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Kliniken

16.06.2019

Operation Fusion: Was kommt auf die Beschäftigten zu?

Die „Operation Fusion“ ist ein großer Eingriff in die Organisation der Kreiskliniken.
Bild: Wiedemann

Es werde niemand schlechter gestellt. Die Klinikküche Mindelheim steht aber zur Debatte. Mit dem Zusammenschluss habe das nichts zu tun, betont der Landrat.

Die 850 Mitarbeiter der Kreiskliniken in Ottobeuren und Mindelheim „werden bei den Fusionsgesprächen mit dem Oberallgäu und Kempten keine Sekunde lang vergessen“. Das versichert Landrat Hans-Joachim Weirather gegenüber der MZ. Betriebsbedingte Kündigungen schloss er aus. Jeder Mitarbeiter werde gebraucht. Der Kreischef betonte, die Arbeitsverträge würden mit allen erworbenen Anrechten übernommen. Auch die Zusatzversorgung werde unvermindert weiter gezahlt.

Im Nachgang zu einer Personalversammlung am 23. Mai war unter Beschäftigten die Sorge laut geworden, die Fusion könne teilweise auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Kliniken im Oberallgäu und in Kempten einige Arbeitsbereiche längst ausgelagert haben. Eine solche Blaupause für Mindelheim und Ottobeuren fürchten beispielsweise die Mitarbeiter im Labor und in der Physiotherapie. 10,5 Vollzeitstellen in beiden Häusern gibt es im Labor, 17 in der Physiotherapie. Die Zahl der Beschäftigen in diesen Abteilungen ist aber etwas höher, weil einige in Teilzeit arbeiten.

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Klinikmitarbeiter im Unterallgäu sind in Sorge

Niemand beabsichtige, im Zuge der geplanten Fusion zu einem Klinikverbund Allgäu Sparten der Kreiskliniken auszulagern. Der Landrat betonte, es gebe keinerlei Pläne im Zuge der Fusion, die „Automatismen auslösen, dass Teilbereiche ausgelagert werden“. Allerdings gibt es laut Vorstand Franz Huber schon heute keine Garantie, dass nicht Bereiche ausgelagert werden. Das könne das Unternehmen mit einem Beschluss des 17-köpfigen Verwaltungsrates jederzeit machen. Jetzt zu garantieren, dass zumindest in den nächsten Jahren keine Auslagerungen erfolgen, lehnten Weirather und Huber ab. Man könne dem künftigen Unternehmen „nicht dauerhaft Handschellen anlegen“, formuliert der Landrat. Die Möglichkeiten, unternehmerische Entscheidungen zu treffen, müssten bestehen bleiben.

„Wir machen uns permanent Gedanken, wie wir das Kommunalunternehmen angesichts der wirtschaftlichen Zwänge ausrichten“, sagt Huber. Es sei richtig, dass sich Kempten und das Oberallgäu in der Vergangenheit anders entwickelt hätten. Dort wurden tatsächlich mehr Bereiche in separaten Firmen ausgelagert.

Wenn die Kliniken in Mindelheim und Ottobeuren einfach so weiter machen würden wie bisher, vermag der Landrat nicht für eine gute Zukunft zu garantieren. Weirather verwies auf ein Interview in der Augsburger Allgemeinen mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. 2000 Krankenhäuser gebe es derzeit in Deutschland, aber nur 500 würden gebraucht.

Eine Fusion stärke die Rechte der Arbeitnehmer, findet der Klinik-Vorstand

Die Fusion stärkt nach Ansicht von Vorstand Huber sogar die Arbeitnehmerrechte. Das bayerische Personalvertretungsrecht werde bei einer gGmbH vom Betriebsverfassungsgesetz abgelöst, das dann greife. „Das ist das deutlich schärfere Schwert“, sagt Huber. Versetzungen etwa nach Kempten gegen seien Willen müssen niemand fürchten.

In die Kritik geraten ist auch der Personalrat mit seinem Vorsitzenden Klaus Plate. Zur Personalversammlung hätte auch die Gewerkschaft verdi eingeladen werden können. Der Personalrat hat das nicht gewünscht.

Veränderungen stehen wohl bei der Küche in Mindelheim ins Haus. Vorstand Huber habe die 20 Beschäftigten bereits zu Jahresanfang informiert. Womöglich werde die Krankenhausküche in Mindelheim nicht mehr selbst betrieben werden. Das habe aber nichts mit den laufenden Fusionsgesprächen zu tun. Wegen der Investition in einen neuen OP-Bereich vom Jahr 2022 an müsse der derzeitige Standort der Krankenhausküche aufgegeben werden. Eine neue Klinikküche kostet laut Weirather zwischen sechs und acht Millionen Euro. Das Problem dabei: Der Freistaat Bayern hat Klinikküchen schon vor Jahren aus seinem Förderprogramm gestrichen. „Wenn wir bauen, zahlen wir zu 100 Prozent selbst“.

Deshalb lotet der Landkreis mit den Klinikverantwortlichen alternative Lösungen aus. Denkbar wäre der Bezug durch eine private Küche oder die Küche des Seniorenheims Türkheim. Die Klinikküche in Ottobeuren mit 16 Mitarbeitern ist nicht betroffen. Schon seit Jahren betreibt die UKS Klinik-Service GmbH die Küche als 100-prozentige Tochter der Kreiskliniken. Acht Mitarbeiter profitieren noch von Altverträgen, zwölf sind bei UKS angestellt, das keine Zusatzversorgung zahlt und etwas weniger Gehalt. Seit November 2018 sind die Räumlichkeiten der Küche an die UKS verpachtet, die die Küche betreibt.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von Johann Stoll:

Sorgen des Klinik-Personals nicht unbegründet

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