Braustadel

02.04.2015

Pfundige Mädels

„Wenn man doof ist, ist das für einen selbst nicht so schlimm.“Primatonnen

Schon wieder ausverkauftes Haus und eine fantastische Stimmung. In das Schlusslied stimmte selbst das Publikum mit ein

Es sind pfundige Mädels, ohne Zweifel! Davon wäre selbst Rubens beeindruckt gewesen: Bettina von Haken, die „umfangreichere“ Hälfte der Primatonnen und Edeltraut Rey, mit Eigenkompositionen und Gitarre primär verantwortlich für den musikalischen Part. Am Samstag gastierte das gewichtige Duo im Braustadel und traf auf Anhieb den Geschmack des Publikums im ausverkauften Haus.

Die „aus dem Baltikum herübergeschwappte“ adelige Bettina bekennt sich zu jedem ihrer Pfunde, auch weil man beim Umrunden ihrer Körperfülle nicht anecken könne wie bei Magersüchtigen, und sie erklärt veganen Würstln und Sojaleberkäs eine Absage. „(T)Adel verpflichtet“ – man beachte die Klammern – heißt das aktuelle Programm der beiden, und die Erklärung liefern sie mit umwerfender Logik gleich mit: „Wenn der Adel tadelt und Tadel adelt, ist das Publikum „verpflichtet“ zu erscheinen....“

Schonungslos gegenüber sich selbst, ist auch nichts sonst vor dem scharfzüngigen bis schwarzen Humor der beiden sicher. Sie nehmen das Pflegepersonal im Krankenhaus, das von lästigen Patienten nicht gestört werden möchte, ebenso aufs Korn, wie Madonna und ihre Toyboys. Oder die Bachelors im Fernsehen und die sie wie Idole anhimmelnden jungen Damen der Gegenwart. Die Erkenntnis der Primatonnen: „Wenn man doof ist, ist das für einen selbst nicht so schlimm“.

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Überhaupt finden sie, „ist das Leben unfassbar ein Desaster“. In ihrer Jugendzeit hätte man sich „’nen Cowboy als Mann“ gewünscht, heute dränge es selbstverliebte It-Girls auf jeden roten Teppich in Reichweite. Aber auch missionarische Weltverbesserer und Gutmenschen lässt Bettina von Haken bei ihren wortwitzigen Rundumschlägen nicht aus. So habe sie zwar ein gutes Gefühl, wenn sie Fairtrade Kaffee trinke, nur schmecke er leider nicht.

Natürlich lassen die beiden auch die Männer, die heute mehr Zeit im Bad verbrächten als Frauen, nicht aus in ihren spöttischen Eskapaden. Am Ende wittern die „Kabarettweiber“ nach einem Lied von Edeltraut Rey gar die Evolution mit vorangestelltem „R“ im künftigen Verhältnis der Geschlechter. Für den Nachwuchs müssten dann vielleicht die Männer alleine sorgen, während sie zu Tausenden im Fußballstadion auf ihren Eiern säßen. Dem Irrwitz folgten unvermeidliche Zugaben, wie das von Edeltraut Rey gedichtete „Mir ist alles oans, ob i Geld hab oder koans“, bei dem das Publikum mitsang und klatschte. (stn)

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