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Polizeiaktion

24.06.2017

Polizei nimmt auf A96 vor allem Lkw-Fahrer aus dem Ausland ins Visier

Spezialkameras haben von einer Brücke aus den Verkehr auf der A 96 bei Mindelheim fest im Blick.
Bild: Frieß

Bei einer groß angelegten Kontrolle mittels Bilderfassung auf der A 96 hat die Polizei vor allem ausländische Lkw-Fahrer in den Fokus genommen. Aber auch andere wurden verwarnt.

Zehn Polizisten aus vier verschiedenen Dienststellen waren diese Woche auf der A 96 im Einsatz. Ihre Aufgabe: Abstandsmessungen. Doch die Frage, ob sich ein solcher sogenannter Konzepteinsatz lohnt, hören die Beamten nicht gerne. „Wir sind ja nicht hier, um jemanden abzuzocken“, betont Walter Schießler. „Wir sind hauptsächlich hier, um Präsenz zu zeigen. Und um den Vorwurf zu entkräften, dass wir nur die deutschen Lastwagenfahrer zur Kasse bitten und die anderen ungeschoren davon kommen lassen.“

Deutschland hat nur mit der Schweiz und Österreich ein Abkommen, Bußgeldverwarnungen aus dem Straßenverkehr zuzustellen – und so liegt der Fokus an den beiden Tagen auf den Fahrzeugen mit ausländischem Kennzeichen. Und um diese sicher aus dem Verkehr zu lösen, braucht es ein eingespieltes Team.

Profis setzen auf die klassischen Methoden

Den Anfang macht Franz Mörtl, der morgens mit seinem Kollegen auf einer Brücke nahe der Anschlussstelle Mindelheim vier Spezialkameras aufbaut. „Wir brauchen beide Spuren und Bilder vom Kennzeichen und Fahrer, deshalb die vier Geräte mit unterschiedlichen Einstellungen“, erklärt der Experte. Hier wird übrigens nicht mit Radar oder Lasern gearbeitet: Klassische Bilderfassung, die mit einer eigenen Software die Fahrzeuge erkennt und damit Geschwindigkeit und Abstand berechnet, ist die Grundlage für die Abstandsmessung. Wenn die Software Verstöße gegen den Mindestabstand erkennt, holen sich die beiden Profis die Kennzeichen der Fahrzeuge groß auf einen der vier Monitore und entscheiden, ob sie die Kollegen informieren. „Wenn es sich um ein ausländisches Fahrzeug handelt, geben wir die Daten an die beiden sogenannten Fänger auf den Motorrädern durch und die geleiten die Fahrzeuge an der Ausfahrt Erkheim hinaus“, berichtet Mörtl.

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Auf dem Rastplatz stehen die Polizisten mit mehreren Bussen bereit, auch Gefahrgutspezialisten sind vor Ort. Denn die Lastwagenfahrer, die den Mindestabstand nicht eingehalten haben, bekommen nicht nur ein Bußgeld, das als Sicherheit für die zu erwartende Strafe dient, sondern werden außerdem auf Herz und Nieren geprüft. Das heißt bei Brummis: Fahrtzeiten, Ladungssicherheit, Fahrzeugdokumente und Zustand des Fahrzeugs werden kontrolliert.

Es wird minutengenau analysiert

Dafür ist unter anderem Michael Dienst zuständig: „Es gibt wirklich alles Mögliche, was da nicht passen kann, zum Beispiel gefälschte Dokumente, nicht eingehaltene Ruhezeiten, falsch gesicherte Ladung oder sogar gefälschte Spanngurte.“ Mit der Spezialsoftware wird zuerst die Fahrerkarte ausgelesen, doch da der Rechner die letzten 28 Tage minutengenau analysiert, ist manches als Verstoß gekennzeichnet, das nicht wirklich eine Übertretung ist. Michael Dienst sagt: „Deshalb schauen wir uns das noch mal genauer an und entscheiden dann. Wenn der Fahrer mal nach einer Pause zwei Minuten zu früh ins Führerhaus gestiegen ist, dann ahnden wir das natürlich nicht.“

Dienst und seine Kollegin aus Neu-Ulm prüfen außerdem mit einem Dokumentenscanner mit Lupe und UV-Licht die mitgeführten Papiere. Danach wird geschaut, ob am Fahrzeug alles in Ordnung ist. Sind die Reifen abgefahren? Ist die Sicherheitsausrüstung an Bord? Wurde die Ladung auch entsprechend gesichert?

Die meisten LKW-Fahrer sind kooperativ

Walter Schießler berichtet, dass für viele Fahrer das Bußgeld oft nicht die eigentliche Strafe ist: „Vorgeschriebene Lieferzeiten nicht einhalten zu können, kommt viele noch teurer zu stehen.“ Denn wenn nach der Routinekontrolle an der Raststätte eventuell noch eine Fahrt zum TÜV ansteht, kann aus einer 45-minütigen Überprüfung schnell eine Verspätung von ein paar Stunden werden. Polizei-Pressesprecher Christian Eckel betont jedoch, dass die Beamten genau wissen, dass die Berufskraftfahrer unter enormem Druck stehen: „Deshalb wird immer mit Augenmaß gehandelt.“

So auch beim Fahrer eines Logistikunternehmens aus der Region. Er wurde herausgewunken wegen eines sogenannten Elefantenrennens. „Lastwagenfahrer dürfen sich gegenseitig überholen, wenn sie das in einer angemessenen Zeit tun und dabei niemanden behindern. Bleibt er aber zu lange auf der linken Spur, wird der Verkehrsfluss gestört und möglicherweise können gefährliche Situationen entstehen“, erläutert Franz Mörtl die Sachlage. Da die anderen Dinge aber passen, kommt dieser Fahrer mit einer mündlichen Verwarnung davon.

Ein Gefahrguttransporter aus Belgien kommt auf den Parkplatz. Es ist eine reine Routinekontrolle, wegen der vielen Auflagen, denen ein solcher Transport unterliegt. „Einfach, um sich zu zeigen“, wie es Michael Dienst formuliert. Der Fahrer hat alles dabei, er ist außerdem entspannt, denn er kommt gerade erst vom Kunden, ist auf dem Weg nach Hause und nicht in Zeitnot. Manch anderer Fahrer, der an diesem Tag aufgehalten wird, ist da deutlich angespannter und schimpft mitunter laut. „Doch die meisten sind einsichtig“, sagt Walter Schießler.

Abstandsverstöße gab es rund 200 an den beiden Tagen, die hinterlegte Summe liegt bei über 2000 Euro. Pressesprecher Christian Eckel betont: „Windschattenfahren ist eine beliebte Möglichkeit, Sprit einzusparen. Dass es aber zum Teil wirklich lebensgefährlich ist, den geforderten Mindestabstand nicht einzuhalten, das hat man ja in den letzten Wochen gerade auf diesem Abschnitt der Autobahn immer wieder gesehen.“

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