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19.09.2007

Porsche auf dem Wasser

Günther Graf macht nicht den Eindruck, besonders sentimental zu sein. Der Chef der gleichnamigen Schreinerei in Breitenbrunn ist eher einer, der an- und zupackt. Seit 40 Jahren verdient er sein Geld mit individuellem Möbelbau.

Von Tilmann Mehl, Breitenbrunn

Günther Graf macht nicht den Eindruck, besonders sentimental zu sein. Der Chef der gleichnamigen Schreinerei in Breitenbrunn ist eher einer, der an- und zupackt. Der Händedruck ist fest, die Augen wach. Seit 40 Jahren verdient er sein Geld mit individuellem Möbelbau. Zusammen mit seinem Sohn Florian führt er den mittelständischen Betrieb, er trägt Verantwortung. Zeit, um Gefühle zu äußern und zu leben, bleibt da kaum. Er nimmt sie sich aber, wenn er von seinem neuen Projekt spricht. Sein neues Projekt ist eine Herzensangelegenheit. Die wachen Augen fixieren einen Punkt im Nirgendwo in der aufgeräumten Werkstatt, wenn er davon erzählt.

Als junger Mann hat seine Liebe für Motorboote angefangen, seitdem hat sie ihn nicht mehr losgelassen. Nun hat er sich seinen Traum erfüllt und erstmals in Eigenregie ein Holz-Motorboot gebaut. Es ist nicht irgendein Boot, das er herstellen wollte. "Es ist der Porsche unter den Booten", sagt er. Fast drei Jahre sind vergangen, seit er mit seinem Sohn beschlossen hat, ein eigenes Boot zu kreieren. Sie wandten sich an den renommierten Ingenieur Winfried H. Wilke, der sie dabei unterstützen sollte. "Wir haben uns am Anfang wenig Hoffnung gemacht, dass er sich gewinnen lässt", erzählt Florian Graf. Schließlich ist es Wilke gewohnt, Aufträge von größeren Firmen entgegenzunehmen. "Als er aber gemerkt hat, dass wir das notwendige Knowhow mitbringen, war er sofort dabei", erinnert er sich. Neben ihrer Liebe für Wassergefährte bringen die Grafs tatsächlich auch die notwendigen Kenntnisse mit. Als Schreinerei richten sie nicht nur Häuser und Wohnungen ein, sondern restaurieren seit vielen Jahren auch Holzboote.

Wilke selbst ist angetan von der Zusammenarbeit. Selten habe er es erlebt, dass "so virtuos mit Holz umgegangen wird". Das Kompliment ehrt die Bootsbauer selbstverständlich. Allerdings war es auch zwingend notwendig, ein Premiumprodukt herzustellen, um als Neuling auf dem Bootsbaumarkt wahrgenommen zu werden. Die Grafs wollen nicht selbst mit ihrem Schiff über die Gewässer schippern. Ihr Boot soll sich gewinnbringend in Bilanzen einbringen.

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"Wir hatten ein klassisches Boot im Sinn. Besonderen Wert haben wir auf zeitlose Eleganz und herausragende Fahreigenschaften gelegt", so der Juniorchef. Kompromisse könne man da keine eingehen. Rein optisch scheint sich die Arbeit gelohnt zu haben. Der Vergleich mit einem Porsche wirkt nicht konstruiert. Die Front schnittig, ohne kantig zu wirken, und das Heck sanft abgerundet, gleicht die Ipanema dem automobilen Vorbild. Hinter dem Namen Ipanema verbirgt sich keine spektakuläre Geschichte. Ein Freund habe beim gemeinsamen Abendessen einfach den Vorschlag geäußert, erzählt Florian Graf.

Für das Boot seien nur die besten Hölzer verwendet worden, berichtet er stolz. Unter anderem wurden Teak, Lärche und Eiche verarbeitet. Aus Afrika wurde ein kompletter Mahagoni-Stamm geliefert. "Wir haben dann auch ein wenig herumexperimentiert, schließlich haben wir so etwas davor ja noch nie gemacht", erzählt er. Insgesamt fast 3000 Arbeitsstunden stecken im Prototypen. Dass er in Serie gehen wird, ist unwahrscheinlich. Mehr als drei Stück könne man im Jahr fast nicht herstellen. Auch ist der Käufermarkt limitiert. Der Grundpreis liegt über der 400 000-Euro-Marke. Dafür bekommt man fahrbaren Luxus. Sämtliche Beschläge und Armaturen sind Sonder- und Eigenanfertigungen. Sechs Personen können am verstaubaren Mahagoni-Tisch Platz nehmen. Die Sektgläser sind darin schon eingelassen. Erste Anfragen gäbe es schon, sagt der Senior-Chef. Obwohl er sich sichtlich darüber freut, ist auch Wehmut in seiner Stimme zu hören, wenn er davon erzählt. "Sie ist schon so etwas wie unser Baby", gluckst er. Sein Kind würde man auch nicht verkaufen. Noch dazu können die Grafs nicht häufig zu Ausflugsfahrten laden. Das Zuwasserlassen hinterlässt jedes Mal Gebrauchsspuren, die sich auf den Verkaufspreis ungünstig auswirken könnten. Also fixiert Graf wieder den Punkt im Nirgendwo, sieht dort sich in seinem Boot und beinahe verschwinden die Fältchen, die das Arbeitsleben in sein Gesicht gezeichnet hat.

Bootsmesse: Auf der Wassersportausstellung INTERBOOT in Friedrichshafen kann die Ipanema vom 22. bis zum 30. September angeschaut werden.

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