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Kommunalpolitik

14.11.2018

Platzprobleme an der Grundschule

Rektorin Hildegard Ohlmann von der Grundschule Türkheim im Musiksaal, wo jetzt auch die Musikschule mit ihren Instrumenten untergebracht ist. Wegen steigender Schülerzahlen ab nächstem Schuljahr könnte es sein, dass dieser für Musikunterricht ideale Raum in ein Klassenzimmer umgewandelt werden muss.„Wir fahren schon jetzt im Not-Modus“
Bild: Sabine Schaa-Schilbach

Weil die Gemeinde für junge Familien immer attraktiver geworden ist, steigen auch die Schülerzahlen rasant. Das könnte auch den Gemeinderat in eine Zwangslage bringen

In Türkheim fehlen akut Kindergartenplätze und eine lange Liste junger Familien wartet sehnsüchtig darauf, dass ihnen möglichst schnell zusätzliche Bauplätze zur Verfügung stehen, damit sie endlich ihren Traum vom Traumhaus in der Wertachgemeinde verwirklichen können.

Türkheim boomt – und der Gemeinderat hat die Weichen ja auch schon gestellt, erweitert die bestehenden Kindergärten und weist neue Baugebiete aus. Doch das alles reicht noch nicht – in der jüngsten Sitzung kam ein zusätzliches Problem auf die Gemeinderäte zu.

Denn dass der Zuzug gerade junger Familien auch in der örtlichen Grundschule spürbar sein wird, liegt auf der Hand und deshalb hat Grundschulleiterin Hildegard Ohlmann bei der jüngsten Gemeinderatssitzung auch gar keinen Zweifel aufkommen lassen: Die Grundschule Türkheim platzt schon jetzt aus allen Nähten: „Wir fahren jetzt schon im Not-Modus“.

Nur dank geschickter Organisation sei es überhaupt möglich, die derzeit benötigten zwölf Klassenzimmer bereitstellen zu können. Sechs Klassenzimmer im Altbau, sechs im Mittel- und Neubau stehen aktuell zu Verfügung – das reicht gerade so, um den Unterricht der gut 260 sechs- bis zehnjährigen Mädchen und Buben gewährleisten zu können.

Schon jetzt sind alle Möglichkeiten für zusätzliche Räume in der Grundschule Türkheim ausgereizt, es fehlt zudem ein Aufenthaltsraum für die Pausenbetreuung und die Mittagsbetreuung musste in die Kellerräume ausgelagert werden. Wenn es jetzt so weiter geht mit den steigenden Schülerzahlen, dann müsse die Schule wohl oder übel den Fachraum für Musik aufgeben und zu einem weiteren Klassenzimmer umfunktionieren. Dadurch würde aber auch die Musikschule heimatlos, die dort vom Nachmittag bis zum Abend Unterricht durchführt.

Und dabei wird es in den kommenden Jahren nicht bleiben, weiß die Schulleiterin schon heute. Die Schülerzahlen werden weiter steigen: Im nächsten Schuljahr werden mindestens 13 Klassen gebildet werden müssen, vielleicht sogar noch eine 14. In diesem Punkt gibt es keinerlei Spielraum für die Schule, wie Ohlmann betonte: Das Schulamt schreibe zwingend eine maximale Klassengröße von 28 Kindern vor. Ist es nur ein Kind mehr, muss die Klasse geteilt werden – was dann ein weiteres Klassenzimmer notwendig machen wird, so Ohlmann.

Da helfe auch der Blick in die Vergangenheit nichts, als es das Schulgesetz noch ermöglichte, 33 Kinder oder mehr in eine Klasse zu quetschen. Damals, erinnerten sich einige Gemeinderäte und Bürgermeister Christian Kähler, konnten weit über 300 Schülerinnen und Schüler an der Grundschule unterrichtet werden.

Das ist heute schon aus pädagogischer Sicht schlichtweg nicht mehr möglich – und nicht nur die Lerninhalte haben sich seither massiv verändert, auch das gesamte Schulleben habe immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Auch Zusatz-Angebote wie die Mittagsbetreuung stellen Schulleitung und Lehrkräfte vor immer neue Herausforderungen. Für die Grundschule bedeutet dies schon jetzt: Übergangs-, Zwischen und Notlösungen suchen und dafür sorgen, das alle Angebote erhalten bleiben. Das führt immer öfter auch dazu, dass Kompromisse akzeptiert werden müssen, die auch Schulrektorin Hildegard Ohlmann ganz und gar nicht schmecken – aber weil das zur Verfügung stehende Raumprogramm eben begrenzt sei, müsse die Schulleitung immer wieder ihre Kreativität unter Beweis stellen.

Die Verantwortlichen im Türkheimer Rathaus und im Gemeinderat kamen bei dieser Prognose ganz schön ins Schwitzen, denn ein Anbau an die Grundschule oder gar ein Neubau wird wohl angesichts der leeren Kassen auf Jahre hinaus ein frommer Wunsch bleiben. So werde es wohl weiterhin nötig sein, sich über Zwischenlösungen Gedanken zu machen, meinte Bürgermeister Kähler.

Eine Option könnte dann sein, die Mittagsbetreuung aus der Schule auszulagern und etwa im nahen Seniorenwohnheim Möglichkeiten zu suchen. Bis dahin ist aber wohl weiter die Pfiffigkeit der Schulleitung gefragt. (mit scaa)

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