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Unterallgäu

03.10.2019

Oktober: Ein Monat der ländlichen Bräuche

Wenn die Herbstsonne es will, macht der „Goldene Oktober“ seinem Namen bald schon wieder alle Ehre.

Der zehnte Monat im Jahr ist geprägt vom Ende der Ernte. Doch es gibt auch noch weitere Feiertage im Oktober - und natürlich das Oktoberfest.

Mit dem Monat Oktober zieht der Herbst mit voller Kraft ins Land. Die Blätter der Bäume werden bunt und die Herbstsonne kann diese Wochen zum „Goldenen Oktober“ machen. Der Oktober ist besonders auf dem Land geprägt von Festen und Bräuchen, die ihren Ursprung vor allem im Ende der Erntezeit haben. Nichts damit zu tun hat allerdings der Feiertag zur Deutschen Einheit, den wir seit 1990 Jahren in Erinnerung an die Wiedervereinigung am 3. Oktober begehen. Traditionsreich ist dagegen das „Erntedankfest“, das am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. „Erntedank“ ist als kirchliches Fest quasi ein „Vergelt’s Gott“ für all die Früchte der Natur. Dazu werden in den Kirchen prächtige Erntedank-Altäre mit Blumen und Früchten des Herbstes gestaltet. Auch kunstvolle Erntekronen und Erntekränze werden vielerorts gebunden.

Zwei Wochen später folgt das Kirchweihfest als Erinnerung an die Weihe der örtlichen Kirche. Während bis ins 19. Jahrhundert hinein jede Ortskirche den Tag ihrer Weihe selbst als Festtag beging, wurde das Kirchweihfest dann geschlossen auf den dritten Sonntag im Oktober gelegt. Damit sollte dem laut Obrigkeit „maßlosen Schmausen und Zechen“ quer durch das Jahr ein Ende gesetzt werden. Kirchweih hatte also stets eher einen weltlichen als kirchlichen Charakter. Es wurde zum Hauptfest des Landvolkes, bei dem nach getaner Erntearbeit fröhlich gegessen, getrunken und getanzt wird. So gibt es auch heute noch Kirchweihbräuche, wie den Kirchweihtanz, die Kirchweihgans und den Kirchweih-Datschi als Spezialitäten, die Kirchweihfeuer und die Kirchweihfahnen an den Kirchtürmen.

Im Oktober werden die Kartoffeln geerntet, Mais und Kürbisse sind reif

Welche Ernte- und Saisonarbeiten früher allgemein die Oktober-Wochen prägten, wurde in einem alten Bauernkalender vor 80 Jahren so beschrieben: „Die abgeräumten Felder werden in diesem Monat gedüngt und gepflügt. Mais und Kürbisse sind reif. Die Rüben können heimgefahren, die Kohlgewächse im Garten abgeschnitten werden. Die Hausfrau beginnt mit dem Einmachen des Sauerkrautes. Jetzt ist volle Kartoffelernte. Der Ertrag der Kartoffelfelder ist bei uns eine Lebensfrage, denn die Kartoffel gehört neben dem Brot zu den wichtigsten und billigsten Ernährungsmitteln für reich und arm. Die Wiesen werden entweder zur Weide freigegeben oder wieder bewässert bis zum Eintritt des Frostes…“

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Im Vergleich zu damals hat sich in der Landwirtschaft sehr viel geändert. Das gilt ebenfalls für das berühmte Münchener Oktoberfest, das ursprünglich ein reines bayerisches Landwirtschaftsfest war. Wie es dort beispielsweise vor etwa 100 Jahren zuging, ist im Buch „Bayerisch’ Land und Volk“ nachzulesen. Da heißt es: „Tausende und Abertausende von Menschen strömen aus allen Gegenden Bayerns zu diesem Feste in München zusammen. Landleute von weit her, welche sonst die Unkosten für jede größere Reise ängstlich scheuen, - Altbayern, Schwaben, Franken und Pfälzer finden sich in dieser Woche in ihren kleidsamen, eigenartigen Trachten zu einem Stelldichein in München ein.

Das Oktoberfest in München war einst ein reines Landwirtschaftsfest

Auf dem Festplatze ist in den letzten Tagen vor dem Feste rasch eine förmliche Budenstadt mit Schaustellungen mannigfachster Art entstanden. Kasperl-, Hunde- und Katzentheater, Menagerien, Zirkusse, Tierkarawanen, Buden mit Naturseltenheiten, Panoramen der schönsten Gegenden der Welt, Museen, Wachsfigurenkabinette, fliegende Photographenateliers, Karussells und Riesenschaukeln, Berg-, Tal- und Grottenbahnen, Schießstätten und Wirtschaftsbuden usw. wechseln in langen Reihen miteinander ab und bilden wahrhafte Straßenzüge, in denen es von Stadt- und Landbevölkerung förmlich hin- und her wogt. Wer einmal in den Hauptstrudel geraten ist, wird wider seinen Willen geradezu mit geschoben….“. Als besondere Glanzpunkte des großen Landwirtschaftsfestes wurden damals die Preisverteilungen für das schönste Vieh, für die besten landwirtschaftlichen Erzeugnisse und für dir treuesten Dienstboten bezeichnet. Unter den Preisträgern fanden sich dabei regelmäßig auch Allgäuer Bauern. Im Mittelpunkt standen ferner Pferderennen und ein großes Festschießen. Mittlerweile ist das Oktoberfest in München zum größten Volksfest der Welt geworden.

Der Herbstmonat Oktober beschert uns neben dem Feiern und Festen noch am 27. das Ende der Sommerzeit, den Weltspartag am 30. und am letzten Oktobertag schließlich den kirchlichen Reformationstag, der insbesondere von den evangelischen Christen begangen wird.

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