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Medizin

01.12.2018

Organfreigabe versus Datenschutz

Gesundheitsminister Spahn will mehr Transplantationen. Warum Kirche und Ethiker damit ein Problem haben

Die Debatte flammt immer wieder auf, birgt aber auch ethischen Sprengstoff: Darf der Gesetzgeber die Organspende zu einer rechtlichen und moralischen Pflicht machen? Oder muss sie freiwillig bleiben – auch um den Preis, dass viele Patienten, die auf der Warteliste stehen, wegen Organmangels sterben. Die Zahl der Organspender war im vergangenen Jahr mit rund 800 auf einen Tiefststand gefallen.

Nach Bundesärztekammer, medizinischen Fachgesellschaften und Gesundheitspolitikern von Union und SPD hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ( CDU) einen Stein ins Wasser geworfen: Künftig solle jeder Deutsche automatisch ein Spender sein, solange er oder die Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen, sagte der Minister. Nur durch eine solche „Widerspruchslösung“ könne die Organspende zum Normalfall werden.

Spahn räumte ein, eine Widerspruchslösung sei ein Eingriff des Staates „in die Freiheit des Einzelnen“. Doch seien alle bisherigen Versuche, die stark zurückgehende Zahl der Organspender wieder zu erhöhen, erfolglos geblieben. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sogar von einer „Schande“, dass zurzeit so viele Menschen „unnötig leiden, weil keine Organe für sie vorhanden sind“. Fast jeder Mensch sei im Krankheitsfall auch ein potenzieller Empfänger von Organen, sagte er der Rheinischen Post. Da sei es richtig, dass auch jeder ein möglicher Spender sei.

Schon 1997, als der Bundestag die Organspende regelte, gab es eine heftige Debatte. Die Abgeordneten entschieden sich damals für eine erweiterte Zustimmungsregelung, nach der nur dann Organe entnommen werden dürfen, wenn der potenzielle Spender zu Lebzeiten oder seine Angehörigen in seinem Sinne ausdrücklich zustimmen.

Die katholischen Bischöfe, die Stiftung Patientenschutz und der Erlanger Sozialethiker Peter Dabrock verteidigen diese Regelung: Eine Organspende sei eine besondere Form der Nächstenliebe über den Tod hinaus, sagte der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, im September. Die bestehende Regelung gewährleiste eine informierte Entscheidung und respektiere das Selbstbestimmungsrecht. (kna)

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