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Bad Wörishofen

24.01.2020

Polizeieinsatz in der Sauna der Therme Bad Wörishofen

Die Therme in Bad Wörishofen war jüngst Schauplatz eines Polizeieinsatzes.
Bild: Therme

Plus Ein alkoholisiertes Paar wird  des Bades verwiesen. Da es sich weigert, steht plötzlich die Polizei in der Sauna. Dann eskaliert die Situation.

"Wir wollten uns nur einen schönen Tag machen, wir waren glücklich", sagt der 55-Jährige, als er sich an den 12. April des vergangenen Jahres erinnert. Er und seine damalige Partnerin hätten gemeinsam den ganzen Tag in der Therme Bad Wörishofen verbracht, und ja, natürlich auch ein paar Cocktails getrunken. Irgendwann kurz nach 19 Uhr liefen die Dinge aber aus dem Ruder. Es kam zu Handgreiflichkeiten, Beleidigungen und einem Polizei-Einsatz mitten im Sauna-Bereich. "Warum, kann ich mir bis heute nicht erklären", sagt der 55-Jährige. Er muss sich vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten, genau wie seine Begleiterin. Kurz darauf werden beide verurteilt.

Alles begann damit, dass das Paar in der Therme an mehreren Menschen vorbeiging, die in einer Schlange offensichtlich auf eine Massage warteten. Der Mann sprach nach eigener Aussage die Gruppe an, fragte, was sie dort tue und bekam neben "pikierten Blicken" auch die Antwort: "Hier läuft gleich Fifty Shades of Grey." Er habe deshalb etwas vor sich hingemurmelt, sagte der 55-Jährige aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Was genau, blieb unklar. Fest steht aber: Wenig später kam das Thermen-Personal auf das Paar zu und verwies es der Therme wegen verschiedener Beschwerden von Badegästen. Sich keiner Schuld bewusst, weigerten sich die beiden aber und gingen stattdessen in die Vorzeige-Sauna der Therme, das Blockhaus am See. Dort kam es dann zu einem ungewöhnlichen Polizei-Einsatz: Das Personal hatte die Beamten gerufen, die in den Sauna-Bereich kamen, um das Paar aus der Therme zu bringen. "Ich habe das nicht glauben können", sagte der 55-Jährige. "Das war aus meiner Perspektive unverhältnismäßig, normalerweise ist der Gast doch König."

"Polizeistaat" schrie der 55-Jährige in Bad Wörishofen

Bis dato hatten sich die beiden nur wegen Hausfriedensbruch strafbar gemacht – doch nun überschlugen sich die Ereignisse. Entgegen der Anweisung der Polizei ging die 46-jährige Frau vor die Tür der Therme, um im Bademantel eine Zigarette zu rauchen. Ein Polizist folgte ihr und forderte sie auf, mit ihm zu kommen. Da sie sich aber weigerte, packte sie der Polizist am Arm. Die Frau hob daraufhin ihre Fäuste und versuchte, den Beamten zu schlagen. Er konnte den Angriff aber abwehren.

Polizeieinsatz in der Sauna der Therme Bad Wörishofen

Nun reagierte wiederum der 55-Jährige, der das Geschehen beobachtet hatte, aggressiv. Er wollte seiner Partnerin zu Hilfe kommen, ein Polizeibeamter stellte sich aber dazwischen und hielt den Mann fest. Dies veranlasste den Angeklagten dazu, "Polizeistaat" zu schreien und Badegäste dazu aufzufordern, sie mögen das Geschehen filmen, da seine Rechte mit Füßen getreten würden. Einen Thermenmitarbeiter verletzte er dabei leicht am Oberarm, einen anderen riss er zu Boden und fügte ihm so zwei blutende Schürfwunden an den Knien zu. "Sie mag es nicht, wenn fremde Männer sie anfassen", begründete der Angeklagte sein Vorgehen. "Wenn ich mich aber nicht richtig bewegt haben sollte, tut es mir leid."

Am Ende war das Treiben in der Therme damit aber noch nicht. Denn als die Beamten beide festhielten, ließ sich die 46-Jährige zur Bemerkung hinreißen, die Polizisten hätten "einen Stock im Arsch". Vor Gericht sagte die Frau, sie habe damit nicht die Beamten, sondern die Badegäste gemeint, die das Paar vermeintlich angeschwärzt hätten. "Wenn sich aber durch mein Verhalten jemand beleidigt oder angegriffen gefühlt hat, tut es mir leid. Das war nie meine Absicht." Gewalt habe sie aber nie angewandt.

Ein Polizist berichtet, wie hoch die Bar-Rechnung des Pärchens war

Die Polizisten, die am Abend des 12. April in der Therme im Einsatz waren, sagten, sowohl der Mann als auch die Frau seien stark alkoholisiert gewesen. Ein Beamter sprach von einer Rechnung über 300 Euro, die beide offen gehabt hätten – " relativ viel davon für Aperol Spritz."

Noch vor dem Urteil bat die Angeklagte, sich mit ihrem Anwalt besprechen zu dürfen. Das Ergebnis der Unterhaltung: Die Angeklagte räumte die Tatvorwürfe vollumfänglich ein. Die Begründung, die sie für ihren Ausraster lieferte und die der Anwalt vortrug, erstaunte: Demnach wurde die Frau drei Monate vor den Vorkommnissen in Bad Wörishofen vergewaltigt. Sie habe deshalb empfindlich reagiert, als der Beamte sie berührt habe. Auch der Mann gestand daraufhin.

Das Urteil fiel schließlich mild aus: Der 55-Jährige wurde wegen Hausfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und zweifacher Körperverletzung zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, seine damalige Partnerin zusätzlich wegen Beleidigung und tätlichen Angriffs auf einen Vollstreckungsbeamten zu sieben Monaten auf Bewährung. Sie muss außerdem 120 Stunden soziale Arbeit ableisten, er muss 3000 Euro an Ärzte ohne Grenzen überweisen.

Richterin Barbara Roßdeutscher erklärte, die Vorkommnisse in der Therme seien "massiv" und "sehr unschön" gewesen. Sie beobachte mit Sorge, dass die Zahl der Übergriffe auf Polizisten zunehme. "Der Umgang wird immer respektloser." Bei solchen Vergehen sei es mit einer einfachen Geldstrafe nicht mehr getan. Doch müsse man auch das Geständnis der beiden berücksichtigen – ebenso wie die Tatsache, dass beide nicht vorbestraft und an dem Abend mutmaßlich alkoholisiert und entsprechend enthemmt gewesen seien. Das Paar hat sich inzwischen getrennt.

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28.01.2020

Ok, verstanden. Also immer zuerst einen antrinken, dann kann ich mich benennen wie Sau.

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27.01.2020

oh liebes Amtsgericht , wie sollen solche Alkoholiker vor Polizisten Respekt haben wenn wieder einmal nur du du du gemacht wird !!! ist ja kein wunder wenn auch bald in Bayern Zustände wie in Leipzig sind !!!

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