzen und integrative Gruppen mit deutlich höheren Personalbedarf bedeuten für die Gemeindekasse erhebliche Kostensteigerungen durch Neueinstellungen und Stundenmehrungen.

Stimmen die Gemeinderäte dem Vorschlag der Rathausverwaltung am Donnerstag zum, dann müssen sich die Eltern auf Mehrkosten von durchschnittlich zehn bis 15 Prozent einstellen, so Bürgermeister Christian Kähler gestern auf Nachfrage: „Eine Anpassung ist aufgrund der gestiegenen Kosten unvermeidbar“, bedauert Kähler.

Die Marktgemeinde leiste viel zum Wohle der Kinder in den Kindertagesstätten und im Hort. Und auch mit den erhöhten Gebühren liege Türkheim im Vergleich der Einrichtungen im Landkreis im Durchschnitt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Schon jetzt lässt sich die Gemeinde das Wohl ihrer jüngsten Bürger eine Menge kosten: betrug der Zuschuss der Gemeinde pro Kind im Jahr 2007 noch rund 2200 Euro, so schnellte der finanzielle Aufwand auf inzwischen gut 4000 Euro in die Höhe. Und weil Türkheim bei den Elternbeiträgen mit acht Prozent bislang weit unter Empfehlungen der Kommunalverbände von rund 20 Prozent lag, bekam das Rathaus auch regelmäßig einen sanften „Rüffel“ von der Rechtsaufsicht mit dem Hinweis auf die Verpflichtung zur Erhebung von kostendeckenden Gebühren. Weil Kindergärten zu den wichtigsten Pflichtaufgaben der Kommunen zählen, wird ein Teil davon eben auch als Pflichtzuschuss gerechnet. Darüber hinaus können die Kommunen auch einen freiwilligen Zuschuss leisten. Und weil dieser freiwillige Anteil in Türkheim zuletzt immer höher wurde, müssen jetzt laut Hiemer die Eltern mehr als bisher ins Boot geholt werden.

Diesem Handlungsbedarf will die Verwaltung jetzt also Rechnung tragen und an der Gebührenschraube drehen, ohne die Haushaltskasse der Eltern zu sehr zu belasten: „Die Gebührenerhöhung ist aus Sicht der Finanzverwaltung notwendig und vertretbar“, so Gemeindekämmerer Claus-Dieter Hiemer.

Schließlich biete die Gemeinde den Eltern für ihr Geld ja auch ein gutes Betreuungsangebot und zudem stehen in Türkheim mit dem Neubau/Erweiterung von zwei Kindergärtenhohe Investitionskosten und die entsprechend hohen Folgekosten an.

Um ein größtmöglichen Konsens bei den Betroffenen zu erreichen, hatte die Gemeinde in den vergangenen Monaten schon Besprechungen im Vorfeld zwischen Kindergartenleitung, Kindergartenreferenten, Finanzreferenten und den Elternbeiratsvorsitzenden, betont Bürgermeister Christian Kähler. In diesen Gesprächen habe sich „Verständnis für die Gebührenerhöhung“ feststellen lassen.

Denn auch nach einer Erhöhung umdurchschnittlich zehn bis 15 Prozent muss die Gemeinde für die Kleinsten noch tief in die Kasse greifen: Je nach Berechnungsmodell werden Mehreinnahmen von 25 000 bis 50  000 Euro kalkuliert Das nennt Kämmerer Hiemer einen „Tropfen auf den heißen Stein“, denn damit liegen die Einnahmen bei den Kindergärten noch immer „weit entfernt von einer Kostendeckung“. Und nachdem Eltern seit 2012 durch die Kostenübernahme für das letzte Kindergartenjahr durch Freistaat Bayern entlastet werden, habe der Elternbeitrag bislang weniger als einen Euro pro Betreuungsstunde betragen, auch bei Krippenkindern.

Dies wird auch mit Blick auf die tatsächlichen Fehlbeträge deutlich, die aus der Gemeindekasse drauf gelegt werden müssen: im Jahr 2011 schlugen die Kindergärten noch mit „nur“ 650 000 Euro zu Buche, fünf Jahre später waren es trotz einer Gebührenerhöhung im Jahr 2014 immerhin schon 1,04 Millionen Euro und im Jahr 2017 war der Fehlbetrag auf 1,15 Millionen Euro angeschwollen. Und damit ist es noch lange nicht getan, wie Hiemer in der Sitzungsvorlage deutlich macht: Für das laufende Jahr hat er im Gemeindehaushalt einen Fehlbetrag von 1,35 Millionen Euro eingeplant.

Termin Die Sitzung des Marktrates Türkheim beginnt am Donnerstag, 17. Mai, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Unter anderem steht auch ein Zuschussantrag de Modellsportgruppe Flossachtal auf der Tagesordnung.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
MondlichtOpenAir_Menschenmenge.jpg

Mondlicht Open Air: Besucher helfen gerne mit

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket